Dienstag, 02.09.2014 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: © Lev - Fotolia.com

"Heiligs Blechle": Wie wärs mit einem edlem Stahldach für Ihr Haus?

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Worum geht´s

Es gibt viele Möglichkeiten, sein Dach zu decken. Eine davon ist die Stahldachpfanne, welche den Vorteil hat, dass sie ganz unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten zulässt.

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Topstory: Stahldachpfannen für das Dach: Noch nie gehört? Tatsächlich sind die in Deutschland noch nicht so bekannt wie die üblichen Tonziegeln. 

 

Doch gerade bei Altbauten mit alten Dachstühlen, die schwere Dachziegel nicht mehr tragen können, bietet sich das edle Stahldach für das Haus an.

Die Stahldachpfanne führt in Deutschland eher noch ein Nischendasein. "Jedes Dach ist sehr individuell", beschreibt Dachdeckermeister Toralf Ortmann. Und in vielen Fällen ist eben das Dach etwa aus Tonziegeln oder Betondachpfannen.

Die genießen nicht nur die eindeutige Vorliebe der Deutschen, sondern sind auch statisch ohne Probleme einsetzbar.

Der Vorteile: Stahdachpfannen sind leichter und sparen Geld

Dennoch verbaut Ortmann mit seinem kleinen Betrieb dennoch regelmäßig Stahldachpfannen. "Gerade bei alten Dachstühlen raten wir unseren Kunden häufig, Stahldachpfannen einzusetzen", erzählt der Bezirksmeister.

"Denn wenn hier zuvor Dachbitumen eingesetzt wurde, dann ist die Konstruktion meistens zu schwach, um auch noch Dachziegelsteine zu verkraften."

Stahldachpfannen bieten häufig noch einen weiteren Vorteil: Die alten Dachbitume können liegen bleiben. Das spart kräftig Geld in der Entsorgung!

So günstig sind Stahldachpfannen im Einkauf und bei der Montage

Stahldachpfanne müssen auch nicht den finanziellen Vergleich mit anderen Dacheindeckungen scheuen: Die Montagekosten liegen laut Stahl-Informations-Zentrum 15 Prozent unter denen klassischer Dächer.

Und Christopher Hagmann vom Institut für Bauökonomie an der Universität Stuttgart sagt: "Nach unseren Berechnungen ist die Stahldachpfanne im Vergleich der Nutzungskosten günstiger als Schieferplatte oder Tondachziegel, zumindest in den ersten 40 Jahren."

Konkret: Zehn bis 15 Euro pro Quadratmeter fallen an Materialkosten an. Die Studie "Kosten im Stahlbau 2011" errechnet auf dieser Grundlage einen Verlegepreis von etwa 35 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Immer vorausgesetzt natürlich, dass das Dach auch fachgerecht montiert und gewartet wird.

Stahldachpfannen: Wie lange das Eindecken des Daches dauert

Mit drei Gesellen benötigt der Betrieb von Dachdeckermeister Ortmann beim unkomplizierten Dach eines Einfamilienhauses etwa eineinhalb Wochen, inklusive Wärmedämmung entsprechend länger.

"In der Unterkonstruktion sind sich ein Tonziegeldach und eine Stahldachpfannenabdeckung ziemlich ähnlich, auch der Aufwand ist dann ähnlich hoch", beschreibt der Fachmann seine Erfahrungen. "Beim Verlegen geht es mit den Stahldachpfannen etwas schneller, wobei das bei jedem Dach sehr unterschiedlich sein kann."

Aufwand: Mit Standardlängen geht es schneller

Der Aufwand unterscheidet sich auch danach, welches Material eingesetzt werden kann: In Standardlängen von 0,5 bis 8 Metern gibt es die "Tafeln", breit sind sie in der Regel etwa einen Meter. Ortmann setzt längere Tafeln vor allem ein, wenn die Dachneigung unter 15 Prozent beträgt.

Bei einer Dachneigung über 15 Prozent kommen dann etwa 1,20 Meter lange Tafeln zum Zuge, auf denen quasi fünf Dachziegel nebeneinander liegen.

Stahldachpfannen wiegen weniger als normale Ziegel

Auf dem Dach ist das praktikabel: Pro Quadratmeter wiegt ein solches Stück nur etwa fünf Kilo, ein Zehntel von herkömmlichen Dachziegeln. Das Leichtgewicht aus Stahl ist nur etwa 0,5 Millimeter dick.

Es muss verschraubt oder per Druckluft ans Dach genietet werden, damit es dem Wind standhält.

Auf Stahldachpfannen haben Sie 30 Jahre Garantie

Ist das Dach gebaut, gilt es als "norwegenfest". Das bedeutet: In Skandinavien müssen die viel eingesetzten Stahldächern häufig Urgewalten standhalten. Das dünne Blech hält beispielsweise Hagel ohne Schaden und Beulen ab.

Und: "Korrosion bei Stahldachpfannen ist kein Thema mehr", beschreibt Christoph Radermacher, Produktmanager bei ArcelorMittal Construction, einem Anbieter von Stahldachpfannen: "Beschichtungen mit selbstreinigenden Effekten lassen Verschmutzungen auch von der Oberfläche abperlen. Stahldachpfannen setzen keine Patina an und behalten ihren ursprünglichen Glanz und Frische noch Jahre nach dem Aufsatz."

Stahldachpfannen haben Nachteile beim Schallschutz

Die Hersteller glauben entsprechend auch an die Qualität ihrer Produkte, 30 Jahre Garantie auf das Material sind in der Branche üblich. Radermacher verschweigt aber auch nicht die Nachteile: "Ist in der Umgebung viel Lärm, etwa in der Nähe von Flughäfen, würde ich die Stahldachpfanne nicht einsetzen", so der Experte.

"Für die Statik und in der Handhabung ist ihr geringes Gewicht ein immenser Vorteil - beim Schallschutz aber ein Nachteil."

Stahldachpfannen schonen die Umwelt

Und auch die Ökobilanz könnte im Vergleich schlechter ausfallen. Bei 160 Quadratmetern Fläche erzeugen laut einer Studie des Öko-Instituts Freiburg Tonziegeln etwa 3.400 Kilogramm CO2-Äquivalente, bei Dachsteinen sind dies mit 1.550 Kilogramm etwa die Hälfte. "Stahl lässt sich gut recylcen", führt dagegen Radermacher als Argument an.

Laut dem Stahlinformations-Zentrum wurden 2008 rund 530 Millionen Tonnen Stahlschrott wiederverwertet. Und das lohnt sich durchaus auch für den Bauherren, der Preise vergleichen sollte: Je nach Anbieter können derzeit zwischen 50 und 150 Euro pro Tonne Mischschrott erzielt werden.

Und daraus werden dann Autos, Waschmaschinen - oder eben neue Stahldachpfannen.

Stahldachpfannen und Tonziegeln unterscheiden sich optisch kaum

Stahldachpfannen sind theoretisch in allen erdenklichen Formen und Farben denkbar. Zumindest die Kunden von Dachdeckermeister Ortmann mögen es jedoch eher klassisch: Die Farben schwarz, anthrazit und dunkelrot laufen bei ihm gut und simulieren so die klassischen Tonziegel im Erscheinungsbild.

Und darin sind sie richtig gut: "Ein Laie erkennt den Unterschied zwischen Stahldachpfannen und Tonziegeln aus 15 Metern Entfernung nicht mehr", sagt Ortmann.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
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