Montag, 09.06.2014 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Less Cunliffe - Fotolia.com

Hausbau: Mit der eigenen Muskelkraft Geld sparen

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Worum geht´s
  • Beim Hausbau Geld durch Eigenleistungen sparen
  • Welche Eigenleistungen Laien durchführen können und wovon sie besser die Finger lassen 
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Topstory: Wer am eigenen Haus auch selbst mithelfen will, kann das als sogenannte „Muskelhypothek“ auch in die Finanzierung einbringen. Dadurch kann an manchen Stellen Geld gespart werden. Diese Eigenleistung hat aber auch Nachteile.

Es ist schon oft vorgekommen, dass der Akademiker, der normalerweise vor allem am Schreibtisch arbeitet, plötzlich versteht, warum die Bauarbeiter auf der Straße so oft Pause machen. Mal eben eine Schippe heben und das bisschen Aushub für den Keller schnell erledigen: So einfach ist das nicht, die Schwielen an den Händen und der mörderische Muskelkater haben schon manchen nach wenigen Tagen zur Aufgabe gezwungen. Dennoch: Do-it-yourself beim Hausbau kann Geld sparen. 

Und ein Indiz dafür, was realistisch ist, zeigen die Banken: Wie hoch der Anteil der Eigenleistung an der Kreditsumme sein darf, ist zwar von Bank zu Bank unterschiedlich. Der Finanzvermittler Hypothekendiscount rät aber zu maximal fünf bis zehn Prozent - und das ist auch eine typische Zahl, die Banken gerne für Laien ansetzen. Nur, wer Fachkunde nachweisen kann, bekommt eventuell mehr Prozente von der Bank genehmigt.

Das richtige Einsatzgebiet für Eigenleistung finden

„Unproblematisch ist die Eigenleistung vor allem dann, wenn keine sicherheitsrelevanten Arbeiten durchgeführt werden und nachfolgende Gewerke durch die Arbeiten nicht behindert werden“, mahnt Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Handwerker beäugen ohnehin die Arbeit der Laien oft mit Argwohn. Und das hat auch seinen Grund: Wenn die Qualität nicht stimmt, gibt es Probleme für die nachfolgenden Arbeiten. Beispiel Estrich: Wenn dieser nicht richtig gemacht ist, kann der Fliesenleger auch keinen geraden Boden legen.

Dechert nennt noch ein anderes Beispiel: „Natürlich könnte auch der Laie schon vorab die Wände für die Kabelkanäle aufstemmen“, beschreibt er. „Aber diese Arbeiten fallen bei den Kosten kaum ins Gewicht - und auch der Laie müsste sich dabei natürlich an die üblichen Normen halten, die er womöglich gar nicht kennt, so dass der Fachmann noch einmal nacharbeiten muss.“

Wenn durch die Vorarbeiten aber sogar der Zeitplan der nachfolgenden Gewerke durcheinander gerät - Stichwort Aushub - dann kann das im Zweifelsfall sehr teuer werden. Denn nicht unbedingt sind dann die Handwerker noch an ihren Preis gebunden. Und außerdem können sie - dank brummender Konjunktur - auch oftmals nicht einfach zwei Tage oder eine Woche später mit ihren Arbeiten am Haus beginnen: Der Terminplan ist voll. Es kommt womöglich zu einer Kettenreaktion und neben den höheren Kosten und der aufwendigen Organisation kann die Modernisierungsarbeit oder der Hausbau nicht rechtzeitig abgeschlossen werden.

Klassischerweise kommen somit Abschlussarbeiten für den Laien infrage, zum Beispiel das Tapezieren und Streichen, das Verlegen von Klicklaminat oder PVC-Boden oder auch Gartenarbeiten. Das sieht dann zwar nicht unbedingt schön und perfekt aus - auch hier ist die erfahrene Meisterhand in Sachen Qualität und Geschwindigkeit klar im Vorteil -, aber es ist eben nicht zeitrelevant.

Es gibt natürlich auch Bereiche, von denen der Laie generell die Finger lassen sollte. „Do-it-yourself bei der Elektroinstallation ist äußerst gefährlich“, mahnt so ZVEH-Experte Dechert. Diese müssen ohnehin zwingend später von einem Fachmann abgenommen werden. „Wir raten unseren Mitgliedsbetrieben dazu, solche Abnahmen nicht durchzuführen, da sie selbst sonst auch in der Haftung sind, wenn irgendwas schiefgeht.“


Bei Eigenleistung sich selbst vernünftig versichern

Aber auch so ist die Arbeit auf einer Baustelle schon gefährlich genug: „Besondere Gefahrenquellen sind nach unseren Statistiken Absturz- und Durchsturzunfälle“, sagt Tanja Kohl, Fachreferat Mitglieder und Beiträge bei der Berufsgenossenschaft Bau: „Und auch immer, wenn Maschinen, Strom und Gefahrenstoffe zum Einsatz kommen, kommt es zu Unfällen.“ So verunglückten auf deutschen Baustellen laut einer Statistik der Berufsgenossenschaft im Jahr 2012 etwa 110.000 Personen.

Zumindest finanziell kann sich der Bauherr absichern: „Er kann sich selbst freiwillig bei der Berufsgenossenschaft gegen die Folgen von Arbeitsunfällen auf der Baustelle absichern“, so Kohl. Sollte er auch noch Freunde um Mithilfe gebeten haben, dann sind diese möglicherweise über die BG Bau sogar pflichtversichert.

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„Selbstgemacht!“ verursacht häufig Arbeit, spricht aber auch meist für Qualität. Ob es jedoch immer so schlau ist, selbst Hand anzulegen und ob das am Ende wirklich die häufig erhoffte Ersparnis bringt, steht auf einem ganz anderen Blatt! Wie es um Ihre Eigenleistungen rund um Haus und Hof steht und wann sie sich tatsächlich rechnet, zeigt dieser Beitrag.
Topstory: Wer am eigenen Haus auch selbst mithelfen will, kann das als sogenannte „Muskelhypothek“ auch in die Finanzierung einbringen. Dadurch kann an manchen Stellen Geld gespart werden. Diese Eigenleistung hat aber auch Nachteile.

 meineimmobilie.de-Tipp

So funktioniert die Versicherung über die Berufsgenossenschaft

 

  • Antrag stellen: Der Antrag für Bauhelfer kann einfach im Internet unter http://www.bgbau.de/versicherte1/bauhelfer ausgefüllt und abgesendet werden.
     
  • Pflichtversicherung: Diese besteht bei freiwilligen Bauhelfern, allerdings nicht bei Gefälligkeitsleistungen. Die Grenzen sind fließend und schwierig, zu durchschauen. Bei Antragstellung wird aber geprüft, ob eine Versicherungspflicht besteht.
     
  • Freiwillige Versicherung: Die Bauherren selbst und sein Lebens- oder Ehepartner können sich freiwillig bei der BG Bau unfallversichern. Dazu muss ein Formular ausgefüllt und per Post gesendet werden.
     
  • Bautagebuch: Der Bauherr ist verpflichtet, in einem Bautagebuch genau die helfenden Personen und die Zeit ihrer Tätigkeit einzutragen.
     
  • Meldungen: Etwa einmal im halben Jahr müssen dann die tatsächlich geleisteten Stunden an die BG Bau gemeldet werden. Die Versicherungsprämie richtet sich nach diesen Stunden und beträgt in Westdeutschland derzeit 1,42 Euro pro Stunde und in Ostdeutschland 1,20 Euro pro Stunde.
     
  • Bußgeld: Wenn ein Bauherr die Anmeldung der Helfer unterlässt, droht ihm ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro. Die Bauhelfer sind - sofern für sie eben die nicht ganz klaren Ausnahmen gelten - dennoch versichert.