Donnerstag, 21.08.2008 | Autor: Dr. Wolfgang Naumer/mb, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Energieeffizient bauen: Wärmedämmung für das Mauerwerk

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Energieeffizientes Bauen ist hinsichtlich der Erstinvestitions- und Materialkosten sicherlich zunächst teurer, allerdings gleichen sich die höheren Kosten schon bald durch Einsparungen in den Betriebskosten wieder aus. Besonders beim Mauerwerk sorgt der Einsatz von wärmedämmenden Materialien für ein angenehmes Raumklima und energiesparendes Wohnen.

Den unteren Abschluss der beheizten Wohnfläche bildet entweder die das Erdreich berührende Bodenplatte oder die Decke zum unbeheizten Keller. Das Gebäude muss nach unten zum Erdreich thermisch gegen Feuchtigkeit abgeschirmt sein. Dieser Bereich unterliegt geringeren Temperaturschwankungen als die an die Außenluft grenzenden Bauteile, deshalb kann hier die Wärmedämmung etwas dünner ausfallen, beziehungsweise kann ein Material mit einer geringeren Wärmeleitgruppe (WLG) verwendet werden.

Dämmung der Bodenplatte

Ob die Wärmedämmung außerhalb und/oder innerhalb ausgeführt wird, ist genehmigungstechnisch nicht erheblich. Jedoch ist die Dämmung unterhalb der Bodenplatte in der Regel teurer, weil die Dämmmaterialien wie Schaumglas, Polyurethan oder extrudierter Polystyrol-Schaum kostenintensiver sind. Allerdings bietet eine Dämmung, die vollflächig unter der schwimmenden Bodenplatte ausgeführt wird, eine Verbindung mit den aufgehenden Wänden ohne Wärmebrückenverluste.

Wer die Wärmedämmung oberhalb der Bodenplatte ausführen möchte, kann auf ein breites Angebot an Dämmstoffen zurückgreifen. Inzwischen stehen Materialien zur Verfügung, die sich sogar in erheblicher Stärke unterhalb des Estrichs ausführen lassen.

Kellerdecke

Diese Aussagen gelten auch für die Kellerdecke. Sowohl Bodenplatten als auch Kellerdecken können unterseitig, oberseitig oder sowohl unterseitig als auch oberseitig gedämmt werden. Wer im Neubau die Dämmung unterhalb der Decke ausführen möchte, sollte jedoch den erheblichen Aufwand beachten.

Schließlich muss die Dämmung nicht nur durch Dübel oder Kleber befestigt, sondern meist auch verspachtelt oder verkleidet werden. Auch hier sollte - wie bei den anderen Bauteilen - auf Luftdichtheit und Vermeidung von Wärmebrücken geachtet werden. Bei Gebäuden im Niedrigenergiehaus-Bereich sollte der untere Abschluss einen U-Wert von 0,15 und 0,30 W/m2K betragen. Dies kann mit einer Dämmstoffdicke von rund zwölf bis 15 Zentimeter Gesamtstärke der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 040 erreicht werden.

Dämmung der Außenwände

Die Außenwand hat flächenmäßig den größten Anteil an der Gebäudehülle. Die Heizwärmeverluste können zwischen 25 und 40 Prozent der Gesamtwärmeverluste eines Gebäudes ausmachen. Die wärmedämmende Qualität der Außenwände ist also ein wesentliches Element des energiesparenden Bauens. Dabei ist - wie bei allen Dämmmaßnahmen - auf eine fachgerechte Ausführung zu achten, um Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung zu vermeiden.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Konstruktionsprinzipien für Außenwände, den schweren Massivbau und den leichten Holzbau. Trotz modernerer Alternativen immer noch weit verbreitet: das altbekannte, einschalige Mauerwerk. Ausreichende Wandstärke und nicht zu hohe Rohdichte vorausgesetzt, hat dieses Material eine noch ausreichende "Eigendämmung" und erfüllt mit (Leichtmauer-)Mörtel die wichtigsten Wandfunktionen, also Tragfähigkeit, Wärmeschutz, Wärmespeicherung, Schallschutz und Feuchtigkeitsschutz.

Alternative Dämmstoffe

Es gibt darüber hinaus jedoch Alternativen wie ein inzwischen von vielen Herstellern angebotenes Mauerwerk, das bezüglich der wärmedämmenden Eigenschaften nahe an Wärmedämmstoffe heranreicht. Mineralische Materialien wie Ziegel, Porenbeton oder Kalksandstein weisen daneben auch noch günstige Brandschutzeigenschaften auf und je höher die Rohdichte ist, desto mehr Vorteile hinsichtlich des Schallschutzes bieten sie.

Der speicherfähige Massivbau ohne zusätzliche Dämmschicht ermöglicht eine Phasenverschiebung bei Temperaturänderungen. Diese sogenannte Phasenverschiebung ist mitverantwortlich für einen Effekt, den wir in dauerhaft genutzten Gebäuden als sehr behaglich wahrnehmen, weil keine großen Temperaturschwankungen stattfinden.

Temperaturschwankungen

Tagsüber scheint die Sonne einige Stunden auf eine Außenwand. Die Wand erwärmt sich und gibt die Wärme nach innen. Meist ist die Sonne jedoch schon wieder weg, bevor die Wärme an der Innenseite angelangt ist. Die Folge: Die Außenwand kühlt bereits wieder ab und entzieht quasi der Innenseite Wärme. Darum sind die Temperaturschwankungen an der Außenwand viel höher als in der inneren Wandoberfläche.

Speicherfähige Massivbauteile machen sich durch diesen stabilisierenden Effekt jedoch auch im Winter positiv bemerkbar. Weil ein Kubikmeter Ziegelwerk viel mehr Wärme speichert als ein Kubikmeter Luft, empfinden wir in einem von speicherfähigen Massivbauteilen umschlossenen Raum das Klima auch direkt nach dem Fensterlüften als behaglich.

Behagliches Raumklima

Die im Mauerwerk gespeicherte Wärme wird an die frische Luft abgegeben. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass speicherfähige Bauteile bei dauernd genutzten Gebäuden über alle Jahreszeiten für eine größere Behaglichkeit in Aufenthaltsräumen sorgen, da sie die Schwankungen der Raumlufttemperatur begrenzen und Temperaturspitzen verringern.

Bei Bekleidung der Außenwand mit einem Wärmedämm-Verbundsystem sollte besonders genau beachtet werden, dass die bauphysikalischen Funktionen erfüllt werden. Der Wasserdampfdiffusionswiderstand der einzelnen Konstruktionsschichten muss nach außen hin abnehmen, um Durchfeuchtungsschäden der Wand zu vermeiden. Unerlässlich ist zudem die Verwendung langfristig erprobter Systeme mit aufeinander abgestimmtem Schichtenaufbau aus dem Angebot erfahrener Hersteller und deren Verarbeitung durch ausgewiesene Fachleute.

Schichten des Verbundsystems

Ein sorgfältig ausgeführtes Wärmedämm-Verbundsystem besteht aus drei Schichten:

  • einer Wärmedämmschicht aus Dämmstoffen in unterschiedlicher Schichtdicke (die jeweiligen Dämmstoffe müssen mit dem Beschichtungsuntergrund entweder verklebt oder mechanisch befestigt werden, optional auch beides),
  • einer Beschichtung aus Armierungsmasse und -gewebe,
  • einer abschließenden Beschichtung zur Gestaltung der Oberfläche.

Traditionell werden Außenwände in Leichtbauweise, also etwa Holzständerwände bei Fertighäusern verwendet. Eine ganz neue Bedeutung haben die Außenwände in Leichtbauweise durch die Planung und den Bau von Passivhäusern erhalten, bei denen die Hülle fast nur noch aus Dämmstoffen besteht.

Holzkonstruktionen

Holzkonstruktionen lassen sich in äußerst vielfältigen Formen erstellen und vorfertigen. Die einfachste und kostengünstigste besteht dabei aus Außenschale, Ständerwerk mit Dämmung und einer einfachen Innenschale. Außen wird üblicherweise eine hinterlüftete Beplankung, als Witterungsschutz, gewählt. Innen ist häufig eine zusätzliche Installationsebene sinnvoll, um die Luftdichtung sauber ausführen zu können.

Die Luftdichtigkeit ist bei dieser Konstruktion absolutes Muss. Der Grund: Im Gegensatz zu mineralischen Baustoffen kann Holz tageszeitlich oder witterungsbedingte Temperaturschwankungen kaum ausgleichen, weil es Wärme schlechter leitet. Aus diesem Grund ist die kontinuierliche Lüftung mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung die erste Wahl für Leichtbauten.

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