Mittwoch, 13.08.2008 | Autor: Hans Dieter Hegner/mb, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Energiebilanz: Verbrauchsanalyse beim Wohnhaus

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Hausbesitzer, die einen Energieausweis brauchen, müssen den Energiebedarf ihrer Immobilie errechnen lassen und erhalten dann vom Fachmann eine Energiebilanz für ihr Haus. Der Fachmann ermittelt diesen Wert über eine komplizierte Formel. Entscheidend ist dabei vor allem der sogenannte Primärenergiebedarf.

Bei der Ausstellung von Energieausweisen auf der Grundlage des Energiebedarfs bestimmt die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2007 die Berechnungsmethoden sowohl für den Neubaufall als auch für die umfassende Modernisierungsmaßnahme. Die EnEV 2007 übernimmt in diesem Zusammenhang bei Wohngebäuden im Wesentlichen unverändert die bisherige Regelung der Energiebilanzierung der Energieeinsparverordnung.

Primärenergie- und Endenergiebedarf

Die Bilanzierung muss durch Fachleute durchgeführt werden und ist sehr komplex. Nach EnEV 2007 ist dabei die Energie zu berechnen, die man in Kubikmeter Gas, Liter Heizöl oder Tonnen Kohle der Heizungs- und Warmwasseranlage zuführen muss, um die gewünschte Beheizung beziehungsweise Warmwassermenge zu erhalten. Diese Energie wird an der Grundstücksgrenze bereitgestellt.

Die dieser Energie zuzuordnende Primärenergie ergibt sich aus dem Aufwand, der für die Bereitstellung dieser Energieform notwendig ist. Die Primärenergie ist die eigentliche Anforderungsgröße der EnEV. Sie ergibt sich aus der berechneten Endenergie durch Multiplikation mit den entsprechenden Primärenergiefaktoren. Die Primärenergiefaktoren berücksichtigen die Förderung der Brennstoffe, ihren Transport, die Verteilung und gegebenenfalls ihre Speicherung bis zur Übergabe am Gebäude.

Energiefresser Strom

Die primärenergetische Bereitstellung für eine Kilowattstunde Strom ist erheblich aufwändiger als bei einer Kilowattstunde Öl oder Gas. Je kleiner der Faktor, desto besser ist die ökologische Wirkung der eingesetzten Energieform bei der Beheizung des Gebäudes. Das bedeutet auch, dass Stromheizungen primärenergetisch deutliche Nachteile haben. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen deshalb Nachtspeicherheizungen in den nächsten Jahren sukzessive ausgetauscht werden.

Günstig liegen natürlich typische erneuerbare Energien wie die Solarenergie, aber auch das Holz, da es als nachwachsender Rohstoff immer wieder von der Natur zur Verfügung gestellt wird (nur für das "Ernten", Aufbereiten und Verteilen fallen Umwandlungsverluste an). Günstig sind auch Fernwärmesysteme, wenn sie mit sogenannter "Kraft-Wärmekopplung" funktionieren. Das bedeutet, dass die bei der Herstellung von elektrischem Strom abfallende Wärme genutzt wird. Dieser Kopplungsprozess ist primärenergetisch günstig.

Energiebilanz für die Endenergie

Das Rechenverfahren zur Ermittlung der Endenergie basiert auf einem statischen Bilanzierungsmodell der Energieverluste und -gewinne. Die Bilanzformel ist wirklich nur etwas für Experten.

Sie hat folgende Bedeutung: Die aufzuwendende Primärenergie ergibt sich aus dem Wärmebedarf sowohl für Heizung als auch für das bereitzustellende Warmwasser einschließlich der Verluste für den Wärmetransport im Haus (zum Beispiel vom Heizkessel zu den Heizkörpern), der Wärmespeicherung (zum Beispiel Warmwasserspeicher) und der Wärmeübergabe im Raum (zum Beispiel Verluste am Heizkörper) multipliziert mit der Aufwandszahl des Wärmeerzeugers, dem entsprechenden Primärenergiefaktor und dem Deckungsanteil erneuerbarer Energien.

Aufwandszahl

Die Aufwandszahl beschreibt die Effizienz eines Wärmeerzeugers. Sie ist das Verhältnis von Aufwand und Nutzen bei der Beheizung. Typische Heizkessel auf der Basis Öl oder Gas haben eine Aufwandszahl größer Eins. Allerdings liegen die Aufwandszahlen sogenannter Niedertemperaturkessel höher als die von moderner Brennwerttechnik.

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Hans-Dieter Hegner ist Diplom-Bauingenieur und zuständiger Baudirektor im Bundesbauministerium.
Hans-Dieter Hegner