Mittwoch, 06.02.2013 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2007

Elektroinstallation: Warum Ihre Sicherung ständig raus springt

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2007
Worum geht´s
  • Elektrosanierungen sind aufwendig und teuer
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Topstory: Ein Herd in der Küche – und das war es: In den 50er-Jahren gab es viele Elektroklein- und -großgeräte noch nicht als Standard. Und entsprechend wurden auch die Stromleitungen und -kreise ausgelegt. Auch aus Sicherheitsgründen ist oftmals eine grundlegende Sanierung ratsam.

Spätestens, wenn die Leitungen ständig heiß werden, steht womöglich eine höhere Investition im eigenen Haus an: die Elektroinstallation. „Was damals, zum Beispiel in den 50er-, 60er- oder auch 70er-Jahren, Stand der Technik war, ist für heutige Zwecke nicht mehr ausreichend“, kommentiert Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

„Es gibt heute im Haushalt wesentlich mehr elektrische Geräte und viele elektrische Anwendungen, die die Leitungen stärker belasten. Daher ist es auch eine Frage der Sicherheit, diese alten Leitungen zu erneuern beziehungsweise zu erweitern.“ Der Experte warnt auch: Einfach ein paar Mehrfachsteckdosen zusätzlich anzuschließen, sei keine Lösung, denn dadurch wird die Überlastung der Leitungen in der Wand nicht geringer. Und diese Überlastung sorgt für Hitze und kann so zu einem Kabelbrand führen.

Hohe Kosten für die Elektroinstallation

Als Erfahrungswerte für die grobe Kostenschätzung einer Elektrosanierung kursieren 35 Euro/Quadratmeter aufwärts im Internet. Letztendlich hängen die tatsächlichen Kosten nicht nur davon ab, wie leicht und strukturiert die neuen Leitungen zum Beispiel im Haus angebracht werden können, sondern auch von den Komfortwünschen. So kennen die RAL-Ausstattungswerte drei Stufen bei einer „normalen“ Elektroinstallation. Während hier ein Sternchen den Standard nach DIN 18015-2 beschreibt – hier wird bei einer Wohnung bis 50 Quadratmeter von mindestens drei Stromkreisen und zum Beispiel fünf Steckdosen in der Küche ausgegangen – kann sich das bis zur Drei-Sternchen-Komfortstufe – dann mit zwölf Steckdosen in der Küche und teilweise sogar mehreren Stromkreisläufen pro Raum – steigern. Die „Sternchen-Plus“-Installationen nach RAL beschreiben intelligente Gebäudetechnologie, weisen also mit Steuerungstechnik und Leitungssystemen in die Zukunft. „Mit intelligenter Gebäudetechnik kann dann die Waschmaschine angeschaltet werden, wenn gerade die Sonne scheint“, beschreibt Reinhold-Postina einen gar nicht so utopischen Entwurf für die Zukunft im Haus.

Ob dies dann sinnvoll ist, ist eine individuelle Entscheidung: „Hauptaugenmerk einer Elektrosanierung liegt auf der Anzahl der Steckdosen und auch den Stromkreisen“, beschreibt Gerold Happ, Geschäftsführer für Immobilien- und Umweltrecht bei der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund, den ersten Blick auf veraltete Eletroinstallationen. Ein weiterer Kostenfaktor: Eine grundlegende Elektrosanierung ist im laufenden Betrieb fast unmöglich, „der Elektriker versetzt die Innenräume mit seinen Arbeiten in den Rohbauzustand“, so Reinhold-Postina. Auch deshalb macht es Sinn, nur leerstehende Wohnungen zu sanieren. Happ ergänzt die rechtliche Situation. „Es stellt keinen Mangel dar, wenn beispielsweise nur ein Großgerät in der Küche betrieben werden kann und der Vermieter hierauf im Mietvertrag hingewiesen hat.“ Dennoch: Die Vermietbarkeit erhöht sich, wenn auch die Elektroinstallation dem heutigen Stand der Technik entspricht.

Vorzeitige Planung der Elektroinstallation

Aus Kostengründen wird die Elektroinstallation meistens im Rahmen genereller Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Und hier ist eine Abstimmung zwischen den Gewerken wichtig: Das kann ein Architekt oder ein Bauplaner übernehmen, der sich dann auch um die Ausschreibung von Leistungen kümmert. Je besser der Bauherr sich selbst informiert, desto besser kann der Planer dann die notwendigen Arbeiten auch berücksichtigen. So liegt die Tücke im Detail: Soll zum Beispiel auch in Zukunft ein Elektroauto an der Steckdose aufgeladen werden? Wie sieht es mit Datenverbindungen aus – war früher der einzige Telefonanschluss im Flur der Wohnung, wollen heute Bewohner überall online sein. Oder auch: Soll Strom eingespeist werden aus einer Solarzelle auf dem Dach? 

Die Anforderungen sind sehr vielfältig. Dechert rät generell dazu, bei der Auswahl der Systeme auf offene Standards zu setzen, die von mehreren Firmen unterstützt werden. So hat sich bei der BUS-Technologie für die intelligente Gebäudetechnik zum Beispiel der sogenannte KNX-Standard etabliert. „Bei einer Sanierung der Elektroinstallation sollte die Ausgangssituation zunächst von einem Fachmann bewertet werden“, so Dechert. „Seine Aufgabe ist es auch, die verschiedenen Möglichkeiten zu beschreiben.“ Und alleine daran kann auch der Laie schon ganz gut erkennen, wie der Handwerker arbeitet und ob er zum eigenen Vorhaben gut passt.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Ein kurzes "Klack" und es wird mal wieder dunkel im Haus: Die Sicherung ist rausgesprungen und Ihr Mieter sitzt im Dunkeln und ärgert sich.    In Deutschland ist daran nur selten der Netzbetreiber schuld. Oft verursacht eine veraltete Elektroinstallation den Stromausfall. Für den Vermieter ist allerdings die Sanierung der Elektroinstallation eine teure und aufwendige Angelegenheit.

 meineimmobilie.de-Tipp

Checkliste zur Elektroinstallation:

  • Alter der Installation: Diese sagt viel über den Standard aus, dem sie entspricht. Es besteht zwar keine Nachrüstverpflichtung, allerdings macht es bei älteren Installationen Sinn, diese anzupassen.
  • Komfortstufe wählen: Es gibt unterschiedliche Komfortstufen bei der Elektroinstallation, die durch eine DIN-Norm und die RAL-Kriterien definiert sind. So besagt das „plus“ bei den RAL-Kriterien die Anlage intelligenter Gebäudetechnologie. Eine Beratung ist sinnvoll.
  • Auf offene Standards Wert legen: Eine Elektroinstallation soll etliche Jahrzehnte halten. Entsprechend ist es wichtig, auf offene Standards etwa bei der BUS-Technologie für die intelligente Gebäudetechnik zu setzen.
  • Elektroinstallation einbetten: Bei umfangreicheren Sanierungsarbeiten ist es sinnvoll, die Elektroinstallation nicht losgelöst von den restlichen Modernisierungsarbeiten zu betrachten. So kann etwa ein Architekt hier beratend tätig werden.
  • Handwerker auswählen: Kriterien für die Vorauswahl eines Handwerkers können eigene Erfahrungswerte, spezielle Prüfsiegel und Referenzobjekte sein. Es sollten immer mehrere Angebote eingeholt werden. Anhand der Beratung kann auch abgeschätzt werden, welcher Handwerker passt. Erfahrene Bauherren können auch mit einer Ausschreibung und mit einem dann sehr detaillierten Leistungskatalog arbeiten. Sollte ohnehin ein Architekt mit der Gesamtplanung beauftragt sein, übernimmt dieser diese Aufgabe.
  • Ankündigen und vorbereiten: Eine Elektrosanierung macht viel Dreck, ein Bewohnen der Wohnung ist dann nur noch selten möglich. Sollten im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses Arbeiten stattfinden, müssen die Mieter rechtzeitig unterrichtet werden. Bei einer bewohnten Mietwohnung muss dem Mieter womöglich eine Ersatzunterkunft zur Verfügung gestellt werden.