Mittwoch, 17.06.2009 | Autor: Jörg Stroisch

Ärger beim Hausbau

Der Bauträger mit dem schlüsselfertigem Haus ist häufig Vertragspartner privater Bauherren. Doch wird hier nicht vernünftig ausgewählt, kann hier mächtig Ärger drohen - bis hin zur eigenen Insolvenz. Eine Kolumne von Jörg Stroisch.

Ein Bauträger verlangt von dem Käufer des Hauses eine weitere Zahlungen, weil ansonsten das Dach nicht mehr fertiggestellt wird. Wenig später ruht die Arbeit auf der Baustelle, alle Handwerker verlassen die Baustelle. Auch diese haben vom Bauträger ihre Löhne nicht erhalten.

Für den Käufer sehr ärgerlich: Der Bauträger hat nach der letzten Zahlung Insolvenz angemeldet. Der Käufer bleibt auf einem halbfertigen Haus sitzen, für welches er zudem schon mehr bezahlt hat, als es der Baufortschritt zugelassen hätte.

Das Fernsehen berichtet anschaulich immer wieder von solchen traurig-tragischen Fälle. Schnell stellt sich meist heraus, dass auch viele andere Kunden des Bauträgers auf halbfertigen Häusern oder schlechter Qualität sitzen bleiben. Beim Käufer platzt zudem häufig die Finanzierung, er steht so kurz vor der eigenen Privatinsolvenz. Derweil eröffnet der alte Bauträger unter neuem Namen einfach im Musterhaus ein neues Gewerbe. Und wieder wird der Traum vom eigenen Haus für neue Kunden Monate später zur Farce.

Solche Praktiken haben System. Und natürlich sind solche schwarzen Schafe ziemlich geschickt darin, ihre Praktiken zu tarnen. Dennoch: Bei jedem Handy laufen Käufer von einem Shop zum nächsten, um den günstigsten Tarif herauszufinden. Hier geht es nur um ein paar Euro. Aber beim Hausbau lassen sich viele Familien von den bunten Prospekten des nächstbesten Anbieters blenden.

Deshalb ist es wirklich nicht nur Schuld der Branche, dass es solche Praktiken leider immer noch gibt. Sondern in erster Linie müssen auch Bauherren hier an die Grundlagen wirtschaftlichen Handelns erinnert werden: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Besonders dann, wenn es um mehrere hunderttausend Euro geht.

Und die Indizienkette kann im Zweifel lang sein. Von einer Anfrage bei Auskunftsdateien - zum Beispiel Creditreform oder D&B - über den Besuch anderer Referenzbaustellen bis hin zum Kontakt zu ehemaligen Kunden des Unternehmens gibt es viele Möglichkeiten. Auch die Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften und Innungen sind eine gute Anlaufstelle.

Interessante Fragen sind auch: Seit wann besteht das Unternehmen am Markt, ist es ein örtliches Unternehmen?

Es geht eben nicht nur um ein paar Euro!

P.S.:Mit meinem neuen Buch "Ärger mit Handwerkern" können Sie sich auch über die richtige Auswahl und Beauftragung von Handwerkern informieren. Buchtitel: Ärger mit Handwerkern, ISBN: 978-3-448-09347-6, für 19,80 Euro.

Kommentare (1)

21.6.2009, 12:34 Uhr von rolf600 Profil ansehen
Ich kann aus eigener Erfahrung (leider) bestätigen wie blauäugig Bauherren an ihr "Lebensprojekt" herangehen. Gutgläubig und nicht glauben wollend, dass man Schiffbruch erleiden kann. Habe selbst Bauunternehmerinsolvenz erlebt, mit allen dazugehörigen Folgen... endloser Bauverzug, Neukalkulation und Neuvergabe mit immensen Mehrkosten, längere Mietbelastung in der Noch-Wohnung, erhöhter Nachfinanzierungsbedarf etc. Und natürlich hat der Bauunternehmer uns mit allen Tricks versucht zu täuschen - angeblich schwere Krankheit, angeblich unzuverlässige Subunternehmer blabla bla. Veruntreuung von Zahlungen... zum Glück ist jetzt alles vorbei und wir zufrieden im Häuschen.