Dienstag, 20.01.2009 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Wohnen im Wintergarten

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Wintergärten sind beliebt: Sie erweitern den Wohnraum, bieten Stellfläche zum Überwintern von Pflanzen und sie lassen Licht ins Haus. Doch ist die Konstruktion nicht richtig geplant, kann es zu folgenschweren Baufehlern kommen.

Vom offenen Freisitz zum voll nutzbaren Wohnraum ist der Weg heute über den technisch ausgereiften Wintergarten nicht mehr weit. Diese Sonderkonstruktion ist oft als Wärmefalle, Klimapuffer oder Gewächshaus sehr beliebt und in jedem Fall ein Highlight.

Bei Wintergärten handelt es sich sowohl um technisch wie auch um bauphysikalisch anspruchsvolle Konstruktionen, bei denen sehr viele Fehler gemacht werden können. Zwar verfügen wir heute über technisch ausgereifte Konstruktionen und eine überschaubare Vielfalt von Lösungsmöglichkeiten, jedoch kommt es aufgrund der vielfältigen Fehlerquellen zu vielen Bauschäden.

Unbeheizter Raum

Ein klassischer Wintergarten ist in der Regel ein dreiseitig verglaster, separater Raum, häufig mit verglastem Dach, der vom Wohnraum aus erschlossen wird und meist beheizbar und frostfrei ist. Die Raumtemperatur sinkt in einem klassischen Wintergarten kaum unter zehn Grad Celsius.

Diese Kurzcharakteristik birgt eine Menge technischer Anforderungen und verlangt auch ein ganz spezielles Nutzerverhalten. Wesentlich jedoch ist, dass heutzutage an einen Wintergarten, der nur in seltenen Fällen zum Überwintern deer frostempfindlichen Kübelpflanzen dienen soll, ganz andere Anforderungen gestellt werden.

Anforderungen an einen Wintergarten

Der Wintergarten wird zu einem Wohnraum. Und genau daraus ergeben sich die baulichen und technischen Anforderungen:

  • Erfüllung der gesetzlichen technischen Mindestanforderungen an den Wärmeschutz,
  • Einhaltung der EnEV einschließlich Nachweis der Tauwasserfreiheit,
  • Verwendung von thermisch getrennten Konstruktionen und von Isolierverglasungen, meist sogar von Wärmeschutzverglasungen,
  • Erfüllung des sommerlichen Wärmeschutzes mittels außen liegendem Sonnenschutz, Lüftung und meist Sonnenschutzverglasung,
  • Gewährleistung einer Mindestraumtemperatur von 20 Grad Celsius im Winter, also durchgängige Beheizung,
  • Nutzung des Wintergartens als Wärmefalle zur Verbesserung der Energiebilanz.

Bei einer derartigen Nutzung kann der Wintergarten tatsächlich auch ohne räumliche Abtrennung mit den Wohnräumen verbunden werden, da eine thermische Trennung des Wintergartens nur dann erforderlich ist, wenn er als klassischer "kalter" Wintergarten konzipiert wird.

Kalter oder warmer Wintergarten

Der Bauherr sollte sich also fragen, ob er einen Wintergarten will, in dem er seine frostempfindlichen Pflanzen überwintern lassen kann, oder ob er einen erweiterten, voll verglasten und ganzjährig nutzbaren Wohnraum haben möchte. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann die Planung des Wintergartens erfolgen.

Da ein Wintergarten bautechnisch ausgesprochen anspruchsvoll ist, sind die im Folgenden aufgelisteten Planungs- und Ausführungsfehler leider keine Seltenheit:

  • Verwendung ungeeigneter Konstruktionen in Bezug auf technische Anforderungen wie thermische Trennung oder Schlagregensicherheit.
  • Fehlende oder fehlerhafte statische Bemessung wie zum Beispiel keine Berücksichtigung der Schneelast bei Glasdächern.
  • Unzureichender sommerlicher oder winterlicher Wärmeschutz.
  • Keine ausreichende Lüftung, die den hygienisch erforderlichen Luftwechsel unter Berücksichtigung des Wärmestaus erbringt.
  • Fehlerhafte Gründung und mangelhafte Bauwerkabdichtung der Bodenplatte.
  • Fehlerhafte Ausbildung des Gebäudeanschlusses und insbesonde-re des Dachanschlusses.

Wintergarten als anspruchsvolles Sonderbauwerk

Bei einem Wintergarten handelt es sich um ein baulich und technisch hoch anspruchsvolles Sonderbauwerk, das unbedingt von einem Fachmann geplant werden sollte. Eine Strichskizze, die dann an den "Wintergartenspezialisten" weitergegeben wird, reicht bei Weitem nicht aus.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

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