Mittwoch, 14.04.2010 | Autor: Jörg Stroisch

Wie der Hausbau in die Hose geht

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Frühjahrszeit, Bauzeit: Leider gibt es auch hier wieder nichts Gutes aus dem Bekanntenkreis zu berichten. So guckt ein junges Ehepaar schon seit Wochen auf ein Baggerloch, berichtet meineimmobilie.de-Chefredakteur Jörg Stroisch.

 

Es hätte so schön sein können: Letztes Jahr schon im September sollte das alte Haus auf dem eigenen, ehemals elterlichen Grundstück abgerissen sein, um dann kurze Zeit später mit dem Neubau zu beginnen. Stattdessen stockt der geplante Bau derzeit in einer wässrigen Baugrube.

Was ist passiert: Die Firma für die Ausschachtungsarbeiten hatte leider etwas über das Maß hinausgeschossen. Die Baugrube ist nun zu tief, des Nachbarn Garage droht einzubrechen. Und die Parteien streiten: Wer ist schuld? Der Architekt, die Baufirma – oder womöglich der Bauherr? Jedenfalls hat der Nachbar vorsorglich Schadensersatzansprüche an das junge Ehepaar gestellt – und die Versicherungsgesellschaften streiten sich nun über Gutachter, wer was zu bezahlen hat. Fakt ist: Der Bau stockt seit Monaten, der geplante Umzugstermin im August ist unmöglich einhaltbar.

Wenn dann in einem solchen Fall die Baufinanzierung sowieso schon mit der heißen – sprich: großzügig gerechneten Belastung – Nadel gestrickt ist, dann kann sich eine solche Verzögerung schnell auch zu einem sehr persönlichen finanziellen Desaster entwickeln. Natürlich hat ja vielleicht das Ehepaar recht, aber die Bank will schließlich dennoch ihr Geld. Und schon manch einer ist in besserer Rechtsposition durch jahrelange Streitigkeiten vor Gericht in die Pleite getrieben worden. Am Ende hatte er dann zwar Recht, aber kein Geld mehr, um sich darüber zu freuen.

Ich drücke dem Ehepaar kräftig die Daumen: Denn neben ihrem Recht können sie derzeit wirklich auch jedes Stückchen Glück gebrauchen.

Kommentare (2)

30.4.2010, 9:55 Uhr von kampes Profil ansehen
Na, ob die Schilderung so wie geschrieben stimmt wage ich zu bezweifeln. Erstens hatte die Aushubfirma doch bestimmt Vorgaben und wenn diese, wie geschildert, nicht eingehalten wurden so brauche ich über Haftung erst gar nicht nachzudenken. Sollte aber mal wieder Schwarzarbeit oder Nachbarschaftshilfe im Spiel gewesen sein ? Pech gehabt! Zur gefährdeten Garage des Nachbarn etwas zu sagen dafür sind die Fakten zu dürftig. Aber Abstandsflächen sind mindestens drei Meter und eine Berme oder Böschung wird ja wohl entstanden sein. Außerdem wird hier um ein Problem, welches nach dem Bericht vor doch schon längerer Zeit entstand, gestritten obwohl doch bis dato nichts passiert ist. Also wofür Gutachter oder Klagen ? Mein Rat: Die Bauherren sollten ein oder zwei Betonkanalringe in der Baugrube versenken ( von dem Ringinnenraum her gleichmäßig ausschachten (dann sinkt der Ring Stück für Stück)letztendlich einen Domschacht aufsetzen und eine Pumpe reinsetzen. ( Natürlich nicht gerade im Außenmauerbereich) Damit wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen oder sogar drei. Die Baugrube würde trocken,es könnte Füll-Kies angefüllt und verdichtet werden für wenig Geld bis auf Unterkante Fundamentplatte, und nicht zu verachten hätte man eine kostenlose Wasserstelle für was auch immer. Also nicht verzagen Günter fragen! Schönen Gruß und gutes Gelingen wünscht Bauleiter Ing.-Bau i. R.
22.4.2010, 8:11 Uhr von denni Profil ansehen
In Bau-Sachen ist der Dreh und Angelpunkt der Architekt. Es kommt natürlich auch darauf an, welche Aufgaben an den Architekt beauftragt sind. Als Leistungs-Muster gibt es da die HOAI. Ist der Architekt mit "allen" Aufgaben betreut, so trägt er nicht nur die gestallterische, sondern auch die technische und hier insbesondere die Bau-überwachende Funktion. Der Architekt hat meiner Meinung nach dann auch die Hauptverantwortung in Vorgaben der Gründungstiefe, Abstügtzmaßnahmenen, zu Nachbargrundstücke usw. Wenn nun der Bau-Unternehmer tatsächlich "zu tief" gebaggert hat, haftet dieser aufgrund der Verletztung des Werkvertrages. Architekt und Bau-Handwerker haben üblicherweise ein Haftpflichtversicherung und hoffentlich der Bauherr eine Rechtschutzversicherung mit dem speziellen Zusatz für Rechtsstreitigkeiten >>> Handwerker. Wenn das alles so ist, müsste wenigstens die geldliche Seite geklärt sein.