Donnerstag, 14.06.2012 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Rissbildung muss nicht gleich Baumangel sein

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s
  • Rissbildung von Sachverständigen bewerten lassen
  • Rissbildung ist nicht gleich Baumangel
Stichworte zu diesem Thema

Risse in Wänden und Decken von Immobilien können erhebliche Auswirkungen haben, allerdings können sie auch völlig unproblematisch sein. Die Einschätzung muss durch einen spezialisierten Sachverständigen erfolgen.

Rissbildungen an Gebäuden sind stets ein Ärgernis für Immobilieneigentümer, doch nicht jeder Riss muss gleich ein Baumangel sein. Darauf weist die Gesellschaft für Technische Überwachung mbH (GTÜ) in einer aktuellen Pressemitteilung hin.

Gerd Förster, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, erläutert: "Risse sind Ausdruck davon, dass die Spannungen aus Beanspruchungen die Festigkeit des jeweils betroffenen Materials überschreiten. Je nach Beanspruchung können Risse infolge Druck-, Biegezug- oder Zugbelastungen sowie durch Eigenspannungen im Material auftreten. Bei der Konstruktion von Gebäuden und baulichen Anlagen besteht die Möglichkeit, die Beanspruchung als begrenzte Verformungen zuzulassen, oder aber die Materialfestigkeiten so zu wählen, dass diese den auftretenden Spannungen widersteht."

Baumängel: Bewertung von Rissen

Bei der Rissbildung unterscheidet man zwischen Trennrissen, welche durch den Querschnitt einer Konstruktion hindurch verlaufen, und Oberflächenrissen, die nur wenige Millimeter in das Material eindringen. Des Weiteren ist es von Bedeutung, ob Risse sich hinsichtlich der Rissbreite in Abhängigkeit von Belastungen bewegen oder starr ausgebildet sind. Für manche Einsatzgebiete, wie beispielsweise dem Keller, ist zur Beurteilung wichtig, ob Risse feuchte Rissflanken haben oder gar wasserführend sind.

Welche Risse als Baumangel gelten

Risse in konstruktiven Bereichen in Gebäuden, wie Wänden und Decken, sind als Baumangel nicht vollständig auszuschließen. Risse oberhalb der Rissbreitenbeschränkung, so zum Beispiel beim Stahlbeton, sind statisch relevant und gelten als Baumangel. Risse an flächigen Bauteilen, wie an Estrichen oder Putzen, sind meist nicht relevant für die Tragfähigkeit, jedoch hinsichtlich der möglichen Beeinträchtigung infolge bauphysikalischer Einwirkungen schädlich für das Bauwerk, was ebenfalls mit einer Einstufung als Baumangel einhergeht.

Darüber hinaus bestehen die sogenannten optischen oder auch ästhetischen Einschätzungen, ob ein Riss als Mangel zu bewerten ist. Die Ursachen müssen am Objekt durch Sachverständige ergründet werden. Zu erfassen sind Geometrie, Verteilung und zeitliche Veränderung sowie Besonderheiten in Abhängigkeit der Konstruktionsdetails und dem verwendeten Material, um dann im Vergleich mit den Mangelgrenzen, der Rissbreiten, zu entscheiden, ob ein Mangel vorliegt oder nicht.

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