Montag, 04.05.2009 | Autor: Jörg Stroisch

Mal eben das Dach abreißen

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Stuttgarter sind bekannt für ihren Schaffungsdrang, sie wollen anpacken. Doch wer mal eben sein Haus eigenhändig abreißen will, hat die Grundlagen der Gewerke nicht kapiert, schreibt Jörg Stroisch in seiner Kolumne.

Das falsche Haus steht am richtigen Fleck. Zwei Passagiere in einer Stuttgarter Straßenbahn diskutieren genau diese Materie. Der knapp 30 Jahre alte Hausbesitzer ist zuversichtlich. "Das neue Haus muss schon einen Keller haben", sagt er, "dann ist die Vermietbarkeit auch gesichert." Kostet mal eben 30.000 Euro mehr. Eigenkapital besitzt der Mann natürlich keines, dafür muss der Grundstückswert herhalten.

Und entsprechend lotet er ernsthaft weiteres Sparpotenzial aus. Da der Keller und das ausgebaute Dachgeschoss in seinen Augen ein Muss sind, will er an den Abrisskosten sparen. "Ich denke schon, dass ich das Dachgeschoss selbst abreißen kann", wiegelt er noch etwas unsicher ab. "Das müsste klappen." Und der Kollege stimmt verhalten ein.

Ein kräftiger Irrglaube: Besonders muskelbepackt sah der Mann nicht aus und wirklich Ahnung vom Hausbau hatte er auch keine. Nur, weil beim Abriss nicht gestaltet wird, heißt das noch lange nicht, dass hier Eigenarbeit angebracht ist. Ein Abriss überbeansprucht nicht nur sehr schnell die körperliche Kondition des selbst ernannten Bauarbeiters. Sondern er ist bei unsachgemäßer Ausführung auch gefährlich für Leib und Leben.

Ich kann hier nur wieder betonen: Wer sowieso schon ohne Sachverstand und Eigenkapital baut oder abreißt, sollte sich nicht gerade auf seine Muskeln verlassen. Ein bisschen Fitnessstudio ersetzt nicht die (harte) Arbeitserfahrung ausgebildeter Bauarbeiter.

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