Donnerstag, 17.03.2011 | Autor: mb

Geschönte Energiebilanz bei Neubauten

News: Eine aktuelle Untersuchung des Bauherrenverbands VPB zeigt, dass Energiesparmaßnahmen bei Neubauten oft nur auf dem Papier die Normen der EnEV erfüllen. Schlüsselfertige Häuser sind meist nicht auf Gewohnheiten und Nutzungsverhalten der Bewohner zugeschnitten.

Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) gibt der Gesetzgeber energetische Normen für Neubauten und Bestandsgebäude vor. Doch eine Untersuchung des Verbands Privater Bauherren (VPB) zeigt, dass diese verpflichtenden Standards selbst bei Neubauten oft nur auf dem Papier eingehalten werden. "Von den politisch gewünschten Vorgaben sind deutsche Neubauten immer noch weit entfernt", sagt Klaus Kellhammer vom VPB in einer Pressemitteilung zum Thema Energieeinsparung bei Neubauten. Für die Untersuchung wurden mehr als 5.000 Bauvorhaben unter die Lupe genommen.

Anforderungen der EnEV werden meist nicht erfüllt

"Rund 30 Prozent aller Neubauten entsprechen überhaupt nicht den Anforderungen der Energieeinsparverordnung", erläutert Kellhammer. Fast die Hälfte aller EnEV-Nachweise seien falsch berechnet. In 53,1 Prozent der untersuchten Fälle wurden die Berechnungen zur Energieeinsparung auf der Baustelle technisch nicht korrekt umgesetzt. "Zum Beispiel werden häufig schlechtere Dämmstoffe verwendet, als den Berechnungen zugrunde lagen", kritisiert Kellhammer. "Das führt natürlich in der Realität auch zu schlechteren Dämmwerten."

Energetische Maßnahmen nur auf dem Papier vollzogen

Die Dichtigkeit von Fenstern und Türen wird laut VPB oftmals gar nicht erst geprüft. Und auch die besonderen Maßnahmen zur Vermeidung von Kältebrücken werden nur auf dem Papier durchgeführt. "Das führt natürlich in der Realität auch zu schlechteren Dämmwerten und die energetischen Standards, wie beispielsweise ein "Effizienzhaus 70", werden nicht erreicht. Die Folge: Das neue Haus verbraucht mehr Energie als auf dem Papier versprochen", erläutert Kellhammer.

Individuelles Nutzungsverhalten beeinflusst Energieverbrauch

Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf das individuelle Nutzungsverhalten einer Immobilie. Fast jeder zweite Bauherr nutze sein Haus wegen fehlender Informationen energetisch kontraproduktiv, so die Einschätzung des VPB. Dies ergebe sich aus der Tatsache, dass rund drei Viertel aller Einfamilienhäuser heute schlüsselfertig gekauft werden. "Dabei ist es ganz entscheidend für die Berechnungen, wie eine Immobilie genutzt werden soll. Ist beispielsweise der Keller als Wohn- und Arbeitsbereich vorgesehen, dann muss er auch gedämmt und konsequent beheizt werden. Dient er dagegen nur als Abstellraum, muss er gegenüber den beheizten Wohnbereichen thermisch abgeschottet werden", erläutert Bauherrenberater Kellhammer. "Energieeinsparung, wie wir sie heute betreiben, ist echtes 'Feintuning'."

Gebrauchsanweisung für Bewohner

Doch die Bewohner können die energetischen Vorzüge einer Immobilie nur dann optimal nutzen, wenn sie mit den dafür geschaffenen Gegebenheiten vertraut gemacht werden. Dies geschieht nach Beobachtung der VPB-Sachverständigen zu selten. "Damit das alles optimal funktioniert, müssen die zukünftigen Bewohner wissen, wo ihre Dämmungen verlaufen, welche Räume sie heizen, welche Türen sie geschlossen halten müssen - und vor allem auch, wie sie richtig lüften müssen. Ein modernes Haus braucht eine regelrechte Gebrauchsanweisung", sagt Kellhammer.

Kommentare (1)

24.3.2011, 2:04 Uhr von matse2 Profil ansehen
Alles richtig, ABER der Staat als Verwaltungsmonster fordert Papier, keinenachweisbare Einsparung. Also wird gefördert, wer die Kunst versteht schöne systemkonforme Papiere zu liefern. Macht' hoch die Tür, die Tor macht weit für Betrüger und Scharlatane! Förderung erst nachdem mindestens über ein Jahr die Energie-Effizienz nachgewiesen wurde. Und auch erst dann Auszahlung des treuhänderisch hinterlegten Restbetrages von 20% der Bausumme and die Baufirmen. Wetten dann ziehen alle an einem Strang und es funktioniert wierklich?!

 meineimmobilie.de-Tipp


Lassen Sie Ihr Bauvorhaben von einem unabhängigen Sachverständigen begleiten. Er kennt die gesetzlichen Normen, die es bei Neubauten zu erfüllen gilt und prüft, ob alle Anforderungen eingehalten werden. So stellen Sie sicher, dass Sie bei Ihrer Immobilie den Energiestandard bekommen, den Sie vertraglich vereinbart haben.