Montag, 24.02.2014 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © TristanBM - Fotolia.com

Baumängel: Erst prüfen, dann reklamieren

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Worum geht´s
  • Tipps zur Vorgehensweise im Umgang mit Baumängeln 
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Wer durch einen Handwerker neue Bauteile an seiner Immobilie einbauen lässt und dabei im Nachhinein einen Mangel entdeckt, sollte erst einmal in Ruhe überprüfen, ob es sich dabei tatsächlich um einen Baumangel handelt. Und erst dann darf gemeckert werden. 

Wer neue Dachflächenfenster einbauen lässt, der darf ordentliche Arbeit erwarten. Sie müssen keinesfalls Dachfenster akzeptieren, die sich nicht sicher benutzen lassen. 

Darauf weist der Verband Privater Bauherren (VPB) hin und bezieht sich auf ein Urteil des Oberlandesgerichts München (Urteil vom 21.04.2011, Aktenzeichen 9U 1712/09).

Wann Ihnen ein Zuwarten nicht zumutbar ist

Im betreffenden Fall wollte der Fensterbauer das vorhandene, mangelhafte Fenster um Sicherheitskomponenten nachrüsten. Das reichte dem Auftraggeber aber nicht. Er forderte ein sichereres Fenster eines ganz anderen Herstellers.

Das Gericht gab ihm Recht: Ein Nachrüsten würde nicht zweifelsfrei zu einer sichereren Benutzung führen. Bis dies nach dem Einbau geklärt sei, könne es noch bis zu einem Jahr dauern. So eine lange Wartezeit sei jedoch dem Bauherrn nicht zuzumuten.

Wie Sie bei Baumängeln korrekt vorgehen

Bei dem Urteil handelt es sich aber um eine Ausnahme, denn normalerweise darf der Fensterbauer – wie jeder andere Handwerker auch – einen Mangel an seinem Gewerk erst einmal versuchen selbst zu beseitigen.

Setzen Sie eine Nachbesserungsfrist

Erst wenn eine vom Bauherrn gesetzte angemessene Frist erfolglos abgelaufen ist oder der Nachbesserungsversuch misslingt, kommen andere Lösungen in Betracht. Der VPB rät deshalb zur Zurückhaltung: Wenn Ihnen als Bauherrn etwas nicht zusagt, können Sie nicht einfach eine andere Firma mit der Reparatur oder Überarbeitung beauftragen.

Vertrauen Sie nicht darauf, dass das Gericht zum Schluss wieder zu Ihren Gunsten entscheidet. Der VPB empfiehlt in solchen Fällen, zunächst einmal mit einem unabhängigen Sachverständigen zu prüfen, ob ein Bauteil tatsächlich Mängel hat und wie diese beseitigt werden können. 

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