Mittwoch, 13.06.2012 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: Sebastian Fery / Haufe

Wann sind die In-Viertel wieder out?

Foto: Sebastian Fery / Haufe

Alle wollen eine Immobilie kaufen. Und da bieten sich für viele die In-Viertel an, in denen augenscheinlich Häuser noch günstiger zu haben sind. Aber das Risiko ist, dass diese schnell wieder out sind, kommentiert Jörg Stroisch.

Der Immobilienerwerb ist im Moment auf jeden Fall „in“. Niedrige Zinsen, im Verhältnis dazu an vielen Stellen (nicht allen!) noch moderate Kaufpreise. Außerdem die weiterhin vorhandene Angst vor den Auswirkungen der Euro- und Wirtschaftskrise. Da übt „Betongold“ derzeit einen hohen Reiz aus.

Eine Erfahrung, die allerdings viele potenzielle Käufer auch machen, ist, dass in den attraktiven Innenstadtlagen die Immobilien auch sehr teuer sind, sprich: für viele unbezahlbar. Und deshalb suchen sie entweder im erweiterten Speckgürtel – oder lassen sich von neuen In-Vierteln locken.

Am Beispiel Köln, meiner Heimatstadt: Dort wird derzeit – eigentlich schon seit langem - der rechtsrheinische Stadtteil Kalk zum In-Viertel aufgerufen. In Berlin ist es zum Beispiel Neukölln.

Jetzt hätten Kölner wie auch Berliner vor vielleicht zwei bis drei Jahren noch lauthals ausgeschrieen: Im Leben nicht. Denn Kalk und Neukölln haben nicht unbedingt den besten Ruf.

Dazu gibt es mehrere Sachen zu sagen:

  • Ein „Ruf“ ist nichts für die Ewigkeit. Kluge Immobilieninvestoren überlegen sich vielmehr, welche Klientel sie mit welcher Immobilie in welcher Lage erreichen wollen. Und da muss nicht per sé die feinste Lage der Stadt ein kluges Investment sein.
  • Wenn jeder von der „neuen“ In-Lage spricht, ist es meistens schon zu spät: Viel besser ist es natürlich, in eine Lage zu investieren, wenn noch nicht jeder Vermieter da eine gute Anlage wittert.
  • Aber woher so etwas wissen? Und das ist dann die größte Krux an In-Lagen – sie sind spekulative Lagen: Ob sich Kalk oder Neukölln nun tatsächlich weiterhin positiv entwickeln, kann niemand mit Bestimmtheit vorhersagen. Um einen Interviewpartner zu zitieren: Die Schanze in Hamburg war vor ein paar Jahren auch eine In-Lage, aber sie ist weiterhin nur die Schanze geblieben (und viele Investoren haben viel Geld verloren).

Unabhängig von der generellen Lage spielt auch die Mikrolage eine wichtige Rolle: Die eine Straßenseite in Neukölln ist vielleicht attraktiv, die andere aber schon nicht mehr. Und natürlich gibt es viele weitere, sehr individuelle und auch mit der Immobilie verbundene Faktoren, die unabhängig davon, ob sich eine Lage gut oder schlecht entwickelt, ein Immobilieninvestment erfolgreich oder erfolglos machen.

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