Dienstag, 19.04.2011 | Autor: Heidi Schnurr

Wie Robin Hood im Mietrechtsforest

Jede 2. Betriebskosten-Abrechnung ist falsch. Gähn – sicherlich können Sie diesen Satz auch schon nicht mehr hören ...


... dennoch: Alle Jahre wieder prangt diese Headline auf den Titelseiten der Zeitungen oder flimmert reißerisch über den Bildschirm. Tatsächlich ist es doch so: Wer suchet, der findet - und das gilt so ziemlich für jede Betriebskosten-Abrechnung. Die Frage ist nur, ob sich die mühsame Suche unterm Strich auch wirklich lohnt.

 

Meine Anwaltskollegen winken bei dieser Frage verstohlen ab. Für die lohnt sich nämlich ein Streit um Centbeträge nicht.

 

Es sei denn, sie halten sich für den wahren Robin Hood im Mietrechtsforest und kämpfen um die Rechte der Unterdrückten - und das um jeden Preis! Das ist die monetäre Seite. Dabei wird natürlich lieber auf der Vermieterseite gekämpft, denn hier ist die Erfolgsaussicht auf lukrative Folgemandate und auf ein zeitnahes Begleichen der Anwaltsrechnung meist viel größer.

 

Das andere ist die zwischenmenschliche Seite: Sind es z. B. 6,57 EUR wirklich wert, dass man künftig nur noch schriftlich und am besten noch über Anwälte miteinander korrespondiert? Oder dass man sich nicht mehr grüßt, wenn man sich zufällig im Hausflur über den Weg läuft?

 

Die meisten Vermieter wollen 100%-ig korrekt abrechnen. Leider gelingt das nicht immer. Und klar: Schwarze Schafe gibt es natürlich überall! Aber deswegen gleich einen bösen Brief vom Mieterverein schreiben lassen: Muss das sein?

 

Wäre nicht der bessere und vor allem auch fairere Weg, den Vermieter erst einmal auf seinen (vermeintlichen) Fehler in einem persönlichen Gespräch freundlich hinzuweisen? Meine Erfahrung ist jedenfalls, dass die meisten Abrechnungsfehler lediglich auf Unachtsamkeit oder Unwissenheit basieren.

 

Dennoch laufen viele Mieter erst einmal zum Mieterverein statt zu ihrem Vermieter. Findet der das berühmte "Haar in der Betriebskostensuppe" könnte der Mieter doch spätestens jetzt noch zu seinem Vermieter gehen ...

 

... doch nein: In den meisten Fällen bekommt der Vermieter gleich Post vom Mieterverein. Schade eigentlich!

 

Wie sind Ihre Erfahrungen bei der Betriebskosten-Abrechnung: Haben Sie deswegen schon mal Post vom Mieterverein bekommen oder Besuch vom Mieter? Was empfehlen Sie Ihren Vermieter-Kollegen in solch unangenehmen Situationen?

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