Montag, 17.08.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © sasel77 - Fotolia.com

Heiz- und Betriebskosten: So viel ist erlaubt

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Worum geht´s

Wie hoch dürfen Betriebskosten und Heizkosten eigentlich sein? An diesen Durchschnittswerten können Sie sich orientieren.

Viel zu hoch: Kann gar nicht sein!“, so reagieren viele Mieter, wenn sie ungläubig auf Ihre Betriebskostenabrechnung starren, wo unten ein dreistelliger roter Nachzahlungsbetrag steht.

Wieviel Betriebskosten sind eigentlich noch „normal“ und wann ist das zulässige Maß überschritten? Gerade hat der Deutsche Mieterbund einen neuen Betriebskostenspiegel für Deutschland erlassen. Was der für Ihre Betriebskostenabrechnung bedeutet, finden Sie hier.

Mieterbund hat durchschnittlichen Betriebskostenverbrauch berechnet

Wieviel Euro an Betriebskosten sind eigentlich „normal“? Der Mieterbund hat das gerade ausgerechnet und kam so auf 2,19 Euro pro Quadratmeter und Monat im Durchschnitt.

Rechnet man jedoch alle denkbaren Betriebskostenarten mit den jeweiligen Einzelbeträgen zusammen, kann für die sogenannte zweite Miete sogar ein Betrag bis zu 3,26 Euro/qm/Monat anfallen.

Das ist das Ergebnis aus dem aktuellen Betriebskostenspiegel, den der Deutsche Mieterbund gerade auf Grundlage der Abrechnungsdaten des Jahres 2013 vorgelegt hat.

Bewohnt Ihr Mieter eine 80 Quadratmeter große Wohnung, wären dafür Betriebskosten in Höhe von 3.129,60 Euro für das Abrechnungsjahr 2013 noch „normal“, sofern Sie als Vermieter alle Betriebskosten umgelegt haben, die Sie durften.

Im Osten sind die Heizkosten höher

Während in den westlichen Bundesländern im Durchschnitt 2,17 Euro/qm/Monat gezahlt wurden, waren es in den östlichen Bundesländern 2,28 Euro.

Die Kosten für Heizung und Warmwasser lagen hier 12 Cent, d. h. rund 8 Prozent höher, und die Kosten für Warmwasser lagen 4 Cent über den Durchschnittswerten im Westen.

Im Westen sind die „sonstigen Betriebskosten“ höher

Dafür waren die kommunalen Gebühren, also Grundsteuer, Straßenreinigung, Müllbeseitigung in den westlichen Bundesländern teurer, genauso wie die Kosten für Versicherungen oder für Dienstleistungen, wie Gebäudereinigung, Gartenpflege oder Hausmeister.

Beim Heizen und beim Warmwasser gibt´s große regionale Unterschiede

Insbesondere bei den Betriebskostenpositionen Grundsteuer, Wasser/Abwasser oder Müllbeseitigung ergeben sich regional bzw. lokal teilweise erhebliche Preisunterschiede.

Das gilt auch für die Heizkosten und das Warmwasser. Hier hängt die Höhe der Kosten vor allem vom Klima ab und von den starken Preisunterschieden, beim Gas und bei der Fernwärme.

Heiz- und Warmwasserkosten sind 2013 weiter gestiegen

Die Kosten für Heizung und Warmwasser sind auch im Abrechnungsjahr 2013 weiter gestiegen, jetzt auf 1,51 Euro/qm/Monat.

Die höheren „warmen Betriebskosten“ 2013 sind kein Wunder: Zum einen war der Winter gerade zu Jahresbeginn kälter, weswegen der Energieverbrauch um rund 5 Prozent gestiegen ist. Zum anderen ist der Preis für Gas und Fernwärme im Jahresdurchschnitt um 1,3 bzw. 2,8 Prozent teurer geworden.

Beispiel

Der Mieter einer 80 Quadratmeter großen Wohnung müsste 1.450,00 Euro im Jahr nur für Heizung und Warmwasser zahlen. Das sind 120,83 Euro im Monat.

69 Prozent der Kosten entfallen auf Heizung und Warmwasser

Unglaublich aber wahr: 69 Prozent der tatsächlich gezahlten Betriebskosten fallen allein für die Heizung und das Warmwasser an!

Und das obwohl der Preis fürs Heizöl im Kalenderjahr 2013 gesunken ist. Bemerkbar macht sich das bisher jedoch nicht! Das kann daran liegen, dass viele Vermieter noch im letzten Quartal 2012 getankt haben bzw. nachtanken mussten und dieses vergleichsweise teure Heizöl noch 2013 verbraucht wurde.

Betriebskostenausblick 2014: Es soll billiger werden!

2014 dürfte jedenfalls aus Mietersicht ein gutes Abrechnungsjahr werden. Angeblich sollen die meisten Mieter geringere Betriebskosten haben und sogar mit einer Rückzahlung rechnen können!

Das obwohl 2014 in vielen Städten und Gemeinden die Grundsteuern zum Teil deutlich erhöht wurden. Dafür sind die Kosten für Wasser und Abwasser nur um nur 0,7 Prozent gestiegen und die für die Müllbeseitigung sogar leicht gesunken.

Warmer Winter beschert den meisten Mietern eine Rückzahlung

Entscheidend ist aber: Die Heiz- und Warmwasserkosten fallen für das Kalenderjahr 2014 spürbar niedriger aus als 2013.

Wegen der deutlich wärmeren Wintermonate 2014 ist der Heizenergieverbrauch um 20 bis 25 Prozent gesunken. Das gilt auch für die Energiepreise. Der Gaspreis sank um 0,1 Prozent, der für Fernwärme um 1,3 Prozent und der für Öl um 7,8 Prozent. Auch wenn es lokal/regional unterschiedliche Preisentwicklungen geben kann: Die Prognose für 2014 ist jedenfalls aus Mietersicht gut und zufriedene Mieter sind bekanntlich die besten Mieter!

Kommentare (2)

20.8.2015, 9:27 Uhr von Heidi.Schnurr, meineimmobilie.de Profil ansehen
Gilhorn hat recht: Es handelt sich lediglich mehr oder weniger um statistische Werte. Diese sind nicht verbindlich, sondern können lediglich einen Orientierungshilfe beim Festlegen der Vorauszahlungen sein, sofern er nicht schon Erfahrungswerte aus vorherigen Mietverhältnissen gibt.
19.8.2015, 17:31 Uhr von anboe Profil ansehen
Das heißt, dass bei einer 80m2 Wohnung max. 260,80 Euro Heiz- und Betriebskosten pro Monat verlangt werden dürfen?
Der Artickel ist irreführend. Anscheinend schreibt die Artikel die Frau Schnurr nicht mehr selbst. Die Aufstellung des deutschen Mietebundes ist nur für Mieter ein Anhaltspunkt, um die eigenen Betriebskosten im Vergleich zu sehen. Diese Aufstellung ist auch kein "Erlass", sondern NUR eine statistische Aufstellung, für den, der es gerne lesen möchte. Die Betriebskosten werden nach den Vereinbarungen im Mietvertrag, der Heizkostenverordnung und den Betriebskosten nach BGB abgerechnet. Das hat dann der Mieter zu zahlen, wenn er keinen Fehler in der Abrechnung findet. Die Aufstellung des Mieterbundes über die durchschnittlichen Betriebskosten sollte der Vermieter in die senkrechte Ablage befördern
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
"Jede 2. Betriebskostenabrechnung ist falsch!", behauptet jedenfalls der deutsche Mieterbund. Die 7 häufigsten Fehler in Betriebskostenabrechnungen und wie Sie diese vermeiden können, erklärt Ihnen Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Autorin und Chefredakteurin bei der Haufe Mediengruppe.
Für die Heizung und das Warmwasser wird in Deutschland viel Energie verbraucht. Eine Heizungsmodernisierung spart Kosten, vorausgesetzt es ist perfekt auf Ihre Immobilie abgestimmt.

 meineimmobilie.de-Tipp

Der Betriebskostenspiegel des Mieterbundes ist "kein Gesetz" und die Zahlen nicht verbindlich! Das bedeutet: Wer drüber liegt, macht sich nicht strafbar bzw. dessen Heiz- oder Betriebskostenabrechnung ist nicht falsch.

 

Wer dagegen gerade erstmalig eine Wohnung vermietet, kann sich am monatlichen Durchschnittswert von bis zu 3,26 Euro/Monat pro Quadratmeter orientieren, um seine Heiz- und Betriebskostenvorauszahlungen festzulegen.