Dienstag, 27.09.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © thomasklee - Fotolia.com

Gartenarbeiten: Zählt der Pflanzenrückschnitt zu den Betriebskosten?

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Worum geht´s

Winterrückschnitt und Baumfällkosten: Was Sie dem Mieter auf die Betriebskostenabrechnung setzen dürfen.  

Jetzt ist es wieder so weit: Der Garten muss „winterfest“ gemacht werden und dazu gehört auch der Rückschnitt von Pflanzen und Bäumen. Doch wer zahlt die Abfuhr der Gartenabfälle und den Rückschnitt: Ist das ein Fall für die Gartenpflegekosten auf Ihrer nächsten Betriebskostenabrechnung oder müssen Sie die Kosten als Eigentümer aus der eigenen Tasche zahlen?  

Gartenpflegearbeiten: Es kommt auf die Regelmäßigkeit an

Für Pflanzen und Büsche, die Sie alljährlich zurückschneiden müssen, gilt: Sowohl die Arbeitszeit als auch die Abfuhrkosten zählen zu den Betriebskosten.

Stammt der Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern, die „auf übliche Art und Weise eingegangen sind“ und deswegen entfernt bzw. sogar gefällt werden müssen, handelt es sich ebenfalls um umlagefähige Betriebskosten.  

Die Kosten für das Beseitigen von Gartenabfällen zählen ebenfalls zu den Kosten der Gartenpflege.

Baumfällkosten: Sturmschäden sind keine Betriebskosten

Handelt es sich dagegen um Arbeiten, die nicht regelmäßig anfallen, sondern eher unüblich sind, sieht es anders aus. Beispielsweise bei Sturmschäden im Garten oder bei Baumfällarbeiten, die deswegen fällig werden, weil Sie es schon über längere Zeit hinweg versäumt haben, Gartenpflegearbeiten vorzunehmen.

Dann handelt es sich nicht mehr um einen natürlichen, tournusmäßigen Vorgang, sondern letztendlich um einen Schaden aufgrund einer unterlassenen Instandhaltungspflicht. Die Gerichte tendieren dazu, solche Arbeiten und die Folgekosten dann nicht mehr als umlagefähige Betriebskosten anzuerkennen.

Ob das auf Ihren Baum zutrifft, bleibt dann meist eine Frage des konkreten Einzelfalls!

Baumfällkosten: Auf das „warum“ kommt es an

Für das Fällen von Bäumen gilt: Muss der Baum gefällt werden, weil er Mitmietern im Haus die Licht- und Luftzufuhr abschneidet, dürfen Sie die Kosten den Mietern als Gartenpflegekosten auf die Betriebskostenabrechnung setzen (AG Düsseldorf, Urteil v. 19.7.2002, 33 C 6544/02, WM 2002 S. 498).

Denn dazu zählt jedenfalls das Beseitigen durch Alter, Witterungs- oder Umwelteinflüsse abgängiger Bäume.

Allerdings gilt auch hier: Andere Gerichte, andere Meinungen. So ist das Landgericht Krefeld der Ansicht, dass Kosten, die durch das Fällen von Bäumen verursacht werden, schon nicht das für die Betriebskosten typische Merkmal der „laufenden Entstehung" erfüllen und damit nicht unter den Begriff der Betriebskosten fallen (LG Krefeld, Urteil v. 17.3.2010, 2 S 56/09, WuM 2010 S. 357). 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Lassen Sie im Hauszugangsbereich vor Ihrem Mietshaus einen neuen Weg zwischen den Rabatten anlegen, dürfen Sie die Kosten dafür von der Steuer ...
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Gartenpflegekosten dürfen Sie ohnehin nur im Rahmen der Betriebskostenabrechnung auf den Mieter umlegen, wenn Sie die Umlage auch im Mietvertrag vereinbart haben. Dazu reicht schon ein Verweis auf § 2 Betriebskostenverordnung, der in jedem guten Mietvertrag ohnehin schon drin ist.
 

In alten Mietverträgen wird meist noch auf die Anlage 3 zu § 27 II. Berechnungsverordnung verwiesen. Auch das genügt, damit Sie Gartenpflegekosten umlegen dürfen.

 

Gartenpflegekosten in Ihrem Eigenheim zählen als haushaltsnahe Dienstleistung. Die Rechnung, die Ihnen der Gärtner für solche Arbeiten erstellt, können Sie dann immerhin noch von der Steuer absetzen!