Mittwoch, 03.05.2017 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Chefredakteurin , Foto: © D. Ott - Fotolia.com

Erfrorene Pflanzen: Wer die Kosten für die neue Hortensie zahlen muss

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Worum geht´s

Frostschäden an Pflanzen: Zählt das noch zu den Gartenpflegekosten? 

Kalt war es an den letzten Tagen. So kalt, dass die Heizungen wieder aufgedreht und die Winterjacken rausgeholt wurden. So einfach hatten es die Pflanzen leider nicht: Die Kirschen und die Kiwis erfroren jämmerlich und die Hortensie zeigt deutliche Frostspuren an den Blättern.

 

Was machen Sie mit erfrorenen Pflanzen: Einfach rausreißen und neue kaufen? Doch wer zahlt die?

Gartenpflegekosten zählen zu den umlegbaren Betriebskosten

Für Ihr Mietshaus ist die Frage schnell geklärt. Jedenfalls wenn Sie im Mietvertrag vereinbart haben, dass Sie die Betriebskosten entsprechend dem Betriebskostenkatalog von § 2 Betriebskostenverordnung umlegen dürfen.

Dass Sie Gartenpflegekosten umlegen dürfen, steht im Betriebskostenkatalog in § 2 Nr. 10 Betriebskostenverordnung.

Zu den Gartenpflegekosten, die Sie auf Ihre Mieter im Rahmen der Betriebskostenabrechnung umlegen dürfen, gehört unter vielem anderen auch das Erneuern von z.B. verblühten, erfrorenen oder „abgefressenen“ Pflanzen.

Wollen Sie also die erfrorene Hortensie im Garten ersetzen, dürfen Sie die Kosten für die Ersatzbepflanzung dem Mieter auf die Betriebskostenabrechnung setzen.  

Gartenpflegekosten: Der Blick ins Grüne reicht

Die Kosten für die Gartenpflege dürfen Sie als Vermieter auch dann umlegen, wenn Ihr Mieter die Rasenfläche oder das Beet nicht einmal betreten darf (BGH, Urteil v. 26.5.2004, VIII ZR 135/03, WM 2004, S. 399). Allein der Blick ins Grüne rechtfertigt es, dass Sie dem Mieter die Gartenpflegekosten auf die Betriebskostenabrechnung setzen dürfen (LG Berlin, Urteil v. 26.4.2002, 64 S 181/01, GE 2002, S. 931).

Ist der Garten allerdings z. B. nur über die Balkontür eines Mieters erreichbar, dürfen Sie die Gartenpflegekosten nicht den anderen Mieter auf die Abrechnung setzen. Es muss sich vielmehr um einen allgemein zugänglichen Garten handeln. Ob der Mieter den Garten tatsächlich nutzt, steht auf einem anderen Blatt.

Buchsbaumzünsler: Wer den neuen Buchs zahlen muss

Gleiches gilt, wenn der Buchsbaumzünsler von Ihrem Buchsbaum im Vorgarten Ihres Mietshauses nur noch dürre Äste und vertrocknete Blätter übrig gelassen haben. Auch dann dürfen Sie die Kosten für die neuen Pflanzen als Gartenpflegekosten nach § 2 Nr. 10 Betriebskostenverordnung auf den Mieter im Rahmen der Betriebskostenabrechnung umlegen.

Allerdings gilt das mit der Umlage nur, wenn Sie bestehende Pflanzen ersetzen, aber nicht, wenn Sie erstmalig den Vorgarten neu anlegen.  

Wie Ihr Mieter mit der Gartenrechnung Steuern sparen kann

Die Rechnung für den neuen Buchs oder die erfrorenen Hortensien sollten Sie gleich in Ihrem Betriebskostenordner abheften.

Lassen Sie zum Erneuern der Pflanzen extra einen Gärtner kommen, wird die Rechnung zwar meist höher ausfallen, allerdings kann es für den Mieter unterm Strich doch noch günstiger werden. Das Zauberwort dafür heißt haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistung. Danach dürfen Sie die Rechnung des Gärtners zwar immer noch als Betriebskosten bei den Gartenpflegekosten umlegen.

Gleichzeitig stecken darin jedoch aber auch haushaltsnahe Dienst- bzw. Handwerkerleistungen, die für die Steuererklärung Ihres Mieters wichtig sind. Jedenfalls dann, wenn auf der Gärtnerrechnung die Lohnkosten und Anfahrtskosten extra ausgewiesen sind. 

Gartenpflege: Wie die erfrorene Hortensie beim Finanzamt landet  

Weisen Sie die haushaltsnahen Dienst- und Handwerkerrechnung in Ihrer Betriebskostenabrechnung extra aus bzw. bescheinigen Sie dem Mieter die haushaltsnahen Dienst- und Handwerkerleistungen, die in seiner Betriebskostenabrechnung stecken. So kann er 20 % der Kosten für den Gärtner über seine Steuererklärung wieder reinholen.

Das gilt übrigens auch für Sie, wenn Sie für Ihr Privathaus den Gärtner kommen lassen. Bei einer Rechnung über 400 Euro ohne Materialkosten sparen Sie so mal schnell ohne große Mühe 80 Euro unterm Strich. Nicht schlecht, oder?

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Ratgebern, E-Books, Loseblattwerken, ...
Heidi Schnurr
Mit oftmals recht einfachen Mitteln lässt sich ein Garten barrierefrei gestalten. Acht Tipps, damit der Garten zum beschwerdefreien Genuss wird.
Vielleicht haben Sie dieses Jahr auch schon unliebsame Bekanntschaft mit dem Buchsbaumzünsler gemacht oder vielmehr Ihre jahrelang umhegten Buchsbäume? Dann ist er sicherlich auch Ihr erklärter Feind im Garten.   Vielleicht kennen Sie den Buchsbaumzünsler jedoch noch nicht, wundern sich aber, dass Ihr Buchs braungelbe Blätter bekommt, von innen ausdünnt oder von klebrigen Spinnweben überzogen ist? Sie denken, Sie hätten ihn falsch gegossen? Vergessen Sie´s: Das war der Buchsbaumzünsler!  
Topstory: Bevor die Temperaturen unter null Grad sinken, stehen noch wichtige Arbeiten im Garten an. Dazu zählt zum Beispiel die Laubentsorgung. Außerdem sollten Hausbesitzer ihre Pflanzen auf die kalte Jahreszeit vorbereiten. Manchen Gewächsen reicht eine Decke aus Zweigen für den Winter, andere halten es nur im dunklen Keller aus.
Vielleicht träumen Sie auch insgeheim von einem Swimmingpool im Garten oder einem netten Spielhaus für die Kleinen hinterm Haus. So lange es dabei um Ihr Eigenheim geht, kein Problem.    Ärger kann Ihnen aber dann drohen, wenn Ihr Garten Teil einer Eigentümergemeinschaft ist und die den Anblick des Pools oder des Spielhauses so gar nicht mögen. Tja, bei Bauten im „Außenbereich“ kann Wohnungseigentümern eine Menge Streit drohen.   
Weniger Steuern zahlen - davon träumt auch Ihr Mieter. Deswegen sollten Sie in Ihrer Betriebskostenabrechnung bei den Rechnungen, in denen haushaltsnahe Dienstleistungen stecken, diese dem Mieter auch ausweisen. Viel Arbeit ohne Geld? Ja, aber Vermieterpflicht, wenn der Mieter darauf besteht!
Im Garten lässt sich viel Geld vergraben. Klar erfreut sich das Gärtnerherz an den blühenden Pflänzlein, die liebevoll im Garten eingegraben wurden - aber das kostet leider auch! Selbstnutzer, die sich den Garten vom Gärtner machen lassen bzw. extra dafür jemanden angestellt haben, der jeden Monat z. B. 10 Stunden den Rasen mäht, die Hecke schneidet oder das Unkraut zupft, können einen Teil der Kosten jetzt steuerlich als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Ersetzen Sie frostgeschädigte oder von Ungeziefer abgefressene Pflanzen im Garten, dürfen Sie die Kosten dafür dem Mieter als Gartenpflegekosten auf die Abrechnung setzen.  

 

Vernachlässigen Sie den Garten jedoch jahrelang und entstehen Ihnen dann irgendwann Kosten für Nachholarbeiten bzw. eine Neubepflanzung, handelt es sich dabei um nicht umlagefähige Instandsetzungskosten (LG Hamburg, Urteil v. 14.2.1992, 311 S 254/90).