Montag, 10.04.2017 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Lev - Fotolia.com

Vermieten an Touristen: Worauf Sie beim Timesharing achten müssen

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Mal ein paar Touristen ins eigene Haus einladen oder auch gleich das ganze Haus überlassen und dafür ein paar Euro verdienen: Das klingt nach wenig Arbeit und viel Geld.

 

Doch ganz so einfach ist es leider nicht, denn auf dem Weg dorthin lauern einige Fallstricke auf den Gastgeber. Doch es gibt ein paar Versicherungen, mit denen Sie das finanzielle Risiko minimieren können.

Das Vermieten an Touristen klingt lukrativ. Diverse Portale im Internet – wie etwa Airbnb oder Wimdu – helfen dabei und bieten die Kontaktaufnahme an, Sie versprechen ein Stück weit ein Rund-um-Sorglos-Paket, nicht nur für den Touristen, sondern auch für den Vermieter.

Auf dem Weg dorthin gilt es allerdings ein paar rechtliche Schwierigkeiten zu überwinden. 

Klären Sie, ob ein Zweckentfremdungsverbot existiert  

Wer als Eigentümer eine Wohnung an Feriengäste vermieten möchte, muss gerade in Ballungsgebieten prüfen, ob für seine Stadt ein Zweckentfremdungsverbot vorliegt.

Dieses Verbot soll in Städten mit einem angespannten Wohnungsmarkt, wie Berlin oder München, verhindern, dass Wohnraum für normale Mieter verloren geht“, beschreibt Michaela Rassat, Juristin der D.A.S. Rechtsschutz in einer Pressemitteilung der Ergo-Versicherungsgruppe.

Zweckentfremdungsverbot: Sie brauchen eine Genehmigung

Gibt es ein Zweckentfremdungsverbot, benötigen Vermieter von Ferienwohnungen eine Genehmigung der zuständigen örtlichen Behörde. Liegt sie nicht vor, droht dem Vermieter oder Untervermieter zum Beispiel in Berlin ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro.

Wer unsicher ist, ob ein Zweckentfremdungsverbot in seiner Stadt oder Gemeinde vorliegt, sollte sich vorab beim zuständigen Amt erkundigen.

Einige Zweckentfremdungsregelungen machen jedoch eine Ausnahme: Wohnen die Gastgeber mit den Feriengästen zusammen und nutzen Sie dabei mehr als die Hälfte der Wohnung selbst zum Wohnen - also nicht etwa als Büro -, handelt es sich nicht um Zweckentfremdung. Darüber informiert die Ergo-Versicherungsgruppe.

Eine Sondergenehmigung der Behörde sei dann nicht erforderlich. Hier lohnt sich ein genauer Blick in die örtliche Verordnung oder Satzung.

Worauf Wohnungseigentümer beim Vermieten aufpassen müssen

Wohnungseigentümer, die von ihrem Mieter um eine Genehmigung gebeten werden oder selber an Touristen vermieten möchten, sollten einen Blick in die Teilungserklärung ihrer Eigentümergemeinschaft werfen: Falls sie eine Vermietung an Feriengäste zulässt beziehungsweise kein Verbot enthält und auch keine entsprechende Vereinbarung aller Wohnungseigentümer vorliegt, steht einer Untervermietung nichts im Weg (BGH, Urteil v. 15.1.2010, V ZR 72/09), so die Ergo-Versicherungsgruppe.

Vermieten an Touristen: Wie Sie sich gegen Schäden absichern

Spricht nichts gegen eine Untervermietung an Touristen, sollten sich die als Vermieter auftretenden Haus- und Wohnungseigentümer auch Gedanken um ihren Versicherungsschutz machen.

Zwar bieten Portale wie AirBnB oder Wimdu privaten Vermietern eine kostenlose „Gastgeber-Garantie“ an. Sie deckt jedoch nur Schäden ab, die ein Gast am Eigentum des Untervermieters verursacht, beispielsweise durch einen Wasserschaden.

Zusätzlich bietet etwa Airbnb eine Haftpflichtversicherung an, die bei Schäden zahlt, die der Gast jemand anderem zufügt. Diese springt zum Beispiel auch dann ein, wenn der Wasserschaden die Wohnung des unter ihm wohnenden Nachbars betrifft. Aber was ist, wenn der Gast selbst in der Wohnung einen Schaden erleidet, fragt das Versicherungsunternehmen.

Für was Sie eine Privat-Haftpflichtversicherung brauchen

Trifft den Verrmieter ein Verschulden, muss er für den Schaden finanziell gerade stehen. „Vor diesen finanziellen Folgen schützt eine Privat-Haftpflichtversicherung“, so Rolf Mertens, Versicherungsexperte der Ergo-Versicherung.

Er – und auch viele unabhängige Versicherungsberater etwa des Bundes der Versicherten oder der Verbraucherzentralen – empfehlen eine Mindestdeckungssumme von fünf Millionen Euro.

Warum Sie auch den Hausrat versichern sollten

Für Schäden beispielsweise durch Einbruchdiebstahl oder Feuer kommt die Hausratversicherung auf. Besitzt der Untervermieter eine gute Police, greift diese sogar während der Untervermietung – jedoch nur für sein Eigentum.

Dennoch warnt Rolf Mertens: „Wer seine Wohnung häufig an Touristen vermietet und dafür Geld verlangt, sollte seine Versicherung darüber informieren. Denn in diesem Fall kann eine gewerbliche Nutzung vorliegen, die die private Hausratversicherung nicht abdeckt.

Auch deshalb sollte der Touristenmietvertrag ganz ähnlich wie ein „normaler“ Mietvertrag gehandhabt werden: Der Einbehalt einer Kaution ist oftmals sinnvoll.

Wenn sich der Gast als Dieb entpuppt

Entpuppt sich allerdings der Gast als Dieb, bleibt der Vermieter auf dem Schaden sitzen, sofern dieser nicht von den Vermietungsportalen beglichen wird.

Wer Fremde in seine Wohnung lässt, sollte vorab seine Wertgegenstände oder Lieblingsstücke sicher aufbewahren oder sie für die Zeit der Untervermietung aus der Wohnung entfernen“, empfiehlt der Ergo-Experte.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Die eigene Wohnung schnell mal an Gäste vermieten, wenn man selbst im Urlaub oder auf Dienstreise ist: Welch eine tolle Möglichkeit, zusätzliches Geld zu verdienen. Auch für Vermieter ist das verlockend: eine leerstehende Wohnung spärlich möblieren und sie zeitweise vermieten, bis wieder ein langfristiger Mietvertrag zustande kommt. Doch Achtung: Die Einnahmen sind steuerpflichtig. Und das Finanzamt schaut bei Internet-Portalen wie AirBnB genau hin.

 meineimmobilie.de-Tipp

Neben den rein rechtlichen Fallstricken gibt es für Sie als Vermieter natürlich auch das generelle Vermietungsrisiko. Steht die Wohnung hauptsächlich leer? Wie aufwendig ist die ständige Neu-Vermietung mit Endreinigung und Herrichtung etc.?

 

Deshalb sollten Sie gut kalkulieren: Vielleicht lohnt es sich ja am Ende doch eher, die Wohnung oder das Haus ganz regulär zu vermieten.