Donnerstag, 08.09.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © archideaphoto - Fotolia.com

Zerkratztes Parkett: Wer den Schaden zahlen muss

Foto: © archideaphoto - Fotolia.com
Worum geht´s

Ein hässlicher Kratzer im Parkett: Wann der Mieter den ersetzen muss.

Der neue Parkettboden ist Ihr ganzer Stolz! Kein Wunder: Der hat Ihnen nicht nur eine Menge Arbeit gemacht, sondern war auch nicht ganz billig.

 

Deswegen schmerzt Sie jeder Kratzer und jede Delle, die Sie jetzt beim Auszug Ihres Mieters entdecken. Noch dazu, weil die meist Ewigkeitsgarantie haben.

Parkett abschleifen und neu versiegeln? Träumen Sie weiter

Wer einen neuen Parkettboden kauft, der achtet meist schon bei der Auswahl darauf, dass man ihn mindestens noch einmal abschleifen und neu versiegeln kann, sollte das irgendwann mal notwendig werden.

Vielen Vermietern wäre es am liebsten, der Mieter würde das für ihn übernehmen, wenn er auszieht und dabei einen zerkratzten Parkettfußboden hinterlässt. Muss er das?

Grundsätzlich „Nein“, denn das Abschleifen und neu Versiegeln zählt nicht mehr zu den Schönheitsreparaturen.

Eine solche Klausel ist unabhängig von der Ausführungsfrist nach § 307 BGB unwirksam (BGH, Urteil v. 13.01.2010, VIII ZR 48/09; OLG Düsseldorf, Urteil v. 16.10.2003, 10 U 46/03, WuM 2003 S. 621; AG Köln, WuM 1984 S. 197; LG Berlin, GE 1996 S. 925; AG Bergisch Gladbach, WuM 1997 S. 211).

Hüten Sie sich vor einer „Parkett-Abschleif-Klausel“

Selbst, wenn Sie in Ihrer Renovierungsklausel irgendwo nur den einen Satz stehen haben, dass der Mieter das Parkett abschleifen und versiegeln muss, schießen Sie sich damit schlimmstenfalls ein kostspieliges Eigentor, denn das macht Ihre gesamte Renovierungsklausel unwirksam.

Dieser eine Satz lässt sich auch nicht so einfach wieder streichen, so dass Ihre Renovierungsklausel mit dem restlichen zulässigen Inhalt stehen bleiben würde.

Schön wäre das – allerdings ist der Bundesgerichtshof hier sehr streng: Die Renovierungsregelung bleibt insgesamt unwirksam (BGH, Urteil v. 18.2.2009, VIII ZR 210/08; Urteil v. 13.1.2010, VIII ZR 48/09).

Abzieh- und Ausbesserungsklauseln bleiben riskant

Gleiches gilt, wenn Sie den Mieter laut Mietvertrag verpflichten, das Parkett abzuziehen oder Schäden am Verputz der Wände und Decken und am Bodenbelag auszubessern (LG Köln, WuM 1989 S. 70).

Zu viel verlangt ist es auch, wenn Sie Ihren Mieter verpflichten, das Parkett in der Wohnung zu reinigen, abzuschleifen und neu mit Ölwachs behandeln zu lassen (AG Münster, Urteil v. 28.6.2002, 3 C 1206/02).

Trotz Parkett: Stöckelschuhe und Filzpantoffeln sind erlaubt

Wer bei Ihrem Mieter ein und aus geht, wissen Sie nicht. Auch nicht, ob dort Stöckelschuhe oder Filzpantoffeln getragen werden.

Jedenfalls müssen Sie gerade im Eingangsbereich bei Kratzern und Schrammen im Parkett ganz stark sein: Die zählen nämlich grundsätzlich als vertragsimmanent und müssen vom Vermieter noch als vertragsgemäße Abnutzung hingenommen werden (OLG Düsseldorf, Urteil v. 16.10.2003, 10 U 46/03, WuM 2003 S. 621).

Parkettboden: Die Grenze ist ein „übervertragsgemäßer Gebrauch“

Sie können allerdings Schadensersatz geltend machen, wenn Ihr Mieter Schäden an den Fußböden verursacht hat, die über einen vertragsgemäßen Gebrauch hinausgehen.

Ist Ihr Parkettboden allerdings schon 10 Jahre alt, liegt nach Ansicht der Gerichte kein erheblicher wirtschaftlicher Schaden mehr vor, da die Gerichte die mittlere Nutzungsdauer einer Parkettbodenversiegelung bei etwa zwölfeinhalb Jahren ansetzen.

Der Ihnen entstandene Schaden beträgt somit allenfalls 15 – 20 % der entstandenen Kosten.

Pfennigabsätze: Gewerberaumvermieter müssen stark sein

Die Toleranzgrenze geht bei Gewerberaumvermietern sogar noch weiter: Die müssen es hinnehmen, wenn sich auf ihrem Parkett Spuren von Pfennigabsätzen abzeichnen.

Ob dies auch für Wohnungsvermieter gilt, ist allerdings fraglich: Die haben nämlich Einfluss darauf, wer und mit welchem Schuhwerk die Wohnung betritt.

Kommentare (2)

19.10.2014, 0:29 Uhr von GAS49 Profil ansehen
Exakt diese Frage beschäftigt mich aktuell ebenfalls: hat man als Vermieter tatsächlich keinerlei rechtliche Handhabe, wenn der Parkettboden zwar 10 Jahre alt ist, aber aus 14 Millimeter Massivholz und daher sehr robust und langjährig haltbar ist, der Mieter in aber leider sehr verwüstet hat? Habe ich überhaupt hier eine Chance? es geht mir nicht darum, Schönheits Arbeiten auf den Mieter abzuwälzen, vielmehr ist mein Boden sehr stark beschädigt und ich würde ungerne die Kosten alleine tragen müssen.ich würde mich freuen, wenn sich hier ein Profi zu Wort melden würde.
27.4.2014, 11:14 Uhr von c.weishaupt Profil ansehen
Meine Mieterin will ausziehen. Sie hat 11 Jahre in der Wohnung gelebt. Der Parkett-Fußboden ist abgenutzt und hat teilweise Macken. Das Abschleifen und Versiegeln geht auf mich. Aber wie kann ich die Reparatur der Macken berechnen? Durch ein gebrochenes Rattanbett sind ebenfalls Schäden entstanden. Ich möchte mich mit ihr auf einem guten Weg einigen. Welchen Teil der Kosten kann ich auf sie umlegen?
von GAS49
Hallo Frau Weishaupt, da ich aktuell in einer ähnlichen Situation bin, interessiert mich,wie ihre Mietsache ausgegangen ist.muss man wirklich tatenlos hinnehmen, dass ein Parkettboden komplett verwüstet ist, bloß weil er über 10 Jahre alt ist?Massivholzböden haben doch nun wirklich eine lange, lange Lebensdauer. Viele Grüße und Danke vorab für Ihre Rückmeldung
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Bequem zurücklehnen und kurz entspannen. Dann wieder nach vorne an den Schreibtisch rollen. Danach rüber zum Regal, dann wieder zurück an den Schreibtisch - und das alles ohne aufzustehen.   Wie? Ganz bequem mit dem rollenden Schreibtischstuhl übers glänzende Echtholzparkett. Das hinterlässt natürlich seine Spuren! Wer den Schaden zahlen muss, finden Sie hier
Was Sie sich bei Auszug Ihres Mieters so wünschen und was Ihr Mieter laut Gesetz und den Gerichten so alles tun muss, lässt sich häufig nicht unter einen Hut bringen!   So beispielsweise, wenn Sie gerne wieder ein blitzblankes Parkett vom Mieter zurück hätten. Am liebsten alles frisch abgeschliffen und versiegelt. Was der Bundesgerichtshof zu solchen glänzenden Parkettwünschen sagt, lesen Sie hier.
News: Robust aber dennoch pflegebedürftig: Nach einigen Jahren in Gebrauch zeichnen Risse und Kratzer die Oberfläche des Parkettbodens. Da hilft dann oft nur abschleifen und neu versiegeln. Besser ist es jedoch, den Holzboden auch zwischendurch immer wieder mit Pflege aufzufrischen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Es lohnt sich nicht, wegen Druckstellen und kleineren Kratzern im Parkett mit dem Mieter zu streiten!

 

Für´s Parkett gilt folgendes: Druckstellen von Möbeln lassen sich meist nicht vermeiden. Deswegen über Schadenersatz streiten? Das lohnt sich nicht!

 

Befinden sich an der Oberfläche des Lacks einige Kratzer, lassen sich die selbst bei einem ganz normalen Gebrauch nicht vermeiden. Deswegen müssen Sie die leider hinnehmen.