Mittwoch, 29.09.2010 | Autor: Heidi Schnurr

Verschwundener Mieter: So räumen Sie die Wohnung

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Keine Miete, ein vollgestopfter Briefkasten und eine dunkle Wohnung: Das sind meist die unheilvollen Vorboten für einen verschwundenen Mieter. Jetzt sitzen Sie auf einer ungeräumten Wohnung, ohne dafür einen Cent Miete zu bekommen! Dürfen Sie die Wohnung einfach leer räumen? "Nicht ganz", sagt der BGH. Wie Sie's richtig machen und am Ende nicht draufzahlen müssen, lesen Sie hier.

Was tun als Vermieter, wenn der Mieter gleich mehrere Monate mit unbekanntem Aufenthaltsort verschollen ist und sogar seine Verwandten ihn als vermisst gemeldet haben?

Erst kündigen, dann klagen

Eine Vermieterin aus Wiesbaden machte kurzen Prozess: Sie warf dem verschwundenen Mieter die fristlose Kündigung in den Briefkasten. Als sich der Mieter nicht rührte, öffnete sie einen Monat später die Wohnung und entsorgte einen großen Teil seiner Wohnungseinrichtung. Den Rest lagerte sie bei sich ein.

Als der Mieter wieder auftauchte, wollte er von der Vermieterin 62.000 EUR Schadenersatz plus Gutachterkosten haben, weil sie seine Sachen entfernt, beschädigt oder verschmutzt hatte.

Wer ohne Titel räumt, ergreift unerlaubte Selbsthilfe

"Das ist unerlaubte Selbsthilfe", urteilte der BGH heute (Urteil v. 14.07.2010, VIII ZR 45/09). Und das, obwohl der Vermieter gekündigt hatte und dem Mieter kein Besitzrecht mehr zustand.

Dennoch müssen Sie bei einem verschwundenen Mieter - notfalls per öffentlicher Zustellung - eine Räumungsklage einreichen. Greift der Vermieter stattdessen zur verbotenen Selbsthilfe, muss er auch für den daraus entstehenden Schaden aufkommen.

Sie müssen eine Bestandsliste erstellen

Wer ohne einen solchen Räumungstitel die Mieterwohnung leer räumt, den trifft eine Obhutspflicht über die ausgeräumten Gegenstände. Dazu gehört, dass Sie eine Bestandsliste aufstellen und darin auch den Wert der Gegenstände im Einzelnen festhalten.

Weil ein Wiesbadener Vermieter das versäumte, steckt er nun in einer misslichen Beweisnot! Kann er nicht beweisen, dass der Schaden tatsächlich geringer ist als die vom Mieter behaupteten 62.000 EUR, wird das Gericht notfalls eine Mindestschätzung durchführen. Das jedenfalls hat der Bundesgerichtshof dem Landgericht in seinem heutigen Urteil aufgetragen!

Kommentare (2)

2.4.2014, 16:27 Uhr von auktionsprofis Profil ansehen
Bestandslisten können erfolgreich angefochten den Vermieter sind im Verfahren Partei. Rechtssicherheit bringt bei Todesfall des Mieters oder offenen Mietforderungen auch die Verwertung der vom Mietschuldner zurückgelassenen Gegenstände über den Weg der öffentlichen Versteigerung. Eine solche Verwertung ist kein Verkauf im klassischen Sinn sondern erfolgt nach dem Surrogatsprinzip. Das bedeutet, es wird lediglich Sachwert in Geldwert gewandelt, es wird der für den Versteigerungsort und Zeitpunkt möglich Marktwert der Gegenstände festgestellt. Forderungen und durch die Verwertung entstandene Kosten können aufgerechnet werden. Ein eventuell überschießender Betrag wird bei der Hinterlegungsstelle des zuständigen Amtsgerichtes einbezahlt. F. Eberhard Ostermayer Allgemein öffentlich bestellter, vereidigter Versteigerer
21.10.2012, 18:19 Uhr von ramose83 Profil ansehen
Das beantwortet jedoch die Frage nicht, wenn der Mieter sich das Leben nimmt, einen Abschiedsbrief (Ihr Lieben .....) hinterlässt und man ihn (den Leichnam) nicht findet. Die Eltern wollten anfangs die Wohnung behalten, zahlten auch die Miete. Jetzt "kündigten" sie. Wir (Vermieter) hätten nichts dagegen; wir verstehen uns auch mit den Eltern gut und haben volles Verständnis für die schwere Situation. Aber: Eltern haben ja keine Vollmacht. Auch wenn die Polizei davon ausgeht, dass er bereits tod sein muss, kann ich nicht kündigen. Die Miete ist bis jetzt eingegangen. Eltern haben begonnen, die Wohnung auszuräumen. Renovieren soll über die Kaution erledigt werden. Das reicht jedoch nicht aus. Wir als Vermieter haben bis jetzt außer der Aussagen der Eltern nichts in der Hand. Wie lässt sich das rechtlich korrekt abwickeln.