Dienstag, 31.03.2009 | Autor: Heidi Schnurr

Schwarze Badfuge: Darf der Mieter deswegen mindern?

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Was würden Sie denken, wenn Sie in einem Hotel duschen wollen und die Badfuge ist schwarz? Da kann es rundum noch so sauber sein: Der erste Eindruck ist schlecht! So geht es auch Ihrem Mieter, wenn in seinem Bad die Fugen schwarz werden. Ein Grund zur Mietminderung? Schließlich könnte ja der Mieter selbst daran schuld sein...

Schön ist es nicht, wenn an der Badewanne das Silikon schwarze Schimmel- und Spakflecken hat - aber reicht das schon für eine Mietminderung? Und: Ist der Mieter nicht selbst schuld daran - schließlich hätte er ja besser putzen können.

Dieser, in der Vermieterpraxis sehr häufig auftretenden Frage, widmete sich das Amtsgericht Hamburg-Altona (AG Hamburg-Altona, Urteil v. 30.04.2007, 314 a C 72/06, WM 2008, S. 551).

Eine schwarze Fuge kann Sie 3 % Ihrer Miete kosten

Das Ergebnis lautete: Der Mieter durfte seine Miete um 3 % mindern. Aber nicht nur wegen der schwarz gewordenen Silikonverfugung, sondern auch noch deswegen, weil ein paar Fliesen gerissen waren.

Der Vermieter verdächtigte prompt seinen Mieter, mit seinem Eigentum unsachgemäß umgegangen zu sein. Schließlich war das Silikon an der Badewanne erst vor 5 Jahren zuletzt erneuert worden.

Dennoch betrachtete das Gericht den Schaden noch als vertragsgemäße Abnutzung. Im Bad - ein sogenannter "gefangener Raum" ohne Fenster - tauchte nur an der Badewannenfuge Schimmel und Spak auf.

Risse in Fliesen: Nach 34 Jahren kann das passieren

Hätte der Mieter unsachgemäß gelüftet, hätte sich der Schimmel auch an anderen Stellen zeigen müssen. Bei der Badbesichtigung fiel dem Richter jedoch nichts auf: Decken und Wände waren spak- und schimmelfrei.

Und wegen der gerissenen Fliesen: Das Bad war bereits 34 Jahre alt. Die Risse seien lediglich die sichtbaren Spuren einer jahrelangen, vertragsgemäßen Abnutzung.

Der Gesamteindruck entscheidet, ob gemindert werden darf

Der Richter bestätigte deswegen ganz nüchtern: Auch ein gefliestes Bad hat keine unbegrenzte Lebensdauer! Selbst wenn die einzelnen Mängel für sich allein genommen eher unerheblich waren, ist es so, dass am Ende der Gesamteindruck entscheidet.

Danach vermittelte das Bad auf den ersten Blick einen eher ungepflegten und unhygienischen Eindruck. Es sei jedenfalls als Ort der Körperpflege und Hygiene offensichtlich renovierungsbedürftig, auch wenn alle Bestandteile des Bades aus rein technischer Sicht noch funktionieren würden.

Klares Urteil: Weniger Miete, mehr Arbeit

Unterm Strich sprang für den Mieter eine Mietminderung von 3 % heraus. Zudem muss der Vermieter nun natürlich die Schäden an Fliesen und Fugen beseitigen und zwar so schnell wie möglich!

meineimmobilie.de Tipp:

Denken Sie bitte daran, dass auch rein optische Mängel den Mieter zur Mietminderung berechtigen können.

So beispielsweise ein Wasserfleck an der Zimmerdecke, der noch vom letzten Rohrbruch stammt oder sogar ein etwas heruntergekommen erscheinendes Treppenhaus!

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