Mittwoch, 28.12.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008

Neuer Basiszinssatz seit 1.1.2017: Wie Sie jetzt Ihre Verzugszinsen berechnen

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008
Worum geht´s

Lässt Sie Ihr Schuldner aufs Geld warten, können Sie von ihm als „kleines Trostpflaster“ Verzugszinsen verlangen. So wie jede Bank es auch von ihrem Schuldner tun würde. Weil sich der Basiszins normalerweise alle 6 Monate ändert, müssen Sie Ihre Berechnungsweise anpassen.

Warten aufs Geld – das tut niemand gern. Aber: Sie können sich fürs Warten entschädigen lassen: Mit Verzugszinsen. Die orientieren sich am Basiszins und der ändert sich jeweils zum 1.1. und 1.7. eines Jahres. Meistens jedenfalls. Doch zum 1.1.2017 hat sich gegenüber dem 1.7.2016 nichts geändert. Der Basiszinssatz ist mit -0,88 % nicht noch tiefer in den Negativbereich gerutscht.  

 

Wer sich fürs Warten aufs Geld entschädigen lassen will, kann mithilfe des Basiszinssatzes vom Schuldner Verzugszinsen verlangen.

Der Basiszins ist erstmalig am 1.1.2013 mit -0,13 in den Negativbereich gerutscht. Zum 1.1.2017 bleibt er mit -0,88 % konstant gegenüber dem Wert vom 1.7.2016 bis zum 31.12.2016. 

Als Privatmann stehen Ihnen laut § 288 Abs. 1 BGB 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz zu.

Was für Gewerberaumvermieter gilt

Vermieten Sie Gewerberaum, können Sie als Mindestschaden 8 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 2 BGB) verlangen. Für Schuldverhältnisse zwischen Geschäftsleuten (und dazu zählen auch Gewerberaummietverträge), die Sie seit dem 29.7.2014 abgeschlossen haben, können Sie neuerdings sogar 9 Prozentpunkte über dem Basiszins verlangen. Gleiches gilt für Mieten, die nach dem 30.06.2016 fällig werden.

Wieviel Verzugszinsen Ihnen zustehen 

Wegen des seit 1.1.2017 geltenden neuen Basiszinses können Sie vom Mieter für Mietschulden, die ab dem 1.1.2017 fällig werden, nur noch Verzugszinsen in Höhe von 4,12 % (Privatleute) bzw. 7,12 % (Geschäftsleute) verlangen.

Beispiel

Ihr Wohnungsmieter hat die Januar-Miete nicht bezahlt. Die wäre an sich am 4.1.2017 fällig gewesen. Der Mieter befindet sich deswegen seit dem 5.1.2017 mit seiner Januar-Miete in Höhe von 850 EUR in Verzug.

Warten Sie geduldig bis zum 4.3.2017 auf Ihr Geld, stehen Ihnen für diese Zeit 5,66 EUR an Verzugszinsen zu. 4,12 % Jahreszins aus der geschuldeten Miete für Januar in Höhe von 850 EUR sind 35,02 EUR (= 850 EUR x 0,0412).

Um den Tageszins zu berechnen, müssen Sie den Jahreszins von 35,02 EUR durch die 365 Tage teilen, so dass sich ein Tageszins von 0,09594 EUR ergibt.

Die Verzugstage Ihres Mieters berechnen Sie so:

   27 Tage für Monat Januar

+ 28 Tage für Monat Februar

+   4 Tage für Monat März

= 59 Tage x den Tageszins von 0,09594 EUR = 5,66 EUR Verzugszinsen.

Hat Ihr Mieter also bis zum 4.3.2017 noch immer nicht seine Januar-Miete gezahlt, können Sie von ihm 5,66 EUR Verzugszinsen plus die ausstehende Miete fordern. Dies ist aufgrund des gefallenen Basiszinssatzes weniger denn je!

Gültig ab

Basiszins

Verzugszinsen unter Privatleuten

Verzugszinsen unter Kaufleuten

Verzugszinsen unter Kaufleuten für ab dem 29.7.2014 abgeschlossene Neumietverträge

01.01.2017

- 0,88 %

4,12 %

7,12 %

8,12 %

01.07.2016

- 0,88 %

4,12 %

7,12 %

8,12 %

01.01.2016

- 0,83 %

4,17 %

7,17 %

8,17 %

01.07.2015

- 0,83 %

4,17 %

7,17 %

8,17 %

01.01.2015

- 0,83 %

4,17 %

7,17 %

8,17 %

01.07.2014

- 0,73 %

4,27 %

7,27 %

8,27 %

01.01.2014

- 0,63 %

4,37 %

7,37 %

 

01.07.2013

- 0,38 %

4,62 %

7,62 %

 

01.01.2013

- 0,13 %

4,87 %

7,87 %

 

01.07.2012

0,12 %

5,12 %

8,12 %

 

01.01.2012

0,12 %

5,12 %

8,12 %

 

01.07.2011

0,37 %

5,37 %

8,37 %

 

01.01.2011

0,12 %

5,12 %

8,12 %

 

01.07.2010

0,12 %

5,12 %

8,12 %

 

01.01.2010

0,12 %

5,12 %

8,12 %

 

01.07.2009

0,12 %

5,12 %

8,12 %

 

01.01.2009

1,62 %

6,62 %

9,62 %

 

01.07.2008

3,19 %

8,19 %

11,19 %

 

01.01.2008

3,32 %

8,32 %

11,32 %

 

01.07.2007

3,19 %

8,19 %

11,19 %

 

01.01.2007

2,70 %

7,70 %

10,70 %

 

01.07.2006

1,95 %

6,95 %

9,95 %

 

01.01.2006

1,37 %

6,37 %

9,37 %

 

01.07.2005

1,17 %

6,17 %

9,17 %

 

01.01.2005

1,21 %

6,21 %

9,21 %

 

01.07.2004

1,13 %

6,13 %

9,13 %

 

01.01.2004

1,14 %

6,14 %

9,14 %

 

01.07.2003

1,22 %

6,22 %

9,22 %

 

01.01.2003

1,97 %

6,97 %

9,97 %

 

01.07.2002

2,47 %

7,47 %

10,47 %

 

 

Kommentare (2)

31.12.2012, 14:37 Uhr von Heidi.Schnurr, meineimmobilie.de Profil ansehen
Die Verzugszinsen für eine ausstehende Miete stehen Ihnen - ebenso wie das Minderungsrecht - automatisch zu. Sie können, müssen aber nicht Ihrem Mieter ankündigen, dass Sie Verzugszinsen geltend machen werden. Verzugszinsen stehen Ihnen grundsätzlich bei allen Zahlungsansprüchen zu. Folglich auch für ausstehende Betriebskosten.
8.2.2012, 15:43 Uhr von Fugger Profil ansehen
Muss die Berechnung von Verzugszinsen nicht vorher dem Mieter angekündigt werden ? Können Verzugszinsen auch bei ausstehenden Nebenkosten gefordert werden ?
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Ratgebern, E-Books, Loseblattwerken, ...
Heidi Schnurr
Mitten im Weihnachtstrubel hat der Bundesgerichtshof ein Urteil veröffentlicht, das für jedes Wohnungsmietverhältnis eine echte Sensation ist: Mieter müssen bis zum 3. Werktag im Monat lediglich die Miete überweisen. Wann das Geld dann auf Ihrem Konto ist, spielt keine Rolle mehr – selbst mit einer Rechtzeitigkeitsklausel im Mietvertrag bleibt es dabei, dass am Dritten Werktag nur das Geld auf die Reise geschickt, aber nicht am „Reiseziel“ Vermieterkonto angekommen sein muss. Damit können sich Mieter jetzt mehr Zeit zum Zahlen lassen.
Am liebsten sind auch Ihnen sicherlich die Mieter, die pünktlich ihre Miete zahlen und von denen Sie sonst das ganze Jahr über nichts hören. Solange die Miete pünktlich bis zum 3. Werktag auf Ihr Konto überwiesen wird, ist die Welt noch in Ordnung. Beim Berechnen des 3. Werktags jedoch haben viele Vermieter und Mieter so ihre liebe Mühe und auch der BGH sorgt mit seinem aktuellen Urteil zur Mietzahlungsfrist für viel Verwirrung.  Rechnen? Müssen Sie nicht mehr: Diese praktische Fristen-Tabelle zeigt Ihnen taggenau, bis wann die Miete auf Ihrem Konto sein muss. 
Ärgerlich, wenn Sie Ihrer Miete hinterherlaufen müssen! Was können Sie in solchen Fällen tun? Und vor allem: Wie machen Sie alles richtig? Meineimmobilie.de weiß Rat: Lesen Sie hier, wie Sie richtig reagieren, wenn Ihr Mieter ständig zu spät oder zu wenig zahlt!
Am liebsten sind auch Ihnen sicherlich die Mieter, die pünktlich ihre Miete zahlen und von denen Sie sonst das ganze Jahr über nichts hören. So lange die Miete pünktlich bis zum 3. Werktag im Monat auf Ihr Konto fließt, ist die Welt noch in Ordnung. Beim Berechnen des 3. Werktags jedoch haben viele Vermieter und Mieter so ihre liebe Mühe.   Rechnen? Müssen Sie nicht mehr: Diese praktische Fristen-Tabelle zeigt Ihnen taggenau bis wann die Miete auf Ihrem Konto sein muss. 
Gerade hat die Bundesbank den Basiszinssatz mal wieder zum 1.7.2016 um 0,05 % von -0,83 % auf -0,88 % gesenkt.     Den Basiszinssatz brauchen Sie, wenn Ihr Mieter mal heute mal morgen seine Miete zahlt und Sie sich für die Wartezeit vom Mieter entschädigen lassen wollen: Mit Verzugszinsen.     Die Verzugszinsen sind nicht immer gleich, sondern orientieren sich am Basiszins und der ändert sich jeweils zum 1.1. und 1.7. jedes Jahres.

 meineimmobilie.de-Tipp

Zahlen Sie an Ihre Bank tatsächlich höhere Zinsen als der derzeitige Basiszins, weil Sie wegen der fehlenden Miete Ihr Konto überziehen mussten? Dann können Sie vom Mieter diesen höheren Zinsbetrag als Verzugszins verlangen. Dafür benötigen Sie jedoch als Nachweis eine Zinsbescheinigung.