Dienstag, 22.09.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © lagom - Fotolia.com

Nachbar müllt Mieter zu: Ist das schon ein Minderungsgrund?

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Worum geht´s

Böser Nachbar: Wann Ihr Mieter wegen einem rabiaten Mieter mindern darf. 

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"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt!", das wusste schon Wilhelm Tell. Und tatsächlich bestätigt sich dieses alte Sprichwort leider immer wieder. Davon kann auch ein Vermieter aus Berlin ein Lied singen. Sein Nachbar trieb es so weit, dass der Mieter die Miete minderte.

Nette Nachbarn sind was Schönes. Allerdings hat die nicht jeder. Hat Ihr Mieter keine sehr netten Nachbarn, bekommen Sie das spätestens zu spüren, wenn der Mieter deswegen seine Miete mindern will.

Ein Berliner Mieter kürzte seinem Vermieter die Miete gleich einmal um stolze 12 Prozent, weil der Nachbar regelmäßig Gegenstände aus seinem Fenster warf.

Die landeten auf dem Gehweg vor dem Hauseingang des Mieters. Kein sehr schöner Anblick!

Dauer, Intensität und Häufigkeit bestimmen die Mietminderungshöhe

Dem Vermieter kam die Mietminderung zu hoch vor, weswegen er den Differenzbetrag vor Gericht einklagte – mit Erfolg!

Das Gericht gestand dem Mieter nämlich nur eine Mietminderung von 5 Prozent zu (AG Berlin Mitte, Urteil v. 27.1.2015, 14 C 265/14).

Bei der Frage, um wie viel der Mieter die Miete mindern darf, kommt es nämlich nicht nur auf den Mietminderungsgrund, sondern auch auf die Intensität, die Dauer und die Häufigkeit der Störung an.

Weil der Nachbar „nur“ an vereinzelten Tagen mit Gegenständen um sich warf, kürzte das Gericht die Mietminderungshöhe von 12 Prozent auf 5 Prozent.

Böser Nachbar: Auch das Wohnumfeld kann ein Mangel sein

Ein Mieter kann nicht nur die Miete mindern, wenn sich ein Mangel direkt in seiner Wohnung zeigt. Die Gebrauchstauglichkeit seiner Wohnung ist vielmehr auch dann beeinträchtigt, wenn es aus seinem Wohnumfeld negative Einwirkungen auf seine Wohnsituation gibt. So beispielsweise, wenn Mitmieter oder Nachbarn sich störend verhalten.

Im Berliner Fall hatte der Nachbar gefährliche und ekelerregende Gegenstände auf den zum Haus des Mieters führenden Gehweg geworfen: Glasbehälter, Flaschen, Toilettenpapier mit Fäkalieninhalt. Wegen dieser Unannehmlichkeiten, die der Mieter erlitten hat, musste der (daran schuldlose!) Vermieter eine Mietminderung hinnehmen.  

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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 meineimmobilie.de-Tipp

Einige Vermieter glauben noch, der Mieter dürfe nur mindern, wenn der Vermieter den Mangel verschuldet habe. Das ist schlichtweg falsch! Der Mieter darf unabhängig davon mindern, ob Sie als Vermieter den Mangel verschuldet haben. Also selbst dann, wenn die Ursache des Mangels völlig außerhalb Ihres Einflussbereichs liegt oder von Ihnen nicht beseitigt werden kann.

 

Das klassische Beispiel hierfür ist die Mietminderung wegen Baulärms vom gegenüberliegenden Grundstück. Auch deswegen darf Ihr Mieter die Miete mindern, obwohl Sie als Vermieter gar nichts dafür können, dass Ihr Nachbar baut!