Montag, 11.11.2013 | Autor: Heidi Schnurr

Falsche Wohnfläche: Diese Klausel erspart Ihnen eine Mietminderung

Dürfen Sie als Vermieter ungestraft bei der Wohnfläche Fantasiezahlen in Ihren Mietvertrag schreiben? Wenn es nach dem Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten geht, schon. So jedenfalls deutet er das neue BGH-Urteil zur Wohnfläche.

 

Der Mieter könnte getäuscht und mit ungerechtfertigten Kosten überzogen werden. Mit welcher Klausel Sie keine Mietminderung bei der Wohnfläche fürchten müssen, lesen Sie hier.

Diese 10%-Klausel bei einer Wohnflächenabweichung gilt nicht, wenn Sie im Mietvertrag deutlich bestimmt haben, dass mit der angegebenen Quadratmeterzahl gerade nicht der Mietgegenstand festgelegt werden soll.

Trotz Rechenfehler: Mieter darf nicht mindern

Dieses Glück hatte ein Vermieter aus Potsdam. In § 1 seines Mietvertrags hatte er Folgendes stehen:

"Vermietet werden ... folgende Räume: Die Wohnung im Dachgeschoss rechts bestehend aus 2 Zimmern, 1 Küche, Bad, Diele zur Benutzung als Wohnraum, deren Größe ca. 54,78 m² beträgt.

Diese Angabe dient wegen möglicher Messfehler nicht zur Festlegung des Mietgegenstands. Der räumliche Umfang der gemieteten Sache ergibt sich vielmehr aus der Angabe der vermieteten Räume."

Um 22 % verrechnet: Dennoch hatte der Mieter das Nachsehen

Der Mieter sollte für seine 2-Zimmer-Wohnung 390 EUR zuzüglich eines Betriebskostenvorschusses von 110 EUR zahlen. Als er weder seine Miete noch seine Betriebskosten-Nachzahlung zahlte, kündigte ihm sein Vermieter wegen des Mietrückstands.

Der Mieter wehrte sich: Schließlich sei die Miete gemindert gewesen, weil die Wohnung statt der angegebenen 54,78 m² nur 41,63 m² groß gewesen sei.

Die Mietvertragsparteien wollten sich nicht festlegen

Tatsächlich: Als ein Sachverständiger nachmaß, kam er nur auf 42,98 m². Damit war die Wohnung 22 % kleiner als im Mietvertrag angegeben.

Allerdings: Weil im Mietvertrag stand, dass die Wohnfläche - wie dies sonst regelmäßig der Fall ist - gerade nicht als verbindliche Beschaffenheitsvereinbarung anzusehen sei, bekam der Vermieter Recht (BGH, Urteil v. 10.11.2010, VIII ZR 306/09).

Die Mietvertragsparteien hätten nämlich ausdrücklich im Mietvertrag bestimmt, dass mit der Angabe der Quadratmeterzahl gerade nicht der Mietgegenstand festgelegt werden sollte.

Der räumliche Umfang der Mietsache sollte sich vielmehr allein aus der Angabe der vermieteten Räume ergeben.

Die Folge für den Mieter: Weil keine bestimmte Fläche vereinbart war, hatte er auch keinen Mietminderungsgrund!

 

 

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

Eine falsche Wohnfäche: Das gibt es häufiger als Sie vielleicht denken. Ein paar Zentimeter sind noch kein Beinbruch. Ab einer Flächendifferenz von 10 % kann es allerdings für Sie teuer werden: Und das auch noch, nachdem Ihr Mieter längst ausgezogen ist. 
Terrasse, Balkon, Loggia: Alles zählt neuerdings bei der Wohnflächenberechnung mit. Streitig ist nach wie vor nur, bis zu welcher Größe. Gesetz und Gerichte sprechen von einem Viertel bis zur Hälfte der Wohnfläche. Was der BGH in dieser "Gretchenfrage" entschieden hat, jetzt auf meineimmobilie.de
"Ein Milliardengeschenk für Vermieter!", so nannte der Mieterbund damals noch ein BGH-Urteil zur Wohnfläche, dass dem Vermieter eine "Toleranzgrenze" von 10 % zugestand, wenn er sich zu seinen Gunsten verrechnet hatte.   Doch mittlerweile haben sich die Zeiten geändert - und zwar zum Nachteil des Vermieters. Was tatsächlich dahinter steckt und wann sich Vermieter bei ihrer nächsten Mieterhöhung freuen können, lesen Sie jetzt auf meineimmobilie.de.

 meineimmobilie.de-Tipp

Eine Zirka-Angabe rettet Sie noch nicht bei einem Streit um die korrekte Wohnfläche vor einer Mietminderung. Das hat der BGH bereits so entschieden (BGH, Urteil v. 10.03.2010, VIII ZR 144/09).

 

Keine Wohnflächenangabe rettet Sie nur dann vor einer Mietminderung, wenn sich die Wohnfläche nicht ohnehin schon aus Ihrer Wohnungsanzeige oder einer mitgelieferten Grundriss-Skizze ergibt (BGH, Urteil v. 10.03.2010, VIII ZR 144/09).