Montag, 04.08.2008 | Autor: Heidi Schnurr/mb

Eckkneipe, Atelier oder Garage: Gewerberaum vermieten

Wer einen Laden oder eine Garage vermieten will, muss einen so genannten Gewerbemietvertrag abschließen. Denn für Gewerberäume gilt ein anderer Mietvertrag als für Wohnungen. Für den Vermieter ergeben sich daraus sogar Vertragsvorteile.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet - dieser altbewährte Grundsatz gilt nicht nur für Ehepaare, sondern auch für Vermieter. Schließlich geben sie ihren kostbaren Besitz aus der Hand. Gut, sie erhalten dafür jeden Monat die Miete als Gegenleistung, aber oft genug ist der Schaden, den ein falscher Mieter anrichtet, viel höher.

Richtiger Mietvertrag

Mit dem richtigen Mietvertrag stellen Vermieter ihren Mietzinsanspruch auf rechtssichere Beine. Und der Mieter hat mit einem entsprechenden schriftlichen Mietvertrag alle seine Rechte an den Mieträumen schwarz auf weiß in der Hand. Was Vermieter wissen müssen: Ein schriftlicher Mietvertrag ist kein Muss. Auch mündliche Mietverträge sind wirksame Verträge.

Was viele Vermieter nicht wissen: Einen Mietvertrag haben sie bereits dann geschlossen, wenn sie ihre Mieträume stillschweigend jemandem überlassen, der dafür regelmäßig einen bestimmten Geldbetrag bar bezahlt oder überweist.

Definition von Gewerberaum

Ein Vermieter hat es immer dann mit Gewerberaum zu tun, wenn er Räume vermietet, die nicht zum Wohnen bestimmt sind. Dazu zählt nicht nur ein Ladengeschäft, ein Lagerraum, eine Werkstatt oder Fabrik, sondern auch bereits eine Garage. Der Vermieter hat es auch dann mit Gewerberaum zu tun, wenn der Mietvertragsunterzeichner nicht für sich selbst mietet, sondern seinerseits einem anderen die Räume zur Verfügung stellen will.

Welches Mietvertragsformular denn nun das richtige ist, bestimmt sich in Zweifelsfällen nach der Schwerpunkttheorie. Die sollten Vermieter kennen, wenn ihr Mieter Wohn- und Gewerberäume anmietet. Beispielsweise eine Gastwirtschaft samt Wohnung. Oder auch, wenn der mietende Anwalt in der Wohnung gleichzeitig ein Büro betreibt.

Wohn- oder Gewerberaum-Mietrecht

Ob Wohn- oder Gewerberaum-Mietrecht zur Anwendung kommt, hängt nicht davon ab, was im Vertrag steht, sondern davon, wo der Vertragsschwerpunkt liegt. Dabei spielt beispielsweise die Größe der Fläche, die auf den Wohn- und Gewerbebereich entfällt, eine Rolle.

Überwiegt der Wohnanteil, sollte der Vermieter zum Wohnungs-Mietvertrag greifen. Überwiegt der gewerblich genutzte Teil, fährt er mit einem Gewerberaum-Mietvertrag besser. Einzige Ausnahme von der Schwerpunkttheorie: Fällt der gewerblich genutzte Teil flächenmäßig geringer aus, verdient der Mieter darin jedoch seinen überwiegenden Lebensunterhalt, hat der Vermieter es mit einem Gewerberaum-Mietvertrag zu tun. Auch dann, wenn er einen Wohnraum-Mietvertrag mit dem Mieter abgeschlossen hat.

Mehr Vertragsfreiheiten

Vermieter fahren mit einem Gewerberaum-Mietvertrag besser. Sie haben hier viel mehr Vertragsfreiheiten. Allerdings werden die durch die neuesten Urteile der Gerichte, beispielsweise zur Wohnflächen-Abweichung und zu den Schönheitsreparaturen, immer mehr eingeschränkt.

Der entscheidende Vorteil als Vermieter: Will er den Mieter irgendwann loswerden, braucht er keinen Kündigungsgrund. Außerdem kann der Vermieter bei der Kaution, den Betriebskosten oder den laufenden Instandhaltungen mehr vom Mieter verlangen.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

 meineimmobilie.de-Tipp


Die Erfahrung zeigt, dass Sie auch mit Verwandten oder Freunden unbedingt einen schriftlichen Mietvertrag abschließen sollten. Gerade bei Gute-Freunde-Verträgen kommt es oft zu unangenehmen Streitigkeiten, die meist vor Gericht enden.