Dienstag, 06.10.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © sasel77 - Fotolia.com

Brummende Heizung: Wann der Mieter mindern darf

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Worum geht´s

Heizungsgeräusche: Wann der Mieter mindern darf.

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Psssst: Hören Sie das auch? Dieses gleichmäßige Brummgeräusch: Woher kommt das? 

Ihr Mieter hat die Antwort parat: Ihre Heizung ist daran schuld und deswegen will Ihr Mieter gleich einmal die Miete mindern. 

 

Selbst kleinste Geräusche können störend sein. Denken Sie nur mal an die Stechmücke, die nachts sirrend um Ihr Bett kreist.

Klar handelt es sich dabei um ein lästiges Geräusch. Aber durfte der Mieter deswegen gleich die Miete mindern? Natürlich nicht (AG Hannover, Urteil v. 1.10.2014,412 C 8478/13).

Typische Umweltgeräusche sind noch kein Minderungsgrund

Nicht jedes noch so geringe Geräusch in einer Mietwohnung gilt gleich als Mangel und rechtfertigt eine Mietminderung. So zum Beispiel, wenn es sich um typische Umweltgeräusche handelt. Die zwitschernden Vögel am Morgen und der alltägliche Verkehrslärm zählen hier dazu.

Was aber, wenn die Heizung in Intervallen brummt? Dann sollten Sie auf jeden Fall sich erst einmal selbst ein Bild von der Geräuschbeeinträchtigung machen: Gehen Sie zum Mieter und hören Sie sich das an.

Nicht jedes störende Geräusch berechtigt gleich zum Miete mindern

Ein Vermieter aus Hannover hörte in der Wohnung seines Mieters keine angeblichen Brumm-Geräusche der Heizung. Weil sein Mieter offensichtlich ein besseres Gehör hatte, wurde ein Sachverständiger gerufen. Der stellte ein wiederholt auftretendes Geräusch in der Wohnung des Mieters fest.

Es handelte sich allerdings um ein sehr leises Geräusch, das nur dann hörbar war, wenn der Hintergrundpegel sehr niedrig war.

Der Sachverständige ordnete den Geräuschpegel noch unter den nach Tabelle 4 der DIN 4109 erlaubten Pegel für haustechnische Anlagen ein. Damit lagen für das Gericht kein Mangel und kein Mietminderungsgrund vor.

Haustechnische Anlagen dürfen Geräusche machen

Zwar war es für das Gericht nachvollziehbar, dass man sich in bestimmten Situationen und je nach der individuellen Konstitution des Hörenden selbst von geringen Geräuschen gestört fühlen kann.

Andererseits seien auch in Wohnungen Geräusche allgegenwärtig und nicht jedes noch so geringe Geräusch stelle bereits einen Mietmangel dar. Das gelte auch für Geräusche von haustechnischen Anlagen.

Insbesondere seien das Strömgeräusch von Heizwasser in Heizkörpern, das Schaltgeräusch von einer in der Wohnung installierten Heizungsanlage, das Betriebsgeräusch eines Gasbrenners und das Betätigungsgeräusch bei Wasserentnahmen aus dem Hausleitungsnetz permanente Alltagsbegleiter in einem Mehrfamilienhaus.

Hauptsache die Geräuschgrenzwerte werden eingehalten

Gleiches gilt für Laufgeräusche und andere Lebensäußerungen von Mietern im selben Haus. So lange die Geräusche noch unterhalb der sich aus der Din 4190 ergebenden Höchstwerte bleiben, muss der Mieter sie noch hinnehmen. 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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So viel Schallschutz müssen Sie dem Mieter bieten

 

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