Mittwoch, 24.02.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © livestockimages - Fotolia.com

3 kleine oder doch nur 1 teure Reparatur? Wie die Gerichte rechnen

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Worum geht´s

Mal hier, mal da was reparieren: Das wird auf die Dauer teuer! Jedenfalls, wenn Sie keine Kleinreparaturen-Klausel in Ihrem Mietvertrag stehen haben. 

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Eine Kleinreparatur-Klausel ist ein Muss für jeden Mietvertrag! Wegen der muss Ihnen Ihr Mieter – je nach Klausel – bis zu 100 EUR pro Reparatur erstatten. Jedenfalls dann, wenn die Reparatur nicht mehr kostet, als die vereinbarten 100 EUR, denn sonst zählt sie nicht mehr als Klein-, sondern als „Großreparatur“.

 

Wie die Gerichte rechnen, wenn der Handwerker gleich mehrere „Kleinreparaturen“ in einem Aufwasch erledigt, zeigt dieses Urteil.

Es ist ein kleiner Unterschied, ob Ihnen Ihr Mieter eine oder gleich 3 kleinere Reparaturrechnungen ersetzen muss. Das fand auch ein Mieter aus Berlin. In seiner Wohnung wurden gleich 3 Mischbatterien auf einen Schlag ausgetauscht: Eine in der Küche, eine im Bad und eine im WC.

Das kostete den Vermieter auf einen Schlag insgesamt 227,57 EUR. Glück für den Vermieter: Laut seiner Kleinreparaturen-Klausel im Mietvertrag musste ihm sein Mieter jedoch Kleinreparaturen an Installationsgegenständen ersetzen.

3 Gegenstände bedeuten auch 3 Kleinreparaturen

An der Kleinreparaturen-Klausel gab es nichts zu deuteln. Blieb nur noch die Frage offen, um wie viele Reparaturen es sich handelte: Schließlich erledigte der Installateur gleich alles in einem Aufwasch.

Dennoch handelte es sich um 3 getrennte Kleinreparaturen, denn schließlich waren auch 3 verschiedene Installationsgegenstände betroffen (AG Berlin-Köpenick, Urteil v. 12.6.2011, 6 C 184/11).

Da jedes Gerät eine eigene Reparatur verursachte, konnte der Vermieter Ersatz i. H. v. 75,15 EUR für die Mischbatterie im WC und jeweils 76,21 EUR für die Mischbatterien in Küche und Bad verlangen.

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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 meineimmobilie.de-Tipp

Ein kompletter Austausch fällt nur unter die Kleinreparaturen-Regelung, wenn sich dafür keine Ersatzteile mehr auftreiben lassen oder wenn sich eine Reparatur nicht mehr lohnt (= wirtschaftlicher Totalschaden).

Ansonsten hat immer die Reparatur Vorrang. Deren Bezahlung dürfte dem Mieter aufgrund seiner Kleinreparaturen-Regelung im Vertrag auch einfacher zu „verkaufen“ sein als der Ersatz der Kosten für einen Austausch.

Am besten, Sie lassen sich bei einem kritischen Mieter vom Handwerker bestätigen, dass keine Reparatur mehr möglich war.