Montag, 23.01.2017 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de , Foto: © pico - Fotolia.com

Wuchernder Bergahorn auf Balkon: Darf der da stehen bleiben?

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Worum geht´s

Balkonbepflanzung: Was der Mieter pflanzen darf.

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Ein Mieter mit einem grünen Daumen ist eine schöne Sache. Jedenfalls, solange seine Wohnung nicht zum Feuchtbiotop und sein Balkon nicht zum Dschungel wird.

 

Ein Mieter aus München stellte ein Bäumchen auf seinen Balkon. Sein grüner Daumen verhalf ihm dazu, dass aus dem Bäumchen bald ein stolzer Baum mit einem Stammumfang von 2 m wurde. Der Mieter war stolz, der Vermieter entsetzt: Der Baum sollte weg. Der Mieter berief sich auf den Umweltschutz, der Vermieter auf sein Eigentumsrecht.       

Ein Münchner Mieter begrünte seine Loggia in der Innenstadt mit einem kleinen Bergahorn. Der stand zunächst in einem Topf. Was der Mieter nicht bedacht hatte: So ein Bäumchen wächst.

Was tun, wenn die Balkonbepflanzung Ihres Mieters zu üppig wird?

Genau genommen kann ein Bergahorn bis zu 40 m hoch werden. Tatsächlich wuchs der Bergahorn des Münchners Mieters so stark, dass ihn der Mieter in einen Holzkasten umtopfen musste. Die Baumkrone des Baumes ragte irgendwann sogar über das Dach des Hauses hinaus. Mittlerweile betrug der Stammumfang stattliche 2 m.

Die Holzkiste, in der der Bergahorn stand, sprengte es, sodass der Baum irgendwann mit der Erde direkt auf dem Boden der Loggia stand.

Damit der Baum nicht umfiel, hatte ihn der Mieter mit Ketten an der Hauswand befestigt.  

2 m Stammumfang: Der Baum muss runter vom Balkon  

Das alles war dem Vermieter ein Dorn im Auge: Der Baum sollte weg. Doch der Mieter berief sich auf den Umweltschutz, der Verfassungsrang genießt (Artikel 20a Grundgesetz). Allerdings ohne Erfolg!

Der Mieter musste den Baum von seiner Loggia entfernen, denn ein Baum von der Größe und dem Umfang zählt nicht mehr zum vertragsmäßigen Gebrauch. Dazu kommt, dass ein Bergahorn ein Tiefwurzler und schon deswegen als Balkonbepflanzung ungeeignet ist.

Balkonbepflanzung darf optisches Erscheinungsbild nicht verändern

Zudem verändere der Baum in unzulässiger Weise das optische Erscheinungsbild des Gebäudes. Das gehört noch mit zum Eigentumsrecht des Vermieters. So eine optische Veränderung des Fassadenbildes ist nur gestattet, wenn es dafür auf der Mieterseite überwiegende berechtigte Interessen gibt.

So ein überragendes Interesse ergab sich für den Mieter jedenfalls nicht aus Artikel 20a GG (Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen als Staatsziel). Unabhängig davon, ob sich der Mieter darauf überhaupt berufen kann, geht es darin um den Schutz künftiger Generationen, den natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere.

Dieser geschützte Bereich war mit dem Beseitigen eines einzelnen Baumes auf dem Balkon eines Mietshauses in einer Großstadt jedenfalls nach Ansicht des Gerichts noch nicht wesentlich betroffen! 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Da sonnt sich Ihr Mieter jeden Mittag nackt auf seinem Balkon: "Urlaub auf Balkonien", nennt er das. Seine Unterwäsche flattert derweil munter im Wind und jeden Morgen hängt er seine geblümte Bettwäsche zum Lüften über das Balkongeländer. Die Nachbarn haben Sie schon schmunzelnd darauf angesprochen. Ihnen ist das Ganze eher hoch peinlich. "Fremdschämen" nennt sich das und Sie fragen sich insgeheim: Kann ich dem Mieter das verbieten?
„Meine kleine grüne Oase“, nennt es Ihr Mieter liebevoll – und fühlt sich sichtlich wohl auf „seinem Balkonien“. Ihnen ist der Balkon etwas zuuuu grün.    Zudem hat sich bereits der darunter wohnende Mieter über das tropfende Gießwasser und die vielen Vögel beschwert, die nun an der grünen Hauswand der "Oase" nisten und auf seinen Gartenmöbeln sichtbare Spuren hinterlassen.    Rechtlich ist es so: Der Mieter darf zwar seinen Balkon begrünen, allerdings muss er sich dabei an ein paar Spielregeln halten.
Da sonnt sich Ihr Mieter jeden Mittag nackt auf seinem Balkon: „Urlaub auf Balkonien", nennt er das. Seine Unterwäsche flattert derweil munter im Wind und jeden Morgen hängt er seine geblümte Bettwäsche zum Lüften über das Balkongeländer. Die Nachbarn haben Sie schon schmunzelnd darauf angesprochen. Ihnen ist das Ganze eher hoch peinlich. „Fremdschämen" nennt sich das und Sie fragen sich insgeheim: Kann ich dem Mieter das verbieten?
Eine (zu) üppig wuchernde Hecke, ein ständiger Grillwürstchengeruch und ein jeden Morgen um 5 Uhr krähender Hahn: Trotz eigenem Grundstück müssen Immobilienbesitzer Rücksicht auf ihre umliegenden Nachbarn nehmen, denn sonst wird aus dem netten Nachbarn gern einmal ein erboster Nachbar - und wer will das schon?   Praxis-Tipps, wie Sie erfolgreich Streit mit den Nachbarn vermeiden. 

 meineimmobilie.de-Tipp

Der Mieter darf seinen Balkon immer nur so bepflanzen, dass weder Ihr Eigentum optisch bzw. gegenständlich beeinträchtigt wird. Außerdem darf die Balkonbepflanzung Ihres Mieters weder die Nachbarn noch Mitmieter im Haus beeinträchtigen.

 

Einen Mieter, der gegen diese Regeln verstößt, können Sie wegen vertragswidriger Nutzung des Balkons abmahnen. Dann hat der Mieter die Wahl: Entweder, er schneidet seine bestehende Balkonbepflanzung so weit zurück, dass sie nicht mehr über die Brüstung des Balkons hinauswächst oder – falls das nicht geht – muss er die Bepflanzung komplett beseitigen.