Dienstag, 25.02.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © karam miri - Fotolia.com

Wegen Trittschall: Stöckelschuhe müssen draußen bleiben

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Worum geht´s

Trittschallschutz: Sind Stöckelschuhe in der Mietwohnung erlaubt?

Stellen Sie sich einmal diese peinliche Situation vor: Sie geben ein schickes Abendessen für Ihren Geschäftspartner. Er trägt Anzug und Krawatte, seine Frau das berühmte kleine Schwarze und die sündhaft teuren Pumps mit der roten Sohle.

 

Schon gleich nach dem Begrüßen an der Wohnungseingangstür müssen Sie jedoch die Frau Ihres Geschäftspartners auffordern, doch bitte die Schuhe vor der Wohnungseingangstür auszuziehen. Warum? Weil es ein Urteil so will, dass Ihre Mieterin die Highheels gegen Filzpantoffeln eintauscht.

Ihre Mieterin oder der Damenbesuch Ihres Mieters muss die Highheels gegen Filzpantoffeln eintauschen, wenn diese 3 Voraussetzungen gegeben sind:

1. Sie wohnen in einem Mehrfamilienhaus,

2. es handelt sich dabei um einen akustisch anfälligen Altbau und

3. Sie haben einen Fliesen- oder Laminatfußboden in der Wohnung.

Dass Stöckelschuhe draußen bleiben müssen, hat das Landgericht Hamburg entschieden (LG Hamburg, Urteil v. 15.12.2009, 316 S 14/09).

Welche Trittschallwerte für Ihr Haus gelten

Dabei war bauseits noch alles in Ordnung: Die Wohnung besaß ausreichenden Trittschallschutz.

Der bestimmt sich nach den geltenden Normen zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes. Die hatte der Vermieter strikt eingehalten. Dennoch fühlte sich ein Mieter im Haus von den Stöckelschuhgeräuschen der über ihm wohnenden Mieterin gestört.

Trotz eingehaltener Normen kann Ärger drohen

Der lärmgeplagte Mieter bekam Recht - und das wohlgemerkt, obwohl der Vermieter alle technischen Normen eingehalten hatte.

Doch wie bringen Sie das nun Ihrer Mieterin mit den Stöckelschuhen schonend bei?

Harter Boden spricht gegen Stöckelschuhe

Das Gericht begründete es so: Das Tragen von harten Absätzen in einer akustisch anfälligen Altbauwohnung gehört nicht mehr zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung.

Das gilt besonders, wenn es in der Wohnung einen Fliesen- oder Laminatfußboden gibt. Das Gericht sprach dabei sogar von "Hackenschuhen".

Fühlt sich ein Mitmieter gestört, sind Sie am Zug

Die davon ausgehenden Geräusche waren tatsächlich sehr deutlich und störend in der Mietwohnung darunter zu hören. Deswegen muss die Mieterin nun die Stöckelschuhe vor ihrer Wohnungstür ausziehen.

"Das ist ihr zumutbar!" befand das Gericht!

 

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Stöckelschuhe sind ja mitunter hübsch anzusehen, allerdings können Sie die Nerven von Mitbewohnern auf die akustische Zerreißprobe stellen, wenn sie jeden Schritt mitanhören müssen, den die über ihnen wohnende Dame in ihren Schuhen auf dem Parkett zurücklegt.    Eine Frage der Schuhe oder des etwa des mangelnden Schallschutzes? Wie viel Schallschutz der Mieter erwarten darf, klärte jetzt der Bundesgerichtshof.
Ihrem Mieter ist es zu laut. Ihn stört jeder Schritt des Mieters über ihm. Ist er nur ein wenig lärmempfindlich oder ist Ihre Wohnung tatsächlich mehr als nur ein wenig hellhörig?   Das wäre ein handfester Minderungsgrund - jedenfalls, wenn Ihre Wohnung die einschlägigen Schallschutzvorschriften nicht erfüllt. An welche Sie sich dabei halten müssen, hat jetzt der Bundesgerichtshof entschieden.
Topstory: Das Nachbarkind hackt auf dem Klavier herum und jedes landende Flugzeug lässt die Tassen im Schrank wackeln: Zwar kann Lärm in Dezibel gemessen werden, aber dennoch empfindet jeder Lärm anders. Wird er als störend empfunden, können Sie beim Alt- und auch Neubau bauphysikalische Veränderungen vornehmen. 

 meineimmobilie.de-Tipp

Muss Ihr Mieter und sein Besuch schon wegen Trittschalls seine Schuhe vor der Wohnungstür ausziehen, darf er sie nicht einfach vor die Tür stellen, sondern muss sie mit rein nehmen!

 

Ihr Mieter darf zwar - solange Ihre Hausordnung das nicht verbietet - eine Fußmatte vor seine Wohnungstür legen, aber nicht seine Schuhe dort abstellen (zur Fußmatte: AG Tempelhof-Kreuzberg, 19 C 27/98, AG Neukölln, Urteil v. 24.04.2003, 7 C 21/03, GE 2003, S. 1161).

 

Schuhe dürfen nur gelegentlich im Treppenhaus abgestellt werden (OLG Hamm, Entscheidung v. 20.04.1988, 15 W 169/88, ZMR 1988, S. 270). Beispielsweise bei Matschwetter über Nacht zum Trocknen.

 

Aber selbst wenn Ihr Mieter das dauernd tut: Das ist zwar ein Abmahn-, aber noch kein Kündigungsgrund (KG Berlin, Urteil v. 18.11.2004, 8 U 125/04, GE 2004, S. 1588).