Dienstag, 31.08.2010 | Autor: Heidi Schnurr

"Verkehr" zu laut: Das sind Ihre Rechte als Vermieter

Yippi-Rufe? Die kennen Sie sicherlich auch nur von Kindern, die Cowboy und Indianer spielen. Zuweilen können sie aber auch Erwachsenen entschlüpfen und dabei für mächtig Ärger im Haus sorgen. Wie schnell aus einem Fest der Liebe eine Abmahnung oder sogar eine Unterlassungsklage werden kann, zeigt dieser amüsante Fall.

Stöhnen und Yippi-Rufe - ja Ihre beiden Mieter aus dem Erdgeschoss lieben sich sehr oft, sehr leidenschaftlich und - sehr zum Leidwesen eines Mitmieters aus dem 1. Stock - auch sehr laut!

Angenommen, ein Mitmieter beschwert sich bei Ihnen über die praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit gut hörbaren Sexgeräusche von Mitbewohnern im Haus.

Doch nicht nur das: Auch wegen der anfeuernden Musik könne der lärmgeplagte Mitmieter nachts kein Auge mehr zumachen.

Nur Zimmerlautstärke ist erlaubt

Was tun in einem solchen Fall? Mahnen Sie Ihren Mieter zuerst einmal ab. Hilft auch das nichts, können Sie als Vermieter oder ein lärmgeplagter Nachbar auf Unterlassung klagen (§§ 862 Abs. 1, 906 analog BGB).

Dabei haben Sie das Recht auf Ihrer Seite, denn in einem Mehrfamilienhaus müssen alle Bewohner jegliche Geräuschentwicklung auf Zimmerlautstärke halten. Das gilt auch für das Ausüben von Geschlechtsverkehr!

Zu laute Liebe fällt nicht unters Persönlichkeitsrecht

Die Richter sehen das so: Der beim Verrichten dieser Tätigkeit verursachte Lärm könnte von erwachsenen Menschen durchaus gesteuert werden. Und zwar so, dass sie dabei nicht so laut lärmen, dass es noch in der Nachbarwohnung zu hören ist.

Ein grenzenloses Ausleben des Sexuallebens sei auch nicht mehr durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Artikels 2 Grundgesetz gedeckt.

Ist das Haus hellhörig, müssen die Mieter eben leiser sein

Da half es auch nichts, dass die Liebenden darauf hinwiesen, dass das Haus besonders hellhörig sei.

Denn selbst wenn das Mietshaus nicht ausreichend schallisoliert ist, müssen sich alle Mietparteien darauf einstellen und besondere Rücksicht auf ihre Hausnachbarn nehmen (AG Warendorf, Urteil v. 19.08.1997, 5 C 414/97, DWW 1997, S. 34).

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Wen es nach draußen zieht, dem sei gesagt: Sex auf dem Balkon gilt ebenfalls als Störung des Hausfriedens!

Als Vermieter können Sie Ihren Mieter wegen eines solchen Verhaltens sogar abmahnen (AG Bonn, Urteil v. 17.05.2006, 8 C 209/05).

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