Donnerstag, 23.05.2013 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Verbohrter Mieter: Wo Ihr Mieter seinen Bohrer ansetzen darf

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s

Zählen Bohrlöcher mitten in der Fliese noch zum vertragsgemäßen Gebrauch oder kann der Vermieter dafür Schadensersatz fordern?

 

Zu viele, zu große und noch dazu an den falschen Stellen: Die Rede ist von hässlichen Bohrlöchern, die Sie oft erst entdecken, wenn der Mieter samt Umzugswagen schon um die Ecke ist. Ein Fall für Schadensersatz? Wie die Gerichte hier entscheiden.

Der Mieter darf nur in die Fuge bohren

Mittendrin statt nebendran: So setzte ein Mieter aus Berlin ohne Not seinen Schlagbohrer an den Fliesen in der Küche und im Bad an.

Das Ergebnis: In der Küche gab es 8 Bohrlöcher und zwar mitten in den Fliesen! 2 Fliesen waren bei der Bohraktion noch dazu gerissen. Auch im Bad gab es mehrere hässliche Dübellöcher. Ebenfalls mitten in den Fliesen wohlgemerkt!

Nur: Diese Bohrlöcher hatte der Vermieter bei der Wohnungsabnahme leider nicht gesehen, weil der (vermeintlich clevere!) Mieter beim Wohnungsabnahmetermin die Handtuchstange und die Seifenschale noch nicht von der Wand geschraubt hatte.

Halten Sie alle Bohrlöcher im Übergabeprotokoll fest

Grundsätzlich gilt: Nur was im Abnahmeprotokoll steht, muss der Mieter auch ersetzen.

Dort waren die 8 Bohrlöcher in der Küche und die 2 gerissenen Fliesen nicht vermerkt. Das (leere) Protokoll hatte der Mieter auch unterschrieben.

Deswegen wollte der Mieter dafür auch nichts zahlen. „Bohrlöcher“, so der Mieter, „fallen außerdem noch unter den vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache!“. Zudem müsste er nur für die Schäden aufkommen, die auch ausdrücklich im Abnahmeprotokoll drin stehen würden.

Allerdings gilt auch das: Wenn schon der Mieter ein Loch in eine geflieste Wand bohren muss, dann bitteschön in die Fuge und nicht mitten in die Fliese!

Wer in die Fliese statt in die Fuge bohrt, begeht eine Vertragsverletzung

Der Mieter darf grundsätzlich auch in gefliesten Räumen den Bohrer ansetzen. Das gehört noch zu seinem „Mietgebrauch“. Allerdings muss er den Mietgebrauch schonend ausüben. Auch dann, wenn er z.B. seinen Wandspiegel oder einen Wandschrank aufhängen will, muss er den Bohrer in der Fuge ansetzen.

Das Loch in der Fuge kann nämlich hinterher wieder verschlossen werden, ohne dass dabei die Fliese beschädigt wird.

Wer dagegen ohne Notwendigkeit mitten in die Fliese statt in die Fuge bohrt, verletzt schuldhaft seine mietvertraglichen Pflichten – und muss dafür Schadensersatz zahlen!

Nur die Schäden, die im Protokoll stehen, muss der Mieter auch ersetzen

Auch mit dem Einwand, dass die Bohrlöcher im Bad nicht im Abnahmeprotokoll erwähnt waren, kam der Mieter nicht weit.

Grundsätzlich gilt natürlich nach wie vor die Faustregel: Nur die Schäden, die im Abnahmeprotokoll stehen, können Sie auch vom Mieter ersetzt verlangen.

Davon gibt es aber eine Ausnahme: Handelt es sich um versteckte Mängel, können Sie doch noch was nachfordern.

Für versteckte Mängel können Sie auch noch hinterher was fordern

Da der Mieter bei der Wohnungsabnahme die Armaturen im Bad noch nicht abgeschraubt hatte, konnte der Vermieter gar nicht sehen, dass der Mieter für das Anbringen extra in die Fliesen gebohrt hatte.

Deswegen musste der Mieter 179,45 EUR für die kaputten Badfliesen und nochmals 426,08 EUR für die Küchenfliesen zahlen (AG Köpenick, Urteil v. 5.10.2012, 4 C 64/12).

 

Kommentare (1)

29.5.2013, 18:48 Uhr von KayM Profil ansehen
Ich tippe mal dieses Urteil wurde eventuell ohne den fachlichen beistand eines Gutachters gesprochen. Als Beispiel füge ich mal an was oben beschrieben wird "Der Mieter darf nur in die Fuge bohren". Wie soll der Mieter einen 6 mm Standartdübel in einer durchschnittlich 2-4 mm breiten Fuge setzen, ohne dabei eventuell gleich zwei Fliesen zu beschädigen? Auch besteht, beim bohren in der Fuge, die Möglichkeit von Randausbrüchen an den Fliesenkanten.
von PBo
Ich bin genau der gleichen Meinung! Oder kann / darf man vertraglich festhalten, dass nur 4mm große Löcher gebort werden dürfen? 4 mm Dübel gibt es, in die passen aber nur 2 - 2,5 mm dicke Schrauben! Viel zu dünn, um irgendwas daran aufzuhängen!
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
In der Zahnpastawerbung hieß es einmal: "Stell' Dir vor, er hat nicht einmal gebohrt!". Tja, wenn Sie das auch beim Auszug Ihres Mieters so freudestrahlend sagen könnten.   Doch der Vermieteralltag sieht oftmals anders aus: Da hat der Mieter munter gebohrt und Ihre Wand ähnelt schlimmstenfalls einem Schweizer Käse! Wie viele Bohrlöcher noch erlaubt sind, hängt - wie so oft bei den Juristen - vom Einzelfall ab.
Schon wieder parkt ein Möbelwagen direkt vor Ihrem Mietshaus: Ihr Mieter aus dem 2. OG zieht aus. Heute ist Wohnungsabnahme-Termin: Da liegen die Nerven häufig blank. Kein Wunder übersehen Sie unter Druck gerne einmal einen Kratzer, einen Riss oder andere Schäden. Hinterher ist es jedoch zu spät, denn ein Abnahmprotokoll hat so etwas wie eine Ewigkeitsgarantie!  

 meineimmobilie.de-Tipp

Dieses Urteil zeigt wieder einmal, wie wichtig ein sorgfältig ausgefülltes Abnahmeprotokoll ist, um Streit bei Mietvertragsende zu vermeiden.

 

Wer bei der Abnahme Beschädigungen übersieht, kann hinterher nichts mehr nachfordern. Außer natürlich, es geht um versteckte Mängel. Aber das dürfte wohl eher die absolute Ausnahme sein.

 

Wer schon gleich bei Mietvertragsbeginn bei der Übergabe kein Protokoll anfertigt, muss dies bei der Abnahme büßen, wenn der Mieter behauptet: „Der Schaden? Der war schon beim Einzug da!“.

 

Ist der nämlich im Übergabeprotokoll nicht vermerkt, ist das der sichere Beweis dafür, dass es beim Einzug keinen Schaden gab.