Dienstag, 19.02.2013 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © inna_astakhova - Fotolia.com

Tierhaltung: Lassie wohnt jetzt im Altbau

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Worum geht´s

Ob Ihr Mieter einen Hund in seiner Wohnung halten darf, hängt im Wesenlichten von einem ab: Ihrem Mietvertrag.

Stichworte zu diesem Thema

Erinnern Sie sich noch an den Fernseh-Hund „Lassie“: Wie er durch Felder und Wiesen sprang, Viehdiebe stellte oder andere spannende Abenteuer schwanzwedelnd überstand. 

 

Können Sie sich Lassie im 3. Stock einer 3-Zimmer-Altbauwohnung in Hamburg vorstellen?

Lassie in der Mietwohnung im Mehrfamilienhaus: Ein Hamburger Vermieter hielt das Halten des Hundes für keine artgerechte Tierhaltung. Er wollte, dass Lassie wieder auszieht.

Ob das Halten des Hundes nun noch artgerecht ist oder nicht, spielte jedoch vor Gericht keine Rolle: Die Richter schielten vielmehr darauf, was im Mietvertrag zur Tierhaltung geregelt war.

Entscheidend ist, was im Mietvertrag zur Tierhaltung steht

Laut Mietvertrag war jedenfalls das Halten eines Hundes nicht ausdrücklich verboten bzw. auch nicht von der ausdrücklichen Zustimmung des Vermieters abhängig.

Deswegen sprach der Wortlaut des Mietvertrags schon einmal nicht gegen den Hund.

Eine übervertragsgemäße Abnutzung müssen Sie erst einmal beweisen

Der Vermieter sorgte sich natürlich um den Zustand seiner vermieteten Wohnung: Der Hund war schließlich groß und schwer. Deswegen könnte seine 95-m²-Wohnung mehr als üblich abgenutzt werden.  

Allerdings konnte der Vermieter dafür keine Beweise vorbringen: Er berief sich lediglich auf seine allgemeine Lebenserfahrung – und das war dem Gericht zu unkonkret (BGH, Urteil v. 22.1.2013, VIII ZR 329/11)!

Wer sich auf die Beschwerden anderer beruft, muss die auch beweisen können

Der Vermieter gab zudem an, dass sich schon andere Mieter im Haus über den Hund beschwert hätten. Auch deswegen, weil der Mieter den Hund immer im Treppenhaus bürstete.

Doch ein Blick in die Gerichtsprotokolle ergab, dass lediglich ein einzelner Eigentümer im Haus wenig begeistert über die Hundehaare im Treppenhaus war und der Mieter deswegen den Hund nicht mehr im Treppenhaus bürstete.

Dagegen hatten 10 andere Mitbewohner im Haus dem Hundebesitzer schriftlich bescheinigt, dass von seinem Hund keine Belästigungen ausgehen würden.

Damit hatte der Vermieter den Prozess verloren!

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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 meineimmobilie.de-Tipp

Ob Sie das Halten von Hunden so einfach im Mietvertrag verbieten können, ist noch nicht endgültig entschieden. Das hängt unter anderem davon ab, ob man einen kleinen Hund oder eine Katze noch zu den erlaubten Kleintieren zählt oder nicht.

 

Bisher haben dazu nur wenige Gerichte eindeutig Stellung bezogen. Das AG Spandau hat jedenfalls einen kleinen Yorkshire nicht mehr als Kleintier anerkannt (AG Spandau, Urteil v. 13.4.2011, 13 C 574/10, GE 2011, S. 1650). Dazu war jedoch im Mietvertrag geregelt, dass der Mieter die Erlaubnis des Vermieters einholen muss, wenn er andere Tiere als Kleintiere - insbesondere Hunde - hält.

 

Weil die Erlaubnis fehlte, musste der Spandauer Mieter seinen Yorkshire Terrier wieder abgeben.