Dienstag, 07.04.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © flas100 - Fotolia.com

Sturz auf nasser Treppe: Wer trotzdem losläuft, ist selbst schuld!

Foto: © flas100 - Fotolia.com
Worum geht´s

Mieter stürzt im Treppenhaus: Wann Sie Schadensersatz zahlen müssen.

Die Treppe glänzt und es riecht nach Putzmittel. Wer eins und eins zusammenzählen kann, der merkt, dass das Treppenhaus wohl gerade frisch geputzt wurde.

Wer´s dennoch eilig hat, sollte sich beim Benutzen der Treppe am besten am Treppengeländer festhalten. Wer das nicht tut und dennoch losläuft, tut das auf eigene Gefahr!

Einem 51-jährigen Mieter aus München wurde ein frisch geputztes Treppenhaus zum Verhängnis. Er stürzte am 3.7.2009 auf der nassen Treppe und verletzte sich am rechten Oberarm. Im Krankenhausbericht wurde eine „dislozierte Humerusfraktur“ festgestellt, die noch am gleichen Tag operiert wurde.

Zurück blieben eine 11 cm lange Narbe, ständige Schmerzen sowie eine massive Bewegungseinschränkung. Es folgte eine Depression. Der Mieter erhielt seit dem 1.2.2010 eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Er wurde wegen des Unfalls zu 50 % schwerbehindert.

Mieter forderte 80.000 EUR Schmerzensgeld

Der Mieter war auf dem frisch geputzten Boden im Treppenhaus ausgerutscht: Das soll kurz zuvor gereinigt worden und deswegen noch rutschig gewesen sein. Ein „Frisch-geputzt-Warnschild“ gab es nicht.

Wegen des fehlenden Warnhinweises wollte der Mieter von der Vermieterin ein Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 80.000 EUR plus Schadensersatz haben und das, obwohl die Haftpflichtversicherung der Vermieterin bereits einen Schmerzensgeldvorschuss gezahlt hatte.

Gericht kreidete dem Mieter 100%iges Mitverschulden an

Die Schmerzensgeldklage gegen die Vermieterin blieb erfolglos, denn das Gericht kreidete dem Mieter ein 100-prozentiges Mitverschulden am Unfall an!

Der Mieter hätte beim Benutzen des Treppenhauses die Sorgfalt außer Acht gelassen, die nach der Sachlage erforderlich war, um sich selbst vor einem Schaden zu schützen.

Dazu gehört, dass sich der Mieter am Treppengeländer festhält, sofern – erkennbar! – eine Ausrutschgefahr besteht.

Nass und Putzmittelgeruch: Es roch nach "Ausrutschgefahr"

Nach Aussage aller Zeugen war das Treppenhaus zum Zeitpunkt des Sturzes sichtbar klatschnass gewesen: Es gab großflächig sehr nasse Stellen und es wäre nicht das erste Mal so gewesen.

Zudem roch es im ganzen Treppenhaus nach Putzmittel – schon das hätte dem Mieter eine Warnung sein müssen!

Dennoch benutzte der Mieter das Treppenhaus und hielt sich dabei nicht am Handlauf fest.

Das Gericht bewertete das als starke Mitschuld des Mieters am Unfall, sodass es einen Ersatzanspruch gegenüber der Vermieterin ablehnte.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Wollmäuse, ein zerknülltes Papiertaschentuch und eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe in der Ecke. Das sind untrügliche Beweiszeichen dafür, dass Ihr Treppenhaus schon länger nicht mehr geputzt wurde. Tja, Ihre Mieter nehmen es mit der Kehrwoche leider nicht so genau. Das wollen Sie jetzt ändern: mit einer regelmäßigen Reinigungskraft. Die Kosten dafür wollen Sie auf alle Mieter umlegen. Wie Sie das rechtlich korrekt hinbekommen, lesen Sie hier.
Vollbepackt schleppen Sie sich die Treppe rauf. Müssen dazwischen mal kurz absetzen, um nochmals alles richtig in die Hand zu nehmen. Als Sie weiterlaufen, macht es ein leises "Klack" und plötzlich geht das Licht aus - und da stehen Sie nun fluchend im Dunkeln.
Alles nass und dreckig. Wohlgemerkt im Treppenhaus und nicht in der Wohnung des Mieters. Denn der zieht seine Schuhe immer brav vor seiner Wohnungstür aus.    So weit so gut, würde er nicht seine dreckigen und ausdünstenden Schuhe vor der Tür stehen lassen. Nicht nur Ihnen, sondern auch den Mitbewohnern im Haus ist das ein Dorn im Auge.

 meineimmobilie.de-Tipp

Als Vermieter haben Sie eine Verkehrssicherungspflicht. Das bedeutet: Sie müssen Ihre Mieter und deren Mitbewohner und Besucher vor Schäden schützen.

 

Dazu gehört beispielsweise, dass die Zugänge zum Haus beleuchtet sind, im Winter die Wege geräumt und gestreut werden und das Treppenhauslicht lange genug brennt.

 

Wie teuer Sie so eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht kommen kann, zeigt dieser Fall sehr anschaulich – und häufig haben Sie keine Zeugen, die bestätigen können, dass der Mieter „selbst schuld“ am Unfall war.