Dienstag, 16.02.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © livestockimages - Fotolia.com

Streitstatistik: Über was Mieter und Vermieter am häufigsten streiten

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Worum geht´s

Streit- und Prozessstatistik des Deutschen Mieterbundes.

Was denken Sie, über was Vermieter und Mieter am häufigsten streiten? Der Deutsche Mieterbund hat seine Streitstatistik vorgelegt.

Die gute Nachricht lautet: 96,9 %  aller Beratungsfälle landeten nicht vor Gericht, sondern wurden außergerichtlich beigelegt. Wer dabei nachgegeben hat? Im Zweifel der Klügere. Zankapfel Nummer 1? Tippen Sie mal!

Am häufigsten wird um die Heiz- und Betriebskosten gestritten

Wahrscheinlich haben Sie es bereits erraten, worüber Vermieter und Mieter am häufigsten gestritten haben: Es waren wieder einmal – wie schon im Vorjahr – die Betriebskosten. Ein Drittel aller Beratungen drehen sich um die sogenannte zweite Miete, die Betriebskosten.

Die Diskussionen bei den Heiz- und Betriebskosten sind sogar noch einmal leicht gestiegen auf  gut 34 %.

Mietminderungsfälle landeten auf Platz 2 der Streitstatistik

An zweiter Stelle folgen mit knapp 18,8 % die Wohnungsmängel. Gestritten wurde um geminderte Mieten und unterlassene Reparaturen.    

Auf Platz drei landeten „Allgemeine Vertragsangelegenheiten“. Darunter fallen die Rechte und Pflichten aus dem Mietverhältnis. Das beginnt schon mit dem Abschluss des Mietvertrags: Die geforderte Miethöhe muss stimmen. Eine Staffel- oder Indexmiete muss korrekt vereinbart werden. Gefragt waren auch Auskünfte und Informationen, die der Vermieter bei der Wohnungsbesichtigung abfragen darf.

Beratungsbedarf bestand auch beim Mietvertragsabschluss mit einer WG, allgemein zur Tierhaltung, erlaubten Partylärms oder ob die Haustür abends abgeschlossen werden muss oder nicht.

Mietpreisbremse spielte 2014 noch keine Rolle

Erst auf Rang 4 kommen die Mieterhöhungen auf die ortsübliche Vergleichsmiete (9,5 %). Die so genannte „Mietpreisbremse“ spielten für die Beratungsstatistik 2014 noch keine Rolle. Kein Wunder: Sie wurde auch erst zum 1.6.2015 eingeführt. 

Einen leichten Anstieg, wenn auch auf relativ niedrigem Niveau gab es bei Fragen rund um die Modernisierung und zur Kündigung – hauptsächlich in den Städten.   

Jede zehnte Rechtsberatung dreht sich in Großstädten um das Thema Mieterhöhung. Der  Beratungsbedarf bei Fragen rund um die Vermieterkündigung hat sich im letzten Jahr sogar fast verdoppelt.   

Prozessstatistik 2014: Wohnungsstreitigkeiten weiter ganz vorne    

Die Zivilgerichte in Deutschland sind zuständig für Verkehrsunfall-, Kauf-, Bau- und Architekten-, Miet-, Arzthaftungs-, Reise-, Vertrags-, Kredit- und Leasing-, Wohnungseigentums-, Versicherungs- oder Nachbarschaftssachen. 

Insgesamt wurden davon 1.545.898 Verfahren gerichtlich geklärt. Dabei ging es in rund 17,6 % aller Zivilrechtsprozesse um Fragen des Wohnraummietrechts.   

Mietrechtsstreitigkeiten sind die häufigste Art der Zivilprozesse. Genau genommen standen Mieter und Vermieter 2014 insgesamt 271.780 Mal vor dem Amts- und Landgericht. 

Gute Nachricht: Es wird ein bisschen weniger gestritten

Insgesamt ging 2014 die Anzahl der Mietrechtsprozesse im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 % zurück, im Vergleich zu 2012 sogar um 4,7 %. 

Auch bei den gerichtlichen Streitigkeiten dominieren die Betriebskosten und die Vertragsverletzungen.  Auf Platz 3 der Prozessstatistik landeten  wie in den Vorjahren Streitigkeiten rund um die  „Mietkaution“. Dabei ging es in den meisten Fällen um Fragen zur Rückzahlung der Kaution und damit letztlich überwiegend um Fragen zu den Schönheitsreparaturen.   

Auffallend ist die Zahl der Mieterhöhungsprozesse. 15,6 % aller Mietrechtsverfahren drehten sich um dieses Thema, so viel wie schon seit Jahren nicht mehr.  

Die häufigsten Beratungsthemen 2014

(in Klammern Zahlen für 2013)

1.

(1)

Betriebskosten

34,3 %

(32,6 %)

2.

(2)

Wohnungsmängel

18,8 %

(18,9 %)

3.

(3)

Allg. Vertragsangelegenheiten

13,3 %

(13,2 %)

4.

(4)

Mieterhöhung

 9,5 %

 (9,2 %)

5.

(6)

Schönheitsreparaturen

 5,9 %

 (5,2 %)

6.

(5)

Mietkaution

 5,1 %

 (5,6 %)

7.

(7)

Mieterkündigung

 3,6 %

 (5,0 %)

8.

(8)

Modernisierung

 3,1 %

 (3,0 %)

9.

(9)

Vermieterkündigung

 2,9 %

 (2,2 %)

10.

(10)

Umwandlung/Eigentümerwechsel

 1,4 %

 (1,6 %)

Quelle: Deutscher Mieterbund

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr

Fenster auf und rein mit der frischen Luft - am besten 3-mal am Tag. In manchen Wohnungen darf es allerdings auch ein bisschen mehr sein. Doch ist das dem Mieter noch zumutbar und auch dann noch, wenn sich bereits Schimmel an der Wand zeigt?
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 meineimmobilie.de-Tipp

Ganz gleich, ob es um die Betriebskosten, die Kaution oder Schönheitsreparaturen geht: Die beste Streitvermeidungstheorie heißt aufeinander zugehen. Denn lieber einen zufriedenen Mieter behalten, als einen unzufriedenen Mieter verlieren. Das ist meist besser für Ihre Nerven und Ihren Geldbeutel.