Dienstag, 11.11.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Foto: © Haramis Kalfar - Fotolia.com

Streit-Statistik: Über was Mieter und Vermieter am häufigsten streiten

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Worum geht´s

Die aktuelle Streit-Statistik: Über was Mieter und Vermieter so streiten.

Was denken Sie, über was Mieter und Vermieter am häufigsten in Streit geraten: Sind es die Betriebskosten, ein zu lauter Mitmieter oder die zu hohe Miete?

Der Deutsche Mieterbund hat hierzu gerade eine aktuelle „Streit-Statistik“ herausgegeben. Streit-Thema Nummer eins bleiben – wen wundert´s? – die Heiz- und Betriebskosten.

Allerdings mit abnehmender Tendenz – und das ist doch ein richtig gutes Zeichen!

90 Prozent aller Fälle werden außergerichtlich geklärt

Der Mieterverein ist oft „der erklärte Feind“ des Vermieters. Dabei kommen 98 Prozent ihrer Beratungsfälle erst gar nicht vor Gericht, sondern werden außergerichtlich beigelegt.

Bei mehr als 1,1 Millionen Rechtsberatungen im Jahr eine beeindruckende Bilanz!

Die Betriebskosten sind das häufigste Streit-Thema

Beratungsthema Nr. 1 waren - wie im Vorjahr - die Betriebskosten. Ein Drittel aller Beratungen drehten sich um die sogenannte zweite Miete. Allerdings ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr gefallen!

Auf Rang 2 folgen die Wohnungsmängel, schließlich ist so ein Mangel schnell gefunden…

Mieterselbstauskunft: Welche Fragen erlaubt sind

„Allgemeine Vertragsangelegenheiten“ stehen auf Platz 3 der häufigsten Streit-Themen. Darunter fallen alle Rechte und Pflichten rund um den Mietvertragsabschluss, wie z. B. ob die vereinbarten Mieterhöhungen wie Staffel- oder Indexmiete überhaupt zulässig und ratsam sind oder was der Vermieter bei Mietvertragsabschluss alles fragen darf.

Während eines bereits laufenden Mietverhältnisses sind es dann eher so Alltagsfragen wie, ob und welche Tiere gehalten werden dürfen, wie laut Geburtstage gefeiert werden dürfen oder ob die Haustür abends abgeschlossen werden muss.

Der Streit um Mieterhöhungen hat zugenommen

Das vierthäufigste Beratungsthema sind jetzt schon die Mieterhöhungen auf die ortsübliche Vergleichsmiete (9,2 %). Gegenüber dem Vorjahr ist hier der Beratungsbedarf um rund 30 Prozent gestiegen.

Die Mietervereine führen das unter anderem auf die Einführung der Kappungsgrenze seit dem 1.5.2013 zurück.

Dagegen gab es bei den Themen Mietkaution und den oft so heiklen Schönheitsreparaturen weniger Beratungsbedarf.

Hier die Hitliste der häufigsten Streit-Themen im Überblick:

 

Rang 2013

Rang 2012

Streit-Thema-

Anteil 2013

Anteil 2012

1.

(1)

Betriebskosten

32,6 %

(38,0 %)

2.

(2)

Wohnungsmängel

18,9 %

(19,9 %)

3.

(3)

Allg. Vertragsangelegenheiten

13,2 %

(8,9 %)

4.

(5)

Mieterhöhung

9,2 %

(6,6 %)

5.

(6)

Mietkaution

5,6 %

(6,1 %)

6.

(4)

Schönheitsreparaturen

5,2 %

(6,9 %)

7.

(7)

Mieterkündigung

4,0 %

(4,0 %)

8.

(9)

Modernisierung

3,0 %

(1,7 %)

9.

(8)

Vermieterkündigung

2,2 %

(3,6 %)

10.

(19)

Umwandlung / Eigentümerwechsel

1,6 %

(0,8 %)

 

Mit dem Mieter vor Gericht: Die aktuelle Prozess-Statistik

Die gute Nachricht zuerst: Laut den Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde 2013 mit 1.194.539 Zivilrechtsverfahren weniger gestritten als noch das Jahr zuvor. Genau genommen gab es 2013 29.000 weniger Zivilrechtsverfahren als noch 2012.

Exakt 23 Prozent der Rechtsstreite entfielen 2013 auf Mieter und Vermieter. Damit sind Wohnraummietsachen die häufigste Art der Zivilprozesse in Deutschland!

Wie schon in den Vorjahren wird wegen „Vertragsverletzungen“ und „Betriebskosten“ am häufigsten vor Gericht gezogen.

Geld zurück: Streit um die Mietkaution rangiert auf Platz 3

Auf Platz 3 der Prozessstatistik rangiert wie in den Vorjahren die „Mietkaution“. Worüber man da streiten kann?

Ob und wieviel von der Kaution zurückgezahlt werden muss oder wegen nicht oder schlecht ausgeführten Schönheitsreparaturen. Im Ergebnis drehte sich fast jedes fünfte Mietrechtsverfahren um dieses Thema.

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr

Fenster auf und rein mit der frischen Luft - am besten 3-mal am Tag. In manchen Wohnungen darf es allerdings auch ein bisschen mehr sein. Doch ist das dem Mieter noch zumutbar und auch dann noch, wenn sich bereits Schimmel an der Wand zeigt?
Wenn Mieter und Vermieter sich streiten, endet die Auseinandersetzung nicht selten vor Gericht. So kann zum Beispiel der Vermieter seinen Mieter verklagen, wenn dieser seine Wohnung beschädigt hat.   Je nach Höhe des Streitwerts ist dann entweder das Amtsgericht oder das Landesgericht für den Mietstreit zuständig.
Was denken Sie, über was Vermieter und Mieter am häufigsten streiten? Der Deutsche Mieterbund hat seine Streitstatistik vorgelegt. Die gute Nachricht lautet: 96,9 %  aller Beratungsfälle landeten nicht vor Gericht, sondern wurden außergerichtlich beigelegt. Wer dabei nachgegeben hat? Im Zweifel der Klügere. Zankapfel Nummer 1? Tippen Sie mal!

 meineimmobilie.de-Tipp

Die beste Streitvermeidungs-Strategie ist ein guter Mietvertrag: Was da bereits (wirksam) geregelt ist, darüber müssen Sie später nicht streiten!

Das fängt bei der Mieterhöhung (Staffel- oder Indexmiete) an und hört bei der jährlichen Betriebskostenabrechnung auf. Denn daran, was Sie schwarz auf weiß vereinbart haben, kommt auch Ihr Mieter nicht vorbei.