Dienstag, 28.03.2017 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin , Foto: © sowanna - Fotolia.com

Stehend duschen: Noch normal oder schon ein Mietvertragsverstoß?

Foto: © sowanna - Fotolia.com
Worum geht´s

Badnutzung: Wie Ihr Mieter duschen darf.

Stichworte zu diesem Thema

Mal eine persönliche Frage: Wie duschen Sie? Können Sie sich vorstellen, dass es ein Mietvertragsverstoß sein könnte, wenn Sie stehend statt sitzend duschen? Das hat gerade das Landgericht Köln entschieden. Wie es zu diesem kuriosen Dusch-Urteil kam, lesen Sie hier.

Für Vermieter kann es sich rechnen, im Bad nicht an den Fliesen zu sparen. Das zeigt ein kurioser Dusch-Rechtsstreit aus Köln. Dort hatte ein Vermieter das Bad in der Mieterwohnung nur halbhoch statt bis an die Decke gefliest – und das auch rund um die Badewanne.

Wegen fehlender Dusche: Mieter musste in Badewanne duschen

Im Bad gab es außerdem keine Dusche und kein Fenster, nur eine Badewanne ohne Duschaufsatz und ein Luftabzug – eine sogenannte „Kölner Lüftung“.

Wegen der fehlenden Dusche musste der Mieter immer in der Badewanne duschen. Allerdings tat er das immer stehend statt sitzend und das schon seit 1984.

Weil das Badezimmer jedoch nur halbhoch gefliest war, spritzte das Wasser beim Duschen an die tapezierte Wand über den Fliesen. An der durchnässten Wand bildete sich deswegen irgendwann Schimmel.

Gericht musste entscheiden, ob stehend Duschen noch vertragsgemäß ist

Der Vermieter sollte nun den Schimmel beseitigen oder der Mieter wollte die Miete mindern. Seiner Ansicht nach gehöre das Duschen im Stehen noch zum vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache. 

Der Mieter war der Ansicht, dass das Duschen im Stehen noch eine vertragsgemäße Nutzung sei. Außerdem sei die Lüftung im Bad so schlecht, dass es immer wieder zu Schimmel an der durchnässten Badezimmerwand kommen würde.

Doch das Landgericht Köln entschied zur Überraschung aller anders: Es käme nicht auf die Lüftung an, weil die Feuchtigkeit und der Schimmel in erster Linie durch das Duschen im Stehen verursacht würde.

Gericht entschied: Stehend duschen ist nicht mehr vertragsgemäß

Das Gericht entschied, dass das Duschverhalten des Mieters im konkreten Fall nicht mehr vertragsgemäß sei.

Nun ist es bei Schimmel ja so: Da muss zuerst der Vermieter beweisen, dass die Feuchtigkeitsschäden nicht auf bauseitigen Ursachen beruhen. Das bescheinigte dem Vermieter vor Gericht ein Sachverständiger. Danach sei allein der Mieter und die Art, wie er das Badezimmer nutzt, schuld am Schimmel.  

Diese Art der Nutzung stufte das Gericht sogar rechtlich als vertragswidrig ein (LG Köln, Urteil v. 24.2.2017, 1 S 32/15). Das Badezimmer war und ist nämlich seiner Ausstattung nach nicht zum stehend Duschen geeignet.

Wer ein Bad ohne Dusche mietet, muss sein Duschverhalten anpassen

Außerdem hätte der Mieter schon von Anfang an gewusst, dass es im Bad nur eine Badewanne ohne Duschvorhang gäbe und zudem das Bad nur halbhoch gefliest sei. Damit hätte ihm klar sein müssen, dass es bei solchen baulichen Gegebenheiten im Badezimmer zwingend zu Schimmelschäden kommen könne.

Deswegen musste der Mieter den Schimmel auf eigene Kosten beseitigen und auch weiterhin die volle Miete zahlen. Doch das war noch nicht alles: Der Mieter muss nun künftig solche Schäden vermeiden bzw. spätestens beim Auszug die Schimmelschäden fachgerecht beseitigen!

Kommentare (1)

29.3.2017, 15:30 Uhr von PBo Profil ansehen
Richtiges Urteil! Der Mieter hätte auf eigene Kosten den Bereich an der Badewanne höher fliesen können und sich einen Duschaufsatz aus dem Baumarkt für die Wanne kaufen und montieren können. Das hätte tadellos funktioniert!
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Ratgebern, E-Books, Loseblattwerken, ...
Heidi Schnurr
Wenn einer zu heiß gebadet hat, versteckt sich dahinter meist eine üble Beschimpfung. Manch einer stört sich jedoch nicht an der Temperatur, sondern an der Tatsache, dass der Mieter überhaupt gebadet hat: Mitten in der Nacht und noch dazu stundenlang! Gerade in hellhörigen Häusern kann dies den Nachbarn ein Dorn im Auge sein.
Draußen ist es kalt und ungemütlich? Der richtige Zeitpunkt für ein warmes Bad! Doch kaum liegen Sie in der Wanne, fühlen Sie sich als würden Sie in Sand sitzen: So stumpf und rau ist die Wanne. Getrübte Badefreuden - ist das ein Mietminderungsgrund? Was die Gerichte sagen.
Sicherlich kennen auch Sie die Redewendung "sich über jeden Pups" aufregen. Damit sind in der Regel die sogenannten "Kleinigkeiten des Lebens" gemeint. Nicht so bei einem Mietrechtsstreit, der sich in Neuruppin abspielte! Das Haus war angeblich durch Umbauten so hellhörig geworden, dass eine Mieterin die Miete minderte. Ob sie damit erfolgreich war, erfahren Sie hier.
Was würden Sie denken, wenn Sie in einem Hotel duschen wollen und die Badfuge ist schwarz? Da kann es rundum noch so sauber sein: Der erste Eindruck ist schlecht! So geht es auch Ihrem Mieter, wenn in seinem Bad die Fugen schwarz werden. Ein Grund zur Mietminderung? Schließlich könnte ja der Mieter selbst daran schuld sein...

 meineimmobilie.de-Tipp

Daran, dass Mieter ihr Wohnverhalten an die räumlichen Gegebenheiten anpassen müssen, gibt es nichts zu rütteln. Dass dies aber so weit führt, dass der Mieter nur sitzend in der Badewanne duschen darf, da alles andere eine vertragswidrige Nutzung sei, ist allerdings schon etwas verblüffend.

 

Auf der anderen Seite hat der Mieter jedoch keinen Anspruch gegenüber dem Vermieter, dass er das Bad bis nach oben fliest, damit er stehend duschen kann. Das wäre allerdings für beide Seiten eine dauerhafte Lösung, der latenten Schimmelgefahr dauerhaft vorzubeugen. Schon allein deswegen, weil ein anderes Gericht das Duschen im Stehen als vertragsgemäße Nutzung einstufen könnte.