Dienstag, 01.12.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Tom-Hanisch - Fotolia.com

Seit 26.11.2015: Strengere Trinkwasservorschriften in Kraft

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Worum geht´s

Trinkwasserverordnung wurde zum 26.11.2015 verschärft.

Das Trinkwasser soll sauberer werden. Nach der Legionellenprüfung kommt jetzt die „Strahlenprüfung“ – und das bereits seit dem 26.11.2015. 

Dabei geht es um schärfere Kontrollen und geringere Belastungen des Trinkwassers mit Radionukliden. Das hört sich zuerst einmal schlimmer an als es ist, denn in Deutschland ist die Strahlenbelastung des Trinkwassers sehr gering – allerdings auch nicht ganz strahlenfrei!

Trinkwasserverordnung wurde zum 26.11.2015 verschärft

Der Schutz des Trinkwassers in Deutschland wird weiter erhöht: Künftig wird das Trinkwasser umfassend auf Gehalte an radioaktiven Stoffen untersucht und überwacht. Einer entsprechenden Verordnung hat der Bundesrat am 6.11.2015 zugestimmt. Sie wurde am 25.11.2015 im Bundesgesetzblatt Nr. 46 veröffentlicht und ist einen Tag nach Verkündigung – also zum 26.11.2015 – in Kraft getreten.  

Die Verordnung wurde vom Bundesgesundheitsministerium im Einvernehmen mit dem Bundesumweltministerium erlassen. Mit der Verordnung werden europäische Vorgaben fristgerecht umgesetzt.

Neue Trinkwasservorschriften sollen radioaktive Belastungen aufdecken

Mit der 3. Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung vom 18.11.2015 soll sichergestellt werden, dass Belastungen mit Radionukliden, die im Einzelfall im Trinkwasser auftreten können, erkannt und beseitigt werden können.

In einem neuen § 14a Trinkwasserverordnung sind die Untersuchungspflichten in Bezug auf radioaktive Stoffe geregelt.

Untersuchungspflicht besteht nur bei konkreten Anhaltspunkten

Danach sind Untersuchungen des Trinkwassers im Hinblick auf Radionuklide künstlichen Ursprungs in der Regel nicht erforderlich. Die Behörde kann jedoch Untersuchungen im Hinblick auf Radionuklide künstlichen Ursprungs anordnen, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die in Anlage 3a Teil I festgelegten Parameterwerte für radioaktive Stoffe überschritten wurden.  

Damit sollen die Belastungen mit Radionukliden erkannt und beseitigt werden. Dazu hat die Bundesregierung die sogenannten "Parameterwerte" für Tritium und Radon festgelegt und außerdem die "Richtdosis auch für die Radon-Folgeprodukte Blei-210 und Polonium-210 definiert.

Trinkwasser: Strahlenbelastung hängt vom Boden ab

In Deutschland ist die Strahlenbelastung des Trinkwassers durch radioaktive Stoffe in der Regel noch sehr niedrig. Dennoch kann Trinkwasser abhängig von der Geologie des Untergrunds, aus dem es gewonnen wird, einen erhöhten Gehalt an natürlichen radioaktiven Stoffen aufweisen.

Das belegt auch eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Das BfS hatte hierzu ein umfangreiches Untersuchungsprogramm durchgeführt, dessen Ergebnisse 2009 veröffentlicht wurden.

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Schwankungsbreite der Konzentration natürlicher Radionuklide im Trinkwasser sehr groß ist und deswegen ein Bedarf für rechtsverbindliche Vorsorgemaßnahmen besteht.

Kommentare (1)

2.12.2015, 17:13 Uhr von irekah@gmail.com Profil ansehen
Hier findet gerade wieder eine Kostenabwälzung Staat auf Bürger statt. Im Klartext, die Behörde stellt fest, daß das Trinkwasser, bereitgestellt durch die regionalen Wasserversorger, eine zu hohe radioaktive Belastung haben könnte. Allein bei diesem Verdacht untersucht die Trinkwasserbehörde, die für dieses Trinkwasser bis zur Übergabestelle Hausanschluß/ Wasseruhr verantwortlich ist, ob und warum das von ihr zugeleitetes Trinkwasser plötzlich und unerwartet radioaktiv belastet ist. Mir ist unerklärlich, wo bitte an der Übergabestelle Hausanschluß so viel radioaktives Material vorhanden sein soll, daß hier eine Verunreinigung auftreten könnte. Was mir aber dabei durchaus erklärlich ist, ist die Tatsache, daß damit sämtliche Kosten einer fortdauernden, kostenintensiven Untersuchung des Trinkwassers auf alle Vermieter/ Mieter umgelegt werden. M.E. eine riesige Sauerei dieser „bürgerfreundlichen“ Regierung, die es immer wieder schafft, dem Bürger das Geld aus der Tasche zu ziehen, für Leistungen, die er bereits durch seine Steuerzahlung beglichen hat. Knut Kahnt
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Am 1.12.2013 läuft die "Galgenfrist" für Bleileitungen ab. Da endet die zehnjährige Übergangsfrist für den Austausch bleihaltiger Rohre. Und noch eine wichtige Frist läuft am 31.12.2013 ab: Ihre Prüffrist fürs Trinkwasser!   
Ab dem 1.12.2013 gelten für den zulässigen Bleigehalt in Wasserleitungen strengere Vorgaben. Eigentümer sollten deswegen bleihaltige Trinkwasserleitungen möglichst schnell austauschen.
Morgens schnell unter die warme Dusche springen: Das klingt eigentlich selbstverständlich und kaum jemand wird sich Gedanken darüber machen, dass er dabei wegen Legionellen im Trinkwasser krank werden könnte. Schlimmstenfalls kann so ein Duschgang sogar tödlich enden!  Damit genau das nicht passiert, gibt  es die Trinkwasserverordnung und ihre Prüfpflichten. Und wenn dennoch Legionellen im Trinkwasser den Mieter krank machen? Diese Frage musste jetzt der Bundesgerichtshof klären.
Bis zum 31. Dezember dieses Jahres müssen Vermieter erstmals die Warmwasserbereitungsanlagen auf Legionellen untersuchen. Die Prüfpflicht gilt für fast alle Mehrfamilienhäuser, ausgenommen Mehrfamilienhäuser mit einer dezentralen Warmwasserbereitung sowie Ein- und Zweifamilienhäuser.

 meineimmobilie.de-Tipp

Seit dem 26.11.2015 gelten schärfere Vorschriften beim Trinkwasser. Allerdings: Sie müssen nicht von sich aus Ihr Trinkwasser auf Radioaktivität prüfen lassen, sondern nur dann, wenn es konkrete Anhaltspunkte für eine Belastung gibt und die Behörde dies anordnet.