Donnerstag, 13.08.2009 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © tinadefortunata - Fotolia.com

Schnell rein: Mit dieser Notfallschlüssel-Vereinbarung

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Worum geht´s

Wie Sie sich vom Mieter auf korrekten Weg einen Notfallschlüssel sichern.

Es ist der pure Alptraum eines jeden Vermieters: Während des Urlaubs Ihres Mieters platzt ein Wasserrohr. Das Wasser läuft in einem dünnen Rinnsal unter der Wohnungstür Ihres Mieters heraus. Ihr darunter wohnender Mieter hat sich bereits über den hässlichen nassen Fleck an der Decke beschwert. Sie müssen unbedingt in die Wohnung - und zwar sofort! Nur leider ist Ihr Mieter nicht erreichbar und Sie haben keinen Schlüssel zur Wohnung. Wie sich solche misslichen Notfall-Situationen vermeiden lassen? Meineimmobilie.de weiß Rat.

Ein Notfallschlüssel für die Wohnungstür Ihres Mieters ist im Ernstfall eine feine Sache. Aber steht Ihnen der überhaupt zu? Rechtlich ist es so: Trotz längerer Abwesenheit muss der Mieter für eine ausreichende Kontrolle der Wohnung sorgen.

Wahlweise kann er auch einem Dritten - in der Regel einer Vertrauensperson - den Zugang zur Wohnung gestatten.

Dann muss er allerdings seinem Vermieter Bescheid geben und ihm den Namen seiner Vertrauensperson nennen, die ihm während seiner Abwesenheit den Zutritt zur Wohnung verschaffen kann.

Das gilt übrigens auch, wenn Ihr Mieter vor Ablauf der Kündigungsfrist bereits ausgezogen ist und Sie mit einem Mietinteressenten in die Wohnung wollen.

Behalten Sie bitte nie ungefragt einen Schlüssel zurück

Haben auch Sie einen Notfallschlüssel für Ihre vermietete Wohnung? Weiß Ihr Mieter davon? Besser, er weiß nichts davon, denn eigentlich müssen Sie Ihrem Mieter alle Schlüssel zur Wohnung bei Mietvertragsabschluss übergeben.

Es gibt zwar kein Gesetz bzw. keine Vorschrift, die dies ausdrücklich bestimmt. Rechtlich ist es aber so, dass Sie keinen Schlüssel zurückbehalten dürfen.

Der Grund: Mit der Vermietung Ihrer Wohnung räumen Sie Ihrem Mieter das alleinige Besitzrecht an den Räumen ein.

Zum Besitzrecht nach § 854 BGB gehört, dass Sie dem Besitzberechtigten die tatsächliche, alleinige Gewalt über die Mietsache einräumen. Dies geschieht bei Wohnungen durch die Übergabe aller dazugehörenden Schlüssel.

Wer nur Mit- statt Alleinbesitz einräumt, tut zu wenig

Dies deshalb, weil Sie das Besitzrecht an einer Immobilie nicht einfach dadurch übertragen können, dass Sie die Wohnung einem anderen "in die Hand drücken".

Dies geht nur bei kleineren beweglichen Gegenständen wie z. B. bei der Vermietung eines Teppichreinigungsgeräts oder einer Bohrmaschine.

Wenn Sie einen Schlüssel für die Wohnung zurückbehalten, räumen Sie dem Mieter nur Mitbesitz ein - und das ist zu wenig, um Ihren Mietvertrag zu erfüllen!

Fragen Sie den Mieter, wer einen Schlüssel für Notfälle besitzt

Was also tun, wenn ein Rohr platzt, während Ihr Mieter gerade im Urlaub ist? Für solche "Notfälle" können Sie von Ihrem Mieter verlangen, dass er Ihnen eine Person seines Vertrauens nennt, bei der er einen Wohnungsschlüssel hinterlegt hat.

Am besten klären Sie das mit Ihrem Mieter, bevor er in Urlaub fährt! Besser ist es natürlich, wenn Sie selbst einen Notschlüssel haben - und das berechtigterweise.

Haben Sie das nicht bereits im Mietvertrag geregelt, können Sie es nachträglich mit dieser Vereinbarung erreichen:

  1. Der Mieter überlässt dem Vermieter einen Zweitschlüssel für die Mietwohnung. Dieser "Notfallschlüssel" ist vom Vermieter sorgsam zu verwahren.
    Der Vermieter darf von diesem Schlüssel nur in Notfällen und nur bei Abwesenheit bzw. Unerreichbarkeit des Mieters Gebrauch machen.
    Dies gilt insbesondere bei Feuer- oder Wassereintrittsverdacht oder ähnlichen für Leib, Leben oder Eigentum beeinträchtigenden Situationen, die das sofortige Einschreiten des Vermieters oder seiner Hilfspersonen erforderlich machen.
     
  2. Hinsichtlich der Verwahrung treffen die Vertragsparteien folgende Vereinbarung: Der Vermieter verwahrt den "Notfallschlüssel" in einem verschlossenen Briefumschlag auf.
    Dieser wird vom Mieter über der Verschlusslasche quer unterschrieben, sodass ein unbeschädigtes Öffnen des Umschlags ausgeschlossen ist.
     
  3. Der Mieter ist berechtigt, sich in regelmäßigen Abständen - insbesondere bei einem Verdacht des unberechtigten Betretens seiner Wohnung durch den Vermieter - von der Unversehrtheit des Umschlags zu überzeugen.
     
  4. Der Mieter kann seine Einwilligung zur Überlassung eines solchen "Notfallschlüssels" beim Vorliegen eines wichtigen Grunds widerrufen.
    Ein solcher Grund ist beispielsweise gegeben, wenn der Vermieter von seinem Zweitschlüssel vereinbarungswidrig Gebrauch macht.

 

 

Kommentare (1)

30.6.2011, 9:05 Uhr von Peter Matulla Profil ansehen
sehr guter Hinweis mit dem Ersatzschlüssel für Norfälle in einem verschlossenen Umschlag mit Unterschrift des Mieters quer über dem Kuvert dem Vermieter zu übergeben.
Was tun, wenn der Mieter seinen Schlüssel nicht mehr findet? Jetzt sind Sie als Vermieter an der Reihe: Sie müssen sich überlegen, ob Sie jetzt alle Schlösser wegen der erhöhten Diebstahlgefahr austauschen wollen. Ob Sie diese Kosten Ihrem Mieter „aufbrummen“ können, hängt – wie so oft – davon ab, was in Ihrem Mietvertrag steht.

 meineimmobilie.de-Tipp

Bewährt hat sich hier nachfolgende Vorgehensweise: Ihr Mieter übergibt Ihnen wie vereinbart den Notschlüssel.

 

Den stecken Sie vor seinen Augen in einen Umschlag und kleben ihn zu. Bitten Sie Ihren Mieter dann, quer über die Öffnungslasche zu unterschreiben.

 

So kommen Sie an einen Notschlüssel, und Ihr Mieter hat die Gewissheit, dass Sie den Umschlag nicht unbemerkt öffnen können.

 

Hat Ihr Mieter irgendwann das Gefühl, dass Sie ohne sein Wissen in seiner Wohnung waren, können Sie ihm jederzeit den verschlossenen Umschlag als Entlastungsbeweis präsentieren.