Mittwoch, 27.04.2011 | Autor: Heidi Schnurr

Rollladen-Geräusche: 25 000 EUR Strafe für ein aufgewecktes Kind?

Wann lassen Sie Ihre Fensterrollläden runter? Sehr wahrscheinlich auch abends zwischen 22.30 Uhr und 23.30 Uhr. Denken Sie dabei an Ihre schlafenden Mitmenschen, die das Geräusch stören könnte?

Eine Mieterin aus Düsseldorf jedenfalls nicht. Sie ließ jeden Abend zwischen 22.30 und 23.30 Uhr ihre elektrischen Aluminium-Rollläden runter. Das riss angeblich jedes Mal das Kind der über ihr wohnenden Eigentümer einer Eigentumswohnung aus dem Schlaf.

Teurer Schlaf: Mieterin sollte jedes Mal 25.000 EUR Geldbuße zahlen

Deswegen wollten sie die Mieterin darauf verklagen, es zu unterlassen, in der Zeit zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr die Rollläden runter zu lassen.

Sie drohten der Mieterin sogar an, jedes Mal, wenn sie dennoch innerhalb dieser Zeitspanne die Rollläden runter ließe, ein Ordnungsgeld von bis zu 25.000 EUR zahlen zu müssen.

So viel für ein aufgewecktes Kind? Natürlich nicht, denn das Gericht bestätigte der Mieterin: Das Betätigen von Rollläden gehört zum normalen Gebrauch einer Wohnung (AG Düsseldorf, Urteil v. 29.11.2010, 55 C 7723/10, WM 2011, S. 173).

Das gehört zum normalen, sozialadäquaten Verhalten

Es handelt sich beim Herunterlassen eines Rollladens um ein völlig normales, sozial adäquates Verhalten. Schließlich sei es üblich, die Rollläden gerade zur Nachtzeit zu benutzen: In abgedunkelten Räumen schläft es sich meist angenehmer.

Deswegen durften die Eigentümer von oben der Mieterin nicht vorschreiben, wann sie ihre Rollläden runter lässt.

Noch dazu, weil Mitbewohner dadurch nur kurz und noch dazu vom Lärmpegel her nur sehr gering gestört werden.

Trotz schlafendem Kind: Der Rollladen darf runter

Misslich, aber kein Grund, andere in ihrer üblichen Lebensführung einzuschränken. Das gilt selbst dann, wenn das Haus hellhörig ist und es sich um Aluminium-Rollläden handelt. Dennoch steht dem Eigentümer kein Unterlassungsanspruch nach § 1004 BGB zu.

Wenn wegen des Rollladengeräuschs das Kind der Eigentümer aufwacht und nicht so leicht wieder in den Schlaf findet, ist das zwar misslich, es ist aber kein Grund, die Mitbewohner im Haus in ihrer normalen, allgemein üblichen Lebensführung einzuschränken.

meineimmobilie.de empfiehlt:

Ihr Wohnungsmieter hat einen Anspruch darauf, dass Sie technisch vermeidbare, schallschutzwidrige Lärmbelästigungen verhindern.

Ganz gleich, ob es sich z. B. um ein quietschendes Garagentor oder eine laut ins Schloss fallende Haustür handelt. Das Vermeiden von unzulässigem Lärm gehört zu Ihrer Instandhaltungspflicht als Vermieter.

Nach der DIN 4109 dürfen Anlagen in Wohn- und Schlafräumen nur einen Lärmpegel von 30 dB(A) verursachen. Für Anlagen, die nicht den ganzen Tag über bedient werden, gilt zugunsten des Vermieters sogar die Ausnahmeregelung bis 40 dB(A).

Kommentare (1)

26.8.2011, 17:41 Uhr von heimwerker_mike Profil ansehen
Wir hatten das gleiche Porblem und haben unsere Rollläden so umgebaut, dass sie deutlich leider laufen. Hier haben wir dafür eine sehr hilfreiche Anleitung gefunden: http://www.rolladen-experte.de/rolladen-reparieren/rolladen-ersatzteile Kann ich wirklich nur empfehlen. Gruß Mike