Freitag, 18.03.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Sabine Schönfeld - Fotolia.com

Osterkranz an Wohnungstür: Darf der Mieter das?

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Worum geht´s

Türkranz und andere jahreszeitliche Deko an der Wohnungstür: Was der Mieter darf und was nicht.

Beim Thema „Deko“ gehen die Geschmäcker ja bekanntlich auseinander. Was der eine als „schön“ empfindet, beurteilt der andere vielleicht als entsetzlich geschmacklos. 

Und Sie? Sie wollen einfach nicht, dass es in Ihrem Treppenhaus aussieht, wie in einem Puppenhaus. Deswegen sollen alle Türkränze und Willkommensschilder weg – und zwar sofort!  

Wie tolerant Sie bei Türkränzen sein müssen

Ein grüner Buchskranz an der Wohnungstür Ihres Mieters lässt es schon erahnen: Bald ist Ostern!

Das ist zwar richtig, allerdings wollen Sie nicht, dass jeder Mieter einfach an die Tür hängt, was er will. Sie wollen ein einheitliches Treppenhaus ohne Firlefanz. Deswegen soll der Buchskranz weg. Und das „Herzlich-willkommen!“-Schild des Mieters von nebenan gleich mit.

Bei einer jahreszeitlichen Dekoration an der Wohnungseingangstür, wie beispielsweise einem Oster- oder Weihnachtskranz, ist es so: Solange Ihr Mieter beim Aufhängen nicht die Tür beschädigt, ist das erlaubt. Gerade, weil es sich nur um eine zeitlich befristete Dekoration handelt.

Gerade in der Oster- und Weihnachtszeit gehöre eine Deko an der Wohnungseingangstür traditionell mit dazu.

Türdekorationen: Nicht nur an Ostern und Weihnachten erlaubt

Ein Vermieter aus Hamburg störte sich am Herzlich-willkommen-Schild seiner dekorationsfreudigen Mieterin. Das hatte sie für Ihre Besucher außen an ihre Wohnungseingangstür gehängt.

Der Vermieter fürchtete einen sogenannten Nachahmeffekt, weswegen das Schild wieder weg sollte. Doch die bloße Angst genügte dem Gericht nicht, damit die Mieterin ihr Willkommensschild an der Wohnungseingangstür wieder entfernen musste (LG Hamburg, Urteil v. 7.5.2015, 333 S 11/15).

Das Gericht bewertete das Interesse der Mieterin an der Dekoration höher als die Furcht des Vermieters vor möglichen Beschwerden der anderen Mieter. Außerdem gehöre eine Türdekoration noch zum vertragsgemäßen Gebrauch des Treppenhauses.

Auch mit dem Argument, die Deko erhöhe die Brandgefahr, kam die Vermieterin nicht durch.

Ein Willkommensschild ist so üblich wie eine Fußmatte vor der Tür

Zwar schlug sich das Amtsgericht Hamburg-Wandsbek noch auf die Seite des Vermieters: Der hätte schließlich ein Interesse an einer einheitlichen Gestaltung des Treppenhauses. Gegen dieses Urteil legte die Mieterin jedoch Berufung ein – mit Erfolg!

Das Anbringen eines Willkommensschildes an der Wohnungseingangstür als reine Deko zähle noch zum vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache. Das sei noch eine übliche Nutzung des Treppenhauses, genauso wie das Auslegen einer Fußmatte vor der Wohnungseingangstür.

Ein neutral gestaltetes, unauffälliges Willkommensschild schränkt nicht die eigentliche Funktion des Treppenhauses ein: Es kann trotz Deko weiterhin uneingeschränkt genutzt werden.

Deswegen durfte das Willkommensschild bleiben. 

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Foto: Michaela Harderer
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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Jahreszeitliche Dekorationen an Fenstern oder auch an der Wohnungseingangstür müssen Sie hinnehmen – zumindest wenn sie nur vorübergehender Natur sind.