Dienstag, 06.09.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Müder Mieter: Müssen Ihre Handwerker deswegen leise sein?

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Worum geht´s

Hör mal, wer da hämmert: Wenn dem Mieter die Handwerker zu laut sind. 

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Jeder Mensch muss schlafen: Der eine mehr, der andere braucht weniger Schlaf. Doch nicht alle können sich nachts aufs Ohr legen, sondern erst am Tag. Ausgerechnet dann, wenn Sie mit Ihren Handwerkern loslegen wollen.

 

Müssen Sie auf solche Nachtarbeiter beim Modernisieren Rücksicht nehmen? 

Wegen müden Mieters: Wann Ihre Handwerker ruhig sein müssen

Ihr Mieter schiebt Nachtschichten. Deswegen muss er tagsüber schlafen. Ausgerechnet dann, wenn Ihre Handwerker arbeiten wollen.

Müssen alle Handwerker wegen eines müden Mieters den Hammer fallen lassen? Nicht ganz: Ihre Handwerker dürfen allerdings nur zu bestimmten Zeiten hämmern und sägen, damit der Mieter nicht in seinem Schlaf gestört wird.

Ein Bremer Mieter hat dieses Urteil gegen seinen Vermieter erstritten (AG Bremen, Urteil vom 23.6.2016, 6 C 186/16). Der Mieter arbeitete Nachtschicht und war auf einen ungestörten Schlaf am Tag angewiesen. Deswegen bat er seinen Vermieter, ab 13 Uhr lärmintensive Modernisierungsarbeiten zu unterlassen.

Mieter mit Nachtschicht: Wie viel Lärm Sie machen dürfen

Muss der Vermieter den Hammer deswegen zeitweise ruhen lassen? Ja, entschied das Gericht zugunsten des müden Mieters: Der Unterlassungsanspruch folgt aus § 862 Abs. 1 BGB, weil Lärmbeeinträchtigung eine Besitzstörung des Mieters darstellt (AG Bremen, Urteil vom 23.6.2016, 6 C 186/16).

Der Vermieter hatte seine Modernisierung zwar ordnungsgemäß angekündigt. Doch kaum hatten seine Handwerker angefangen, die Fassade, das Dach und den Keller zu dämmen, Fenster- und Dachabdichtungen zu erneuern und die Balkone zu sanieren, bekam er Post vom Mieter.

Der Mieter bat ihn, in der Zeit ab 13 Uhr auf lärmintensive Arbeiten zu verzichten, weil er wegen seiner Nachtschicht am Tag schlafen müsse. Als die Handwerker trotzdem von 7 bis 18 Uhr arbeiteten, beantragte der Mieter eine einstweilige Verfügung – und bekam sie auch.

Gericht entschied: Schlafen ist wichtiger als hämmern

Die Modernisierungsarbeiten sorgten aufgrund ihrer täglichen Dauer, der Intensität und der voraussichtlichen Dauer für eine wesentliche Lärmbeeinträchtigung im Sinne des § 906 Abs. 1 BGB.

Der Mieter, der wegen seiner Nachtarbeit auf einen ungestörten Schlaf am Tag angewiesen war, hatte deswegen einen zeitweisen Unterlassungsanspruch. Und das, obwohl der Mieter die Modernisierungsmaßnahmen nach § 555 d BGB dulden musste.

Das Gericht gewichtete jedenfalls den Anspruch des Mieters auf Schutz seines Besitzes jedenfalls höher, weswegen die Handwerker nun nur noch bis 13 Uhr lärmintensive Arbeiten ausführen dürfen.  

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Ist es dem Mieter zu laut, sollten Sie sich nicht mit einer pauschalen Beschwerde zufrieden geben. Das gilt besonders, wenn sich Ihr Mieter über Mitmieter beschwert.

 

Bitten Sie den Mieter darum, Ihnen zu beschreiben, wann welche Art von Geräuschen aufgetreten sind und wie lange sie anhielten.

 

Der Mieter muss zwar kein minutiöses Lärm-Protokoll vorlegen, aber Ihnen doch konkret die Art und Weise seiner Beeinträchtigung mitteilen.