Donnerstag, 17.04.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © jogys - Fotolia.com

Mietpreisbremse: Verlieren auch Sie langsam die Lust am Vermieten?

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Worum geht´s

Umfrage zur Mietpreisbremse: Was die neue Mietpreisbremse für Vermieter bedeutet.

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Dass die Mietpreisbremse kommt, ist so gut wie sicher. Ab 2015 wird es vermutlich so weit sein. Mit ein Grund, weshalb immer mehr Vermieter so langsam die Lust zum Vermieten verlieren. So jedenfalls geht es aus einer Umfrage von ImmobilienScout 24 hervor, die gerade erschienen ist.

Dabei ging es um die Frage, wie Vermieter künftig auf die Mietpreisbremse reagieren wollen.

Mietpreisbremse: Wer künftig weniger Mieteinnahmen hat

Von der vieldiskutierten Mietpreisbremse, die derzeit durch alle Medien geistert, haben Sie sicherlich auch schon gehört. Worüber sich die Vermieterseite so furchtbar aufregt, ist Folgendes: Künftig dürfen Sie von einem neuen Mieter bei einer Wiedervermietung Ihrer Wohnung nur noch maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen.

Die Mietpreisbremse gilt nicht, wenn Sie eine neu erstellte erstmalig oder eine energetisch sanierte Wohnung erneut vermieten.

Über das neue Gesetz zur Mietpreisbremse müssen sich jedoch allenfalls Vermieter ärgern, die in einem „wohnungsknappen Gebiet“ eine Wohnung vermieten.

Umfrage ergibt: 8 % wollen wegen Mietpreisbremse nicht mehr vermieten

Wie mehr oder weniger kreativ Vermieter auf die neue Mietpreisbremse reagieren, zeigt eine gerade unter 323 Vermietern im Auftrag von ImmobilienScout 24 durchgeführte Umfrage.

Die Hälfte aller Vermieter (rund 53 %) wollen die Verluste wegen der Mietpreisbremse dadurch ausgleichen, dass sie dann eben während des Mietverhältnisses die gesetzlichen Mieterhöhungsmöglichkeiten (Vergleichsmieten-, Modernisierungs- oder Betriebskostenerhöhung) ausschöpfen.

Jeder Zweite schielt jetzt mehr denn je aufs Einkommen

Fast 48 % der Befragten wollen Mietverlusten dadurch aus dem Weg gehen, dass Sie jetzt nur noch an zahlungskräftige Mieter vermieten. Gerade für finanzschwache Mieter wird sich dadurch die Wohnungssuche verlängern, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gerade in einem aktuellen Gutachten festgestellt hat.

Wegen Mietpreisbremse: Index- und Staffelmiete beliebter denn je

36,5 % der Vermieter wollen bereits bei Mietvertragsabschluss für künftig regelmäßigere Mieteinnahmen ohne großen Aufwand sorgen und vereinbaren deswegen eine Staffel- bzw. Indexmiete. Damit steigt die Miete in den Folgejahren fast automatisch.  

8 % verkaufen lieber statt weiter zu vermieten

Wirklich interessant ist diese Zahl: 8 % der befragten Vermieter wollen wegen der Mietpreisbremse künftig nicht mehr vermieten und gegebenenfalls sogar verkaufen.

Lediglich 10 % der Vermieter gaben in der Umfrage an, Mindereinnahmen durch die Mietpreisbremse (mehr oder weniger zähneknirschend) in Kauf zu nehmen.

Haus und Grund: Mietpreisbremse stiftet mehr Schaden als Nutzen

Eigentlich wollte Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) mit seinem Gesetzesvorstoß zur Mietpreisbremse „Abzocker“ ausbremsen und den Trend rasant steigender Mieten vor allem in Großstädten stoppen.

Ob das mit dem neuen Gesetz zur Mietpreisbremse gelingen wird, bezweifelt nicht nur Haus und Grund, sondern mittlerweile auch 4 führende Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands. Ebenso das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Sie kommen in ihrem aktuellen Gutachten zu dem Ergebnis, dass die von der Großen Koalition geplante Mietpreisbremse dem Wohnungsmarkt mehr schadet als nutzt.

Mieter mit sicherem Einkommen sind am beliebtesten

Nett, aber arm? Solche Mieter werden es künftig schwer haben, eine Wohnung zu bekommen. Denn befragt, für welchen Mieter sich die Vermieter künftig entscheiden würden, wenn sie die Wahl zwischen mehreren Interessenten hätten, entschieden sich fast 67 % für den Mieter mit dem sicheren Einkommen.

Den Erstbesten würden dagegen nur 4,6 % nehmen. Mit purer Sympathie können dagegen immer noch 21,1 % der Mieter zu einer Wohnung kommen.

Hauptsächlich DINK-Haushalte profitieren von der Mietpreisbremse

Im Ergebnis heißt das: Künftig entscheidet ein sicheres Einkommen mehr denn je bei der Wohnungssuche. Von dieser Tatsache profitieren hauptsächlich DINK-Haushalte (= "double income, no kids" - "doppeltes Einkommen, keine Kinder") von der Mietpreisbremse.

Haushalte mit mittlerem oder geringem Einkommen kämen dagegen – jedenfalls wenn sich im sozialen Wohnungsbau nicht bald was tut – nicht mehr zum Zug.

Rentner und Paare ohne Kinder sind beliebte Mieter

Am beliebtesten sind bei Vermietern nämlich Paare ohne Kinder (40 %). Danach kommen Singles (29,7 %) und Rentner (29,4 %).

Nur 16,4 % der befragten Vermieter würden sich für eine Familie mit Kindern entscheiden. Am schwersten haben es in der Gunst der Vermieter Alleinerziehende (4,3 %) und WGs (3,4 %).

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Vollgas statt ausgebremst: Die Mietpreisbremse gilt seit dem 1.6.2015 für einige Vermieter bei einer Neu- bzw. Wiedervermietung ihrer Wohnung. Schuld daran ist das Mietrechtsnovellierungsgesetz. Welche Vermieter die Mietpreisbremse trifft (nicht alle!), wie viel Miete Sie künftig vom neuen Mieter verlangen können und wie Sie die richtige Miethöhe berechnen können, finden Sie hier.
„Zu viel verlangt!“ ist angeblich das, was Vermieter bei einer Neuvermietung von ihren neuen Mietern verlangen. Deswegen soll der Anstieg der neuen Mieten in wohnungsknappen Regionen jetzt gebremst werden: Per Gesetz! Einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Einführung der Mietpreisbremse hat der SPD-Justizminister Maas jetzt vorgelegt. Allerdings will die Union den so nicht billigen.  

 meineimmobilie.de-Tipp

Vorsicht: Die Mietpreisbremse gilt noch nicht, sondern soll erst 2015 eingeführt werden. Dazu bedarf es also erst noch eines Gesetzes und einer entsprechenden Rechtsverordnung des jeweiligen Bundeslandes. Die kann nur für ein Gebiet erlassen werden, in dem Wohnraum knapp ist. Es kann also noch dauern!

 

Zudem trifft es nicht alle Vermieter. So sind Vermieter mit neu errichteten Wohnungen, die erstmalig vermieten, von der Mietpreisbremse ausgenommen. 

 

Und selbst für "Wiedervermieter" gilt: Sie dürfen immer mindestens den Preis verlangen, den die Vormieter gezahlt haben, auch wenn der mehr als 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete lag.