Dienstag, 08.02.2011 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Dan Race - Fotolia.com

Mietnomaden-Studie: Warum Privatvermieter so leichte Opfer sind

Foto: © Dan Race - Fotolia.com

Geht es nach dem Gesetzgeber, sollen Opfer von Mietnomaden besser geschützt werden. Doch bevor dieser fromme Wunsch in Gesetzesbuchstaben gegossen wird, hat die Bundesregierung eine Studie bei der Uni Bielefeld in Auftrag gegeben.

 

Das Ziel: Herauszufinden wie groß überhaupt der Bedarf an einem "Mietnomaden-Schutzgesetz" bei Vermietern ist. Das etwas verwunderliche Ergebnis hier.

Bevor sich die Wissenschaftler an die Arbeit machten, klärten sie zuerst die wichtigste Frage: Was ist überhaupt ein Mietnomade?

Schnell einigten sie sich auf Personen, die in betrügerischer Absicht Mietverhältnisse eingehen, keine Miete zahlen und die Wohnung schlimmstenfalls verwahrlost zurücklassen oder sich herausklagen lassen.

Oder einfacher ausgedrückt: Mietzahlungsdrücker, die nichts anderes wollen also Sie zu betrügen!

Der "frühe Vogel" ist oft am Riskantesten!

Interessant: Welches "Mietnomaden-Potenzial" in Ihrem Mieter schlummert, zeigt sich laut Studie meist schon in den ersten Wochen: Je früher Ihr Mieter seine Miete nicht mehr zahlt, umso eher können Sie davon ausgehen, dass Sie einem Betrüger auf den Leim gegangen sind!

Weniger als Sie glauben: Wie viele Vermieter befragt wurden

Schätzen Sie mal, wie viele Vermieter bei der Studie befragt wurden: 100.000? 50.000? 10.000?

Weit gefehlt! Die Untersuchung richtete sich insgesamt an 1.549 Vermieter. Nur so viele Mietnomaden-Opfer hatten sich nach einem Aufruf bei der Forschungsstelle für Immobilienrecht gemeldet.

Davon kämpften sich jedoch nur 973 Vermieter bis zur letzten Forschungsfrage durch - immerhin umfasste der Fragenkatalog bis zum bitteren Ende 76 Fragen!

Die meisten Vermieter wurden übrigens online befragt, nur wenige telefonisch. Da jedoch jeder Vermieter auch mehrere Fälle angeben durfte, werteten die Wissenschaftler unterm Strich stolze 1.347 Mietnomadenfälle aus.

25 % der Betroffenen sagen: "Ich vermiete nie wieder!"

Vielleicht haben Sie auch schon von den horrenden Schadenssummen gehört, die Mietnomaden angeblich hinterlassen. Die Wissenschaftler kamen allerdings zu anderen Ergebnissen!

45 % der betroffenen Vermieter bezifferten ihren Schaden mit unter 5.000 EUR. Immerhin 30 % gaben an, einen Schaden von bis zu 10.000 EUR erlitten zu haben.

Das hört sich eigentlich nicht so viel an, dennoch gaben 25 % der Befragten an: "Ich vermiete nie wieder!"

Trau' schau wem: Informieren Sie sich über Ihren Mieter

Wer letzten Endes Opfer eines Mietnomaden wird, entscheidet sich schon vor Vertragsschluss.

Denn hier förderte die Studie Erschreckendes zutage: Während professionelle Vermieter zu 100 % angaben, Informationen über ihren künftigen Mieter einzuholen, bevor sie den Mietvertrag unterschreiben, fühlten nur ein Drittel der Privatvermieter ihrem Mieter in spe auf den Zahn.

Private Vermieter sind leichte Mietnomaden-Opfer

Kein Wunder also, dass private Vermieter im Vergleich zu professionellen Vermietern deutlich stärker von "Mietnomaden" betroffen sind.

Ohnehin fällt bei professionellen Vermietern ein einzelner Mietnomade nicht so stark ins Gewicht, wie bei einem Vermieter, der nur 1 oder 2 Wohnungen besitzt!

 

 

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

 meineimmobilie.de-Tipp

Schöpfen Sie als privater Vermieter Ihre Möglichkeiten vor Mietvertragsabschluss aus!

 

Das fängt bei einer Mieterselbstauskunft an und hört bei einer SCHUFA-Eigenauskunft des Mieters auf.

 

Die Studie zeigt: Wer sich vorher besser über seinen künftigen Mieter informiert, verringert das Risiko Opfer eines Mietnomaden zu werden enorm.