Donnerstag, 27.11.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin , Foto: © Marek Gottschalk - Fotolia.com

Lebensgefährte zieht ein: Worauf Sie als Vermieter achten müssen

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Worum geht´s

- unerlaubte Untervermietung

- Eintrittsvereinbarung für neuen Mitbewohner

- Zuzug Lebensgefährte/Lebensgefährtin

"Nanu, wer ist denn das?" fragen Sie sich, als eine wildfremde Person die Haustür aufschließt und wie selbstverständlich die Treppe hoch zu Ihrer Mieterin hoch marschiert. Dort zückt er ebenfalls seinen Schlüssel und tritt ein.

Natürlich darf Ihr Mieter ein Privatleben haben - und das geht Sie als Vermieter auch gar nichts an. Nimmt er jedoch einen Lebensgefährten dauerhaft in die Wohnung mit auf, sieht die Sache schon etwas anders aus.

Wie ein schlichter Mitbewohner zum Mieter wird

Die Sache ist eigentlich ganz einfach: Zieht die Lebensgefährtin beim Mieter ein, wird er dadurch nicht automatisch Ihr neuer Mieter. Wenn Sie wollen, dass der neue Mitbewohner auch Mietzahler wird, müssen Sie ihn als Mieter in den Mietvertrag mit aufnehmen.

Rechtlich bekommen Sie das mit einer Eintrittsvereinbarung hin, der jedoch alle Beteiligten zustimmen müssen: Also Sie als Vermieter, der/die bisherige Mieter/in und der/die neue Mitbewohner/in. 

Zuzug Lebensgefährte: Das ist Ihr Vorteil als Vermieter

So ein Eintritt eines zusätzlichen Mieters in einen bestehenden Mietvertrag ist für Sie als Vermieter ganz vorteilhaft: Sie bekommen dadurch nämlich einen zusätzlichen Mietschuldner, an den Sie sich halten können, wenn es z. B. um die Miete oder die Betriebskostennachzahlung geht. 

Allerdings können Sie weder Ihren Mieter noch den neuen Mitbewohner zwingen, in den Mietvertrag einzutreten!

Einzug Lebensgefährte: Ihr Mieter muss Sie informieren

Nimmt Ihr Mieter einen nahen Angehörigen oder einen Lebenspartner in die Wohnung mit auf, zählt das noch nicht als unerlaubte Untermiete. Deswegen braucht Ihr Mieter auch nicht zuvor Ihre Zustimmung zum Einzug einholen.

Ihr Mieter darf nicht ganz stillschweigend einen Mitbewohner mit in die Wohnung aufnehmen. Ihr Mieter muss Ihnen vielmehr anzeigen, dass und wen er in seine Wohnung aufnehmen will. Tut er das nicht, können Sie ihn dazu auffordern.

Der Mieter darf nicht ungefragt jeden einziehen lassen

Lässt Ihr Mieter allerdings einen x-beliebigen Bekannten bei sich einziehen, braucht er dazu Ihre Zustimmung. Allerdings dürfen Sie zu dem Zuzug eines x-beliebigen Mieters nur "Nein" sagen, wenn Sie gegen den neuen Mitbewohner ernsthafte Bedenken haben.

Zum Beispiel, wenn er Sie schon einmal bedroht hat. Oder wenn die neue Bekannte Ihres Mieters nicht nur ihre Möbel, sondern auch noch ihre 3 Kinder aus erster Ehe mit in das 40-m²-Apartment mitbringt (Überbelegung!).

Musterbrief: Wie so eine Eintrittsvereinbarung aussehen könnte

Damit der/die Lebenspartner/in Ihre(s/r) Mieter(s)/in zusätzlich zu Ihrem Mieter wird, müssen Sie keinen neuen Mietvertrag abschließen. Es reicht vielmehr, wenn Sie einen Zusatz zum bestehenden Mietvertrag machen. Den müssen Sie jedoch an den bestehenden Mietvertrag heften: An Ihren UND an den Ihres Mieters! 

Oder Sie beziehen sich exakt auf den bestehenden Mietvertrag, indem Sie Namen der Vertragspartner, das Mietobjekt, das Vertragsabschlussdatum usw. nennen.

Ergänzung zum bestehenden Mietvertrag

zwischen dem bisherigen Mieter

Herrn/Frau ..................................................

(Vor- und Zuname)

und dem laut Mietvertrag vom ............... genannten Vermieter

Herrn/Frau ..................................................

(Vor- und Zuname)

wird mit Wirkung zum ............... folgende Vereinbarung geschlossen:

  1. Herr/Frau ..............., bisher wohnhaft in der ............... Str. Nr. ..... in .................... tritt zum .......... neben dem oben genannten Mieter in den bestehenden Mietvertrag über die Wohnung in der .................... Str. Nr. ..... in ............... ein.
  2. Der bestehende Mietvertrag vom .......... setzt sich ab diesem Zeitpunkt zwischen dem bisherigen Mieter und dem eintretenden Mieter auf der Mieterseite sowie Herrn/Frau ............... auf der Vermieterseite fort.
  3. Die Vertragsparteien vereinbaren, dass sich die Miete laut § ..... des Mietvertrags in Höhe von .......... Euro zuzüglich der monatlichen Vorauszahlungen auf die Betriebskosten in Höhe von .......... Euro wie folgt erhöht: Die monatliche Miete beträgt ab dem .......... .......... Euro. Die monatlichen Vorauszahlungen betragen ab dem .......... .......... Euro.
  4. Herr/Frau ............... tritt neben dem bisherigen Mieter in alle bestehenden Rechte und Pflichten laut Mietvertrag vom .......... ein. Durch diesen Vertrag ändern sich – abgesehen von den hier ausdrücklich getroffenen Abreden zur Miethöhe und den Vorauszahlungen – nur die Mietvertragsparteien. Im Übrigen gelten die bisherigen Vereinbarungen zwischen den Vertragsparteien fort.

.............................., den ...............

(Bisheriger Mieter)

(Beitretender Mieter)

(Vermieter)

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Was schätzen Sie, wieviele Ehen werden jedes Jahr geschieden? im Jahr 2013 waren es rund 169.800 Ehen. Die durchschnittliche Dauer beträgt 14 Jahre und 8 Monate. Deswegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich gerade Ihr Mieter scheiden lässt, gar nicht so hoch! Falls es Sie dennoch trifft: Das lässt sich alles regeln! Auch dann, wenn nicht beide raus wollen, sondern nur einer von beiden.
Bestimmt haben Sie diesen Spruch auch schon mal gehört: „Mit Besuch ist es so wie mit Fisch: Spätestens ab dem 3. Tag beginnt er einem zu stinken!“ Die Rede ist allerdings nicht von Ihren Gästen, sondern denen Ihres Mieters. Von der freundlichen jungen Dame, die Sie neuerdings öfters im Treppenhaus sehen und die Sie immer so nett grüßt: Besucherin, Untermieterin oder mittlerweile sogar schon Ihre Mieterin?

 meineimmobilie.de-Tipp

Haken Sie nach, wer der oder die Fremde ist

 

Teilt Ihnen Ihr Mieter nicht freiwillig mit, wen er da aufgenommen hat, können Sie ihn auffordern, Sie darüber zu informieren, um wen es sich dabei handelt.

 

Am besten, Sie setzen Ihrem Mieter dafür eine Frist von einer Woche.