Dienstag, 21.06.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © karam miri - Fotolia.com

Laminat statt Teppich: Wenn der Mieter es lieber kuschelig mag

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Worum geht´s

Teppich oder Laminat? Wer am Ende zwischen Mieter und Vermieter das letzte Wort hat. 

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Es ist schon manchmal merkwürdig: Da wollen Sie dem Mieter etwas Gutes tun und ihm einen pflegeleichten und schicken Laminatfußboden verlegen, doch der lehnt dankend ab und pocht auf kuscheligen Teppich. 

Moment einmal: Das ist doch Ihre Wohnung und Ihr Fußboden. Deswegen dürfen auch Sie entscheiden, was in die Wohnung kommt. Tja, denken Sie so – doch die Gerichte denken und urteilen oftmals anders als erhofft. 

Wenn der Mieter einen neuen Teppich will

Haben Sie dem Mieter eine Wohnung mit Teppichboden vermietet und ist der Teppichboden im Lauf der Zeit durch normale Abnutzung verschlissen, müssen Sie ihn auf eigene Kosten erneuern. Weil der Teppich Ihnen gehört, fällt das unter Ihre Instandhaltungspflicht als Vermieter.

Hat Ihr Mieter den Teppich allerdings selbst verlegt oder vom Vormieter ausdrücklich übernommen, ist es sein Teppich. Sieht der irgendwann verschlissen aus und will der Mieter einen neuen haben, muss er ihn sich selbst kaufen bzw. spätestens beim Auszug wieder rausreißen und mitnehmen.

Klären Sie zunächst, wem der Teppich gehört

Ein Stuttgarter Mieter wollte, dass ihm sein Vermieter nach einer Mietdauer von 17 Jahren einen neuen Teppichboden in seiner Wohnung verlegt.

Zu Recht, denn der bisherige Teppich war sichtbar stark abgenutzt und erneuerungsbedürftig! Darüber waren sich der Vermieter und sein Mieter einig. Allerdings nicht darüber, was nun in der Wohnung verlegt werden sollte.

Der Vermieter darf nur unwesentliche Veränderungen vornehmen

Der Mieter wollte lieber Teppich, der Vermieter dagegen Laminat. Deswegen trafen sich beide vor Gericht wieder. Das Ende vom Lied: Der Vermieter musste wieder einen Teppichboden in der Mieterwohnung verlegen (Stuttgart, Urteil vom 1.7.2015, 13 S 154/14).

Der Vermieter darf zwar im Rahmen seiner Erhaltungspflicht die Mietsache verändern. Allerdings nur unwesentlich und auch nur ohne Wertverlust.

Teppich statt Laminat: Das Wohlfühlinteresse des Mieters wiegt höher

Nun würde sich wahrscheinlich jeder Mieter freuen, wenn Sie ihm statt Teppich Laminat in die Wohnung legen würden. Nicht so der Stuttgarter Mieter: Der wollte lieber weiterhin einen Teppichboden in seiner Wohnung haben.

Laminat statt Teppich empfand er als wesentliche Abweichung vom bisherigen, gewollten Zustand. Der Mieter wollte auf das wohlige Wohngefühl eines Teppichbodens nicht verzichten. Muss er auch nicht: Das Gericht bewertete das Interesse des Mieters, an seinem Wohlgefühl festhalten zu wollen, höher als das Interesse des Vermieters an einem langlebigen und besser zu pflegenden Laminatboden.

Dabei kam es dem Gericht weniger auf die objektive Wertigkeit eines Teppichbodens gegenüber einem Laminatfußboden an, sondern es stellte vielmehr auf das subjektive Empfinden des Mieters ab, der einfach lieber einen Teppichboden in der Wohnung haben wollte. 

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Zugegeben: Wie er da so liegt, sieht er nicht mehr so gut aus! Alt, fleckig und muffig riechend. Die Rede ist vom Teppichboden und davon, dass Ihr Mieter einen neuen will - auf Ihre Kosten versteht sich.  Sie denken: "Wenn der Mieter einen neuen Teppichboden will oder sogar lieber Laminat statt Teppich, dann soll er sich einen kaufen!" Ihr Mieter sieht es anders: Ihre Wohnung, Ihr Boden! 
"Muss er oder muss er nicht?" Über diese Gretchenfrage beim Mieterauszug zog jetzt der Bundesgerichtshof einen blitzsauberen Schlussstrich. Dabei ging es um die Grundreinigung des Teppichbodens. Nur, wenn die noch zu den Schönheitsreparaturen zählt, können Sie auf einen sauberen Teppich pochen. So stehen Ihre Chancen.
Eine Wand einziehen, einen neuen Teppich verlegen oder Balkonkästen ans Geländer hängen: Willkommen beim Schöner-Wohnen-Programm Ihres Mieters! Doch nicht alle „Verschönerungspläne“ darf Ihr Mieter ungefragt in die Tat umsetzen, sondern er muss Sie zuvor erst mal um Erlaubnis bitten. Das betrifft vor allem größere oder auch von außen sichtbare bauliche Veränderungen.
Wer hätte das gedacht, dass der Austausch eines alten Teppichs gegen glänzendes Parkett einmal den Bundesgerichtshof beschäftigen könnte?  Ein Rentnerpaar aus Travemünde an der Ostsee schaffte das. Die beiden störten sich an den Laufgeräuschen von oben: Der Wohnungseigentümer drüber hatte seinen alten Teppich herausgerissen und gegen Parkett ersetzt. „Zulässig“ befanden die Richter aus Karlsruhe.  

 meineimmobilie.de-Tipp

Streiten Sie sich bei Mietvertragsende mit dem Mieter darum, ob er Ihnen einen verfleckten Teppich ersetzen muss, spielt auch das Alter des Teppichs eine Rolle. Hat der beschädigte Teppichboden die durchschnittliche Lebensdauer schon überschritten, gehen Sie leer aus: Am neuen Teppich muss sich Ihr Mieter dann gar nicht beteiligen.

 

War also Ihr Teppichboden bei Einzug des Mieters bereits 9 Jahre alt, aber in topp gepflegtem Zustand, und ist er ein Jahr später bei Auszug völlig ramponiert, muss Ihnen Ihr Mieter trotzdem keinen Cent mehr zahlen. Schließlich hat der Teppichboden seinen zeitlichen Zenit bereits erreicht!

 

Bei einem Teppichboden gehen die Gerichte von einer durchschnittlichen Lebensdauer von ca. 10 Jahren aus. Abhängig auch von der Qualität des Teppichs. Bei einem besseren Teppich auch schon einmal von 15 Jahren (LG Köln, WuM 1983 S. 126).