Dienstag, 09.05.2017 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Chefredakteurin , Foto: © Ralf Kalytta - Fotolia.com

Kaputter Wasserhahn: Wann der Mieter die Handwerker reinlassen muss

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Worum geht´s

Termin mit Handwerker: Wann der Mieter da sein muss.

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Ihr Mieter ruft Sie an, weil „seine“ Waschtischarmatur im Bad defekt ist. Sie wollen ihm gleich einen Handwerker vorbeischicken, doch das ist gar nicht so einfach. Ihr Mieter hat nämlich sehr konkrete Vorstellungen, wann die Handwerker vorbeikommen sollen: Montagabend oder Samstagvormittag.

 

Nein, das ist kein Scherz. Darüber kann übrigens auch nicht einmal Ihr Handwerker richtig lachen, als Sie ihm die Terminwünsche Ihres Mieters mitteilen. Müssen Sie sich auf solche „Mondschein-Termine“ mit dem Mieter einlassen? 

Handwerkertermin beim Mieter: Wer die Uhrzeit bestimmen darf

Grundsätzlich gilt: Der Mieter muss erforderliche Instandsetzungsarbeiten, wie beispielsweise die Reparatur seiner Badarmatur, dulden. Nicht notwendige Arbeiten jedoch nicht.

Terminlich ist es so: Sie machen zwar die Termine mit dem Handwerker, sollten sich aber zuvor mit dem Mieter abstimmen. Nennen Sie ihm am besten gleich zwei Alternativtermine.

Der Mieter muss nach einem BGH-Urteil (BGH, Urteil v. 4.3.2009, VIII ZR 110/08) jedoch an einer „alsbaldigen Terminbestimmung“ mitwirken (§ 242 BGB). Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie sich – rein rechtlich gesehen – zuerst mit dem Mieter über einen Termin einigen müssen – auch wenn sich das natürlich unter rein praktischen Gesichtspunkten empfiehlt. Schließlich muss der Vermieter ja wissen, wann der Mieter zuhause ist oder „für Ersatz sorgt“.

Berufstätiger Mieter: Wann der Vermieter darauf Rücksicht nehmen muss

Selbst wenn der Mieter berufstätig ist, gilt: Der Mieter muss Handwerkertermine tagsüber akzeptieren (AG Lichtenberg, Urteil v. 4.4.2014, 18 C 366/13).

Der Vermieter kann den Zutritt für seine Handwerker zu den üblichen Arbeitszeiten (werktags zwischen 7:00 bis 18:00 Uhr) verlangen. Auch wenn der Mieter berufstätig ist, muss er sicherstellen, dass seine Wohnung dann betreten werden kann. Notfalls muss er einen Dritten (z. B. Verwandte, Freunde, Nachbarn) bitten, den Handwerker reinzulassen.

Nur ausnahmsweise und in eng begrenzten Fällen muss der Mieter vorübergehend keine Handwerker in die Wohnung lassen. Beispielsweise, wenn der Mieter gerade im Examensstress ist oder beruflich überwiegend auswärts tätig ist.

Dann muss er Ihnen aber trotzdem einen Ausweichtermin für die Handwerker benennen bzw. eine „Ersatzperson“, die die Handwerker zu den üblichen Geschäftszeiten in die Wohnung lässt.

Wie konkret Sie Ihrem Mieter den Handwerkertermin nennen müssen

Der Mieter kann die Reparaturarbeiten nicht generell ablehnen oder nur „Einlasszeiten“ außerhalb der üblichen Geschäftszeiten anbieten.

Weil auch die Zeit des Mieters wertvoll ist, kann er verlangen, dass der Handwerker seinen Termin zeitlich auf eine Zeitspanne von wenigstens 2 Stunden eingrenzt. Sie können also nicht zum Mieter sagen, dass der Handwerker am Mittwoch vorbei kommt, sondern müssen schon etwas präziser werden: „Der Handwerker kommt am Mittwoch zwischen 8 und 10 Uhr vorbei“.

Werden nicht nur in der Mieterwohnung, sondern im ganzen Haus beispielsweise Elektroarbeiten durchgeführt, kann es manchmal sein, dass der Handwerker nicht genau sagen kann, wann er in eine konkrete Mieterwohnung muss.

Der Mieter darf selbst mit dem Handwerker abstimmen, ob sich die Zeit nicht doch eingrenzen lässt – und das ohne Sie zu fragen. Schließlich muss er sich darauf einrichten können.

Kommentare (1)

11.5.2017, 10:16 Uhr von Escher1 Profil ansehen
Ganz einfach: Der Handwerker erhält von mir einen Auftrag und bekommt (mit Absprache des Mieters) die Telefonnummer des Mieters und vereinbart direkt einen Termin. Seit vielen Jahren habe ich damit in meinem 6-Familienhaus Erfolg. Eine Terminvereinbarung über den Vermieter bringt nur Probleme.
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Ratgebern, E-Books, Loseblattwerken, ...
Heidi Schnurr
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Der Mieter muss die Handwerker nur in die Wohnung lassen – mehr aber nicht. Er muss also weder Möbel wegrücken noch Strom oder Wasser abstellen oder vor der Fensterreparatur die Vorhänge abhängen. Instandhaltungsarbeiten oder Instandsetzungsarbeiten muss der Mieter nur passiv dulden, aber nicht aktiv daran mitarbeiten.

 

Bevor Sie einen Termin mit dem Handwerker abmachen, sollten Sie mit dem Mieter klären, wann es ihm zeitlich passt. Nennt er Termine zur Unzeit – also außerhalb der üblichen Geschäftszeiten – müssen Sie sich nicht darauf einlassen, sondern können einen Alternativtermin fordern.

 

Für die Zeit, die Ihr Mieter die Reparaturarbeiten hinauszögert und sich quasi im Annahmeverzug mit den Instandsetzungsarbeiten befindet, darf er natürlich nicht die Miete mindern.

 

Um dem Mieter Druck wegen des Termins zu machen, können Sie ihn darauf hinweisen, dass Sie notfalls auf Duldung der Arbeiten klagen können. Dieser Hinweis empfiehlt sich jedoch erst, wenn sich der Mieter bei der Terminfindung wenig kompromissbereit zeigt.