Dienstag, 26.01.2010 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Kzenon - Fotolia.com

"Ich vermiete nicht an Neger, äh Schwarzafrikaner!"

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Stellen Sie sich einmal vor, Ihnen oder Ihrer Hausmeisterin rutscht so ein Satz über die Lippen! Einen Verwalter in Köln kostete dieser Satz 5.056 Euro. "Das ist ein schwerer Verstoß gegen die Menschenwürde!" befand das Gericht. Wieso das Gericht so hart durchgriff, lesen Sie hier.

Vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz haben Sie sicherlich auch schon einmal gehört. Darin geht es unter anderem darum, dass Sie z. B. einen Mietinteressenten nicht wegen seiner Hautfarbe oder ethnischen Herkunft ablehnen dürfen, sonst droht Ihnen Schadenersatz.

Sehr einfach machte es da eine Aachener Hausmeisterin dem Gericht. Bei einem Wohnungsbesichtigungstermin ließ sie sich gegenüber einem Paar schwarzafrikanischer Herkunft zu folgender Aussage hinreißen:

"Die Wohnung wird nicht an Neger - äh Schwarzafrikaner oder Türken vermietet!"

Mit diesen Worten brach sie bereits die Wohnungsbesichtigung ab.

Wer die Menschenwürde verletzt, muss Schmerzensgeld zahlen

Mit Hilfe des Gleichstellungsbüros verklagte das Paar den Verwalter, für diese Entgleisung 5.056 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld zu zahlen. Zu Recht!

Mit der Aussage verletzte die Hausmeisterin sehr schwer die Menschenwürde und damit das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Mietinteressenten.

Die Bezeichnung "Neger" sei zum einen nach dem heutigen Verständnis diskriminierend und ehrverletzend. Außerdem sei es ein Angriff auf die Menschenwürde, wenn eine Wohnungsbesichtigung allein wegen der Hautfarbe verweigert würde. "Das ist eine unzulässige und schwerwiegende Ausgrenzung!", so das Gericht.

Sie müssen auch für Ihre Gehilfen büßen

Obwohl die Hausmeisterin diesen groben Schnitzer beging, haftete der Hausverwalter dafür. Das Gericht begründete das so: Der Verwalter habe sich der Hausmeisterin als Gehilfin für das Durchführen von Besichtigungsterminen bedient.

Damit wurde sie sozusagen in seinem Pflichtenkreis tätig, so dass er auch für ihr Verhalten haftet.

 

 

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Bestimmt haben Sie das auch schon mal gehört: Jeder Mieter darf vorzeitig aus seinem Mietvertrag raus, wenn er Ihnen 3 Nachmieter nennt. Das ist ein reines Ammenmärchen.  Es gibt heutzutage nur noch wenige Fälle in der Praxis, wann Sie sich als Vermieter mit einem Nachmieter zufrieden geben müssen. Und selbst dann gilt: Sie müssen nicht jeden nehmen! 
Den perfekten Mieter gibt es nicht. Dennoch müssen Sie jemanden finden, dem Sie Ihre Immobilie guten Gewissens anvertrauen können. Dabei kann es nichts schaden, wenn Sie sich nicht nur auf Ihr Bauchgefühl verlassen, sondern Ihrem Mieter in spe ein wenig auf den Zahn fühlen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Falls Sie einen Mietbewerber ablehnen wollen, geben Sie bitte so wenig wie möglich von den Gründen Ihrer Entscheidung für oder gegen den Mieter preis.

 

Sie müssen nämlich nicht begründen, warum Sie einen Mietbewerber ablehnen!

 

Fühlt sich ein abgelehnter Interessent benachteiligt, muss er 2 Indizien dafür anführen, dass er diskriminiert wurde. Erst danach sind Sie am Zug und müssen beweisen, dass keine Benachteiligung vorliegt. Deshalb gilt hier das alte Sprichwort: Reden ist Silber, aber Schweigen Gold!