Mittwoch, 04.05.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Marccophoto - Fotolia.com

Heizen im Frühling: Wenn plötzlich der Winter zurückkehrt

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Worum geht´s

Wann Sie als Vermieter im Sommer die Heizung anwerfen müssen.

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Es ist Frühling - nur hat es leider der Wettergott noch nicht bemerkt! Ihr Mieter friert. Aber wegen dem die Heizung anwerfen? Soll er sich doch lieber ein bisschen dicker anziehen: Strickjacke oder so...

 

...können Sie das wirklich vom Mieter verlangen? Wie warm es in der Mieterwohnung werden muss und warum sich Ihr Mieter nicht auf die Strickjacke verweisen lassen muss, zeigt dieser Beitrag.

Ab Oktober beginnt sie wieder, die teure Heizsaison. Sie läuft normalerweise vom 1. Oktober bis zum 30. April. Ihr Mieter kann in dieser Zeit je nach Belieben die Heizung munter aufdrehen.

Was aber, wenn Ihr Mieter außerhalb dieses Zeitraums friert und es gern etwas wärmer in seiner Wohnung hätte: Müssen Sie dann wegen ihm die Heizung extra wieder anwerfen?  

Zu kalt: Ab wann Sie die Heizung wieder anwerfen müssen

"Kommt drauf an", sagen da die Juristen. Und zwar darauf, wie lange und wie "kalt" es drinnen ist. Tatsächlich handelt es sich nämlich bei der Heizperiode um keine starre Frist.

Deswegen kann Ihr Mieter auch außerhalb der im Mietvertrag festgelegten Heizperiode darauf bestehen, dass Sie in einem kalten Sommer die Heizung wieder anwerfen. 

Dagegen können Sie sich mit keiner noch so ausgefeilten Klausel schützen.

Ein einziger kalter Tag genügt noch nicht 

Allerdings gilt es erst als "kalter Sommer", wenn die Zimmertemperatur tagsüber auch nur zeitweise unter 18 Grad Celsius sinkt und absehbar ist, dass die kalte Witterung länger als zwei bis drei Tage anhält.

Dann müssen Sie als Vermieter auch außerhalb der Heizperiode für eine warme Wohnung sorgen (AG Schöneberg, Urteil v. 04.02.1998, 5 C 375/97, NZM 1998, S. 476).

Wenn die Heizung nur handwarm wird 

Ihr Mieter dreht die Heizung auf, aber dennoch wird der Heizkörper nur handwarm? Das kann am Außenfühler liegen. Fällt die Außentemperatur unter 20 Grad, springt zwar die Heizung automatisch an und versorgt die Heizkörper in den Wohnungen mit Wärme.

Allerdings steht bei knapp unter 20 Grad noch nicht die volle Heizleistung zur Verfügung. Die Heizkörper werden deswegen nur handwarm. Damit soll verhindert werden, dass bei kleineren Temperatursprüngen die Anlage ständig komplett auf- und abgefahren wird. Damit würde zu viel Energie verschwendet.

Im Winter sind mindestens 19 Grad ein Muss

Wie gut muss Ihre Heizung im Winter heizen? In einer Dresdner Anwaltskanzlei wurde es nur 19 °C warm. Die Anwälte pochten jedoch auf 21 °C. Nun weiß man ja: Mit Anwälten sollte man sich besser nicht anlegen und genauso kam es auch!

Die Anwälte durften wegen der 19 °C die Miete mindern. Doch das war noch nicht alles: Der Vermieter musste zudem die Handwerker rufen und seine Heizung reparieren lassen (OLG Dresden, Urteil v. 31.07.2007, 5U284/07).

Übrigens: Die errechnete Minderungsquote bezieht sich immer auf die Bruttomiete - also die Miete einschließlich aller Vorauszahlungen (BGH, Urteil v. 20.07.2005, VIII ZR 347/04).

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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 meineimmobilie.de-Tipp

Nach der DIN 4701 müssen Sie im Winter für die folgenden Mindesttemperaturen in der Wohnung sorgen:

 

  • 20 °C in Wohn- und Schlafräumen sowie Küchen,
  • 15 °C in Fluren und
  • 22 °C in Bädern.

 

Eine automatische Nachtabsenkung von Mitternacht bis morgens um 6 zur Energieeinsparung ist erlaubt. Allerdings muss auch nachts eine Mindesttemperatur von 15 bis 17 °C gewährleistet sein.

 

Eine Nachtabsenkung darf in der Zeit von 24 Uhr bis 6 Uhr stattfinden.