Dienstag, 01.05.2012 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © inna_astakhova - Fotolia.com

Haarige Sache: "Bello fein!" im Treppenhaus

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Worum geht´s

Den Hund im Treppenhaus bürsten: Darf der Mieter das? Und falls ja, auch dann, wenn ein Allergiker im Haus wohnt? Das ist jetzt gerichtlich entschieden.

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Tierhaare in der Wohnung: Wer will das schon? Aber: Bello muss fein gemacht werden und da fliegen nun mal die Haare! Ein Mieter aus Frankfurt suchte sich dafür das Treppenhaus aus – sehr zum Leidwesen der Mitbewohner! „Tun Sie was dagegen!“ forderte eine Mitbewohnerin den Vermieter auf. Ob zu Recht, klärte das Gericht.

Um eine haarige Sache ging es in einem Streit, den ein Mieter mit einer Mitbewohnerin im Haus führte. Der Leidtragende: der Vermieter, der schlichten musste.

Der Mieter – ein Hundehalter – nahm es mit der Tierpflege sehr genau: Er bürstete regelmäßig seinen zotteligen Hund. Sehr zum Leidwesen einer anderen Mieterin im Haus, denn das Striegeln fand nicht in seiner Wohnung, sondern im Treppenhaus statt.

Das Halten eines Hundes gehört zur allgemeinen Lebensführung

Das ärgerte die Mitbewohnerin, denn ihre kleine Tochter litt unter einer Tierhaarallergie.

Deswegen beschwerte sich die Mieterin beim Vermieter: Der sollte dafür sorgen, dass der Hundehalter seinen Hund künftig in statt vor der Wohnungstür striegelte.

Bis es so weit war, minderte sie dem Vermieter die Miete um 20 % – zu Unrecht, denn der Vermieter hatte keine Chance, auf den Tierfreund einzuwirken (AG Frankfurt a. M., Urteil v. 8.11.2011, 33 C 2792/11, NZM 2012, S. 115).

So sah es jedenfalls das Gericht. Es gehöre nämlich zur heute üblichen Lebensführung, dass Menschen Tiere halten – und das nicht nur auf dem Land!

Hundehaare sind noch kein nennenswerte Nachteil

Selbst in Mehrfamilienhäusern ist das Halten eines Hundes jedenfalls unter sozialen Gesichtspunkten als „normal“ einzustufen und gehört zu den soziokulturellen Gegebenheiten.

Ein Hund muss jedoch „ordnungsgemäß“ gehalten werden, so dass die Beeinträchtigungen für andere so gering sind, dass ihnen dadurch kein nennenswerter Nachteil entsteht.

Dabei stellen „verlorene Hundehaare“ noch keinen Nachteil dar.

Nachbarschaftlich „nicht fein“, aber erlaubt

Es ist zwar „nachbarschaftlich nicht fein“, seinen Hund vor statt in der Wohnung zu bürsten. Allerdings ist damit noch nicht die Grenze überschritten, ab der der Vermieter auf einen anderen Mieter einwirken muss. Deswegen war die Mietminderung nicht gerechtfertigt.

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Sie tragen Schleifchen und Mäntelchen. Sie haben ihre eigenen Friseure und Boutiquen und werden dorthin meist in teuren, eigens für sie angefertigten Handtaschen getragen. Die Rede ist von Yorkshire Terriern. Das sind eigentlich Hunde. Oder zählen die doch zu den Kleintieren?   Wo der Unterschied liegt? Ganz einfach: Kleintiere darf der Mieter ungefragt halten, Hunde aber meist nicht.
Ob Hund, Katze oder Hamster: Zwei- und Vierbeiner sind beliebte Mitbewohner in vielen Mietwohnungen. Häufig wissen die Vermieter nicht einmal, dass Ihr Mieter ein Haustier in seiner Wohnung hält und das, obwohl in vielen Mietverträgen nur die Kleintierhaltung erlaubt ist.   Ist tierischer Ärger ein Kündigungsgrund? Erst mal nicht! Dürfen Sie die Tierhaltungsbitte Ihres Mieters gleich rigoros ablehnen? Nicht unbedingt!  

 meineimmobilie.de-Tipp

Ein Mieter mit einer Hundehaarallergie kann nicht von seinem Vermieter verlangen, dass er anderen Mietern im Haus deswegen das Halten von Hunden oder Katzen verbietet (AG Zassen, Urteil v. 12.1.2010, 7 C 231/09, GE 2010, S. 769).

 

Das Halten von Tieren im Haus kann von einem Allergiker – wie von allen anderen Mitbewohnern im Haus auch – erst dann zum Anlass für eine Mietminderung genommen werden, wenn es wegen des Tieres zu Unsauberkeiten im Haus oder auf dem Grundstück kommt. Erst dann liegt ein Mangel der Mietsache vor (AG Bad Arolsen, Urteil v. 8.3.2007, 2 C 18/07 (70), WM 2007, S. 191).