Dienstag, 31.08.2010 | Autor: Heidi Schnurr

Gute Nacht, Mieter: Schnarchender Nachbar ist kein Kündigungsgrund

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Ein schnarchender Ehepartner ist eine Sache, ein schnarchender Nachbar eine andere. Worin liegt der kleine, aber feine Unterschied? Der liegt jedenfalls nicht nur darin, dass Sie mit dem einen verheiratet und dem anderen nur bekannt sind. Gleich 2 Gerichte mussten sich mit Schnarchern beschäftigen. Wer am Ende die Nase vorn hatte, lesen Sie hier.

Der kleiner Unterschied zwischen einem schnarchenden Ehemann und einem schnarchenden Nachbarn ist der: Wegen eines schnarchenden Ehemanns dürfen Sie als Vermieter dem Mieter wegen Eigenbedarf kündigen, wenn Sie seine Wohnung benötigen, um getrennte Schlafzimmer einrichten zu können (AG Sinzig, Urteil v. 06.05.1998, 4 C 1096/97, bestätigt durch LG Koblenz, Urteil v. 17.06.1999, 14 S 216/98, WM 1999, S. 461).

Wegen schnarchendem Nachbarn gibt's keinen Schadenersatz

Ärgert sich dagegen Ihr Mieter über seinen schnarchenden Nachbarn, ist das noch kein Kündigungsgrund. Natürlich gibt es deswegen auch keinen Schadenersatz - jedenfalls nicht vom Vermieter!

Ein Bonner Mieterehepaar versuchte es trotzdem - und scheiterte mit seiner Kündigungs- und Schadenersatzklage vor Gericht (AG Bonn, Urteil v. 25.03.2010, 6 C 598/08).

Stolze 8.500 EUR Schadenersatz wollten die beiden vom Vermieter haben, weil der sie angeblich beim Mietvertragsabschluss arglistig getäuscht haben soll.

Sie hatten nämlich ausdrücklich nach einer ruhigen Wohnung gesucht. Stattdessen wohnte unter ihnen ein Schnarcher, der sie nächtelang wach hielt. Ganze 4 Monate hielten die beiden das aus, bevor sie fristlos kündigten und auszogen.

Schnarchgeräusche zählen als ganz normaler Alltagslärm

Das ließ das Gericht nicht als Kündigungsgrund gelten. Schnarchgeräusche seien hinzunehmen, hieß es im Urteil.

Und das obwohl ein Sachverständiger feststellte, dass die tiefen Frequenzen eines Schnarchers gerade bei Holzbalkendecken besonders gut weitergeleitet würden.

Ohnehin könne ein Vermieter nicht für die Geräusche der Nachbarn verantwortlich gemacht werden.

Mit "ruhiger Wohnung" ist nur die Lage gemeint

Der Wunsch nach einer "ruhigen Wohnung" bezeichne auch nur die Lage des Hauses.

Nach der Urteilsverkündung wurden lediglich die Mieter ganz ruhig: Die mussten nicht nur die 3 Monatsmieten bis zum Wirksamwerden ihrer ordentlichen Kündigung nachzahlen, sondern zudem noch für ihre Umzugs- und die Maklerkosten in die eigene Tasche greifen.

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Wohnt nebenan ein schnarchender Nachbar, kann Ihr Mieter deswegen nicht seinen Mietvertrag fristlos kündigen.

Natürlich gibt es deswegen auch keinen Schadenersatz, denn schließlich gehören Schnarchgeräusche zum allgemein hinzunehmenden Alltagslärm.

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